Am 22. Januar 2026 wäre Werner Schulz 76 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund gedachten Freunde, Weggefährten und andere Menschen des 2022 überraschend verstorbenen Politikers. Bei der Veranstaltung, im Mediencampus Villa Ida, wurde auch der Werner-Schulz-Preis 2026 an den Schriftsteller und Publizisten Marko Martin übergeben.

In Memoriam Werner Schulz (1950–2022). Foto: Thomas Köhler
In Memoriam Werner Schulz (1950–2022). Foto: Thomas Köhler

Zu Beginn stand das Gedenken an Werner Schulz. Er war einer der prägendsten ostdeutschen Politiker der Nachwendezeit, ist allerdings aus dem kollektiven ostdeutschen Gedächtnis fast völlig verschwunden. Letzteres ist eine Einfügung des Autors, aus eigenem Erleben heraus.

Das Wirken von Werner Schulz wurde in den Reden von Thomas Vogel und Burkhard Jung gewürdigt. Der für diese Veranstaltung hergestellte Filmbeitrag ging besonders auf die Zeit von 1989 bis 1994 ein. Im Film erinnern sich Marianne Birthler und Joachim Gauck an das Wirken von Werner Schulz. Der Film ist leider bisher online nicht zu finden, im Video ein kurzer Ausschnitt.

Werner-Schulz-Stipendium

Erstmals wurde ein Werner-Schulz-Stipendium vergeben. Die Werner-Schulz-Initiative schreibt dazu: „Wir fördern politisch aktive Menschen, die die gesellschaftlichen Ziele der Werner Schulz Initiative (WSI) unterstützen und sich in herausragender Weise für zentrale und aktuelle Anliegen einer gemeinsamen europäischen Verständigungs- und Demokratie-Agenda engagieren.“

Stipendiatinnen sind in diesem Jahr Zlata Zhuravlova aus der Ukraine und Kacia aus Belarus. Zlata organisiert kulturelle und Bildungsprojekte zur Integration ukrainischer Jugendlicher, gründete gemeinsam mit anderen Aktivist:innen den deutsch-ukrainischen Verein Dva Svity (Zwei Welten) und bereitet die Veröffentlichung ihrer ersten Gedichtesammlung vor.

Zlata Zhuravlova. Foto: Thomas Köhler

Kacia, der Name ist ein Pseudonym zum Schutz ihrer noch in Belarus lebenden Verwandten und Freunde, ist eine belarussische Menschenrechtsaktivistin. Sie kämpft für die Menschenrechte in Belarus, unterstützt Familien politischer Gefangener in Belarus und dokumentiert die Verbrechen, Folter und Misshandlungen durch das belarussische Regime. Aus den o.g. Gründen verzichten wir auch auf ein Foto der Stipendiatin.

Laudatio und Übergabe des Preises

In der Laudatio, gehalten von Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, wurde sowohl das Werk und Wirken von Werner Schulz, als auch das von Marko Martin gewürdigt. Es durfte selbstverständlich nicht der Verweis auf die Rede zum 35. Jubiläum des Mauerfalls, die den Bundespräsidenten aus der Fassung brachte, fehlen. Aber wichtiger erschien der ostdeutsche Bezug.

Laudatorin Katrin Göring-Eckardt. Foto: Thomas Köhler

„Und etwas Zweites, wofür wir Marko Martin dankbar sein können: dass er bei all seiner Weltläufigkeit seine Herkunft nicht vergessen will. Ich bin Sachse. Ich kenne das Ressentiment, überschreibt er 2016 einen Gastbeitrag vor zehn Jahren. Gerade in diesem Jahr, in dem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September gewählt wird, braucht es Menschen, die mit klarem Blick in Richtung Ostdeutschland, unseres Landes sehen.

Die nicht verklärt auf die Dinge schauen, sondern sagen, was ist. Die zugleich nicht verfallen in die allgemeine Klage, dass die da drüben eben alle dunklen Mächten verfallen seien, die den Ostteil des Landes betrachten wie ein fernes Universum, mit dem man hoffentlich niemals kollidieren möge.“

Es verbietet sich von selbst, die zwanzigminütige Laudatio hier zu beschreiben. Es ist zu hoffen, dass die Mitschnitte der Veranstaltung kurzfristig auf dem Youtube-Kanal der Werner-Schulz-Initiative eingestellt werden.

Darauf folgten die Begründung der Jury durch Steffen Bickhardt und die Übergabe des Preises durch Dr. Harald Langenfeld.

Preisübergabe: Thomas Vogel, Marko Martin, Frauke Bublies, Stephan Bickhardt, Harald Langenfeld Foto: Thomas Köhler

Die Dankesrede des Preisträgers können Sie auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung nachlesen. Es war ein hörenswerter Gewaltritt über Václav Havel, Herbert Belter, Hannah Arendt, Egon Krenz, Donald Trump und den „Arafatka“, um nur einige zu nennen. Wichtig erscheint hier, dass Marko Martin nie an Aufgeben denkt.

Freiheitsaufgaben

Unter diesem Titel diskutierten Marko Martin, der Autor des gleichnamigen Essays, und Jakob Springfield, moderiert von Gesine Dornblüth, über Freiheit. Was bedeutet diese für die beiden persönlich, im Allgemeinen, wodurch wird sie bedroht und was kann und muss getan werden?

Jakob Springfield, Marko Martin, Gesine Dornblüth. Foto: Thomas Köhler

Auch hier die Hoffnung, dass der Mitschnitt veröffentlicht wird. Am Ende stand die Frage: Was gibt Euch Kraft?

Aus der Antwort von Marko Martin stammt auch das Zitat im Titel.

Ein Kurzinterview

Ich habe die Gelegenheit genutzt und Marko Martin gebeten, mir auf drei Fragen zu antworten. Die erste ist wohl die übliche: Was bedeutet der Preis für Sie?

In der zweiten wollte ich wissen, ob sich Menschen, die Demokratie und Freiheit wollen, nicht über kleinliche Differenzen hinweg, gegen Feinde von Demokratie vereinigen sollten.

Die Dritte, die mir als Ostdeutschem am Herzen lag, war: „Muss man den Osten heute überhaupt noch erklären? Muss man ihn besonders verstehen, oder sollen wir lieber über Demokratie an und für sich reden?“

Die Antworten sehen Sie im Video, besonders die kleine, freundlich-verbale Kopfnuss ist wohl typisch für Marko Martin.

Anmerkung: Ich habe die gesamte Veranstaltung auf Video aufgezeichnet. Leider ist der Ton, der über die Anlage des Veranstalters abgenommen wurde, von schlechter Qualität. Deshalb sind die Tonspuren, außer der des Interviews, nachbearbeitet.

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