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Zurück in die Normalität: Über den Impffortschritt, Herdenimmunität und den digitalen Impfnachweis

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    Wie im vergangenen Sommer kehrt seit einigen Wochen wieder ein bisschen Normalität in Deutschland ein. Doch Expert/-innen befürchten, dass es im Herbst zu einer nächsten Welle kommen könnte – nicht zuletzt wegen der COVID-19-Varianten, die kürzlich ein Studentenwohnheim in Dresden in die Quarantäne schickten, nachdem ein Bewohner mit der Delta-Mutation nach Sachsen zurückkehrt ist. Große Hoffnungen werden derzeit in die Impfkampagne gesetzt, die im Dezember 2020 startete und nun bundesweit Fahrt aufgenommen hat. Wie steht Sachsen im Deutschland-Vergleich da? Können das Impfziel und Herdenimmunität bis Herbst 2021 erreicht werden?

    Bisher hat knapp die Hälfte der Deutschen eine Erstimpfung gegen COVID-19 verabreicht bekommen; 29 Prozent sind vollständig geimpft. Während Sachsen gemeinsam mit Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen die höchsten Quoten im Bereich der vollständigen Impfungen aufweist, bildet der Freistaat bei den Erstimpfungen mit 44 Prozent – das entspricht rund 1,8 Millionen Impfungen – das Schlusslicht. Grund dafür sei das Zurückhalten der Zweitimpfdosen, so das Deutsche Rote Kreuz Sachsen: „Die konsequente Sicherstellung der bereits mit dem Erstimpftermin vergebenen Zweitimpfungen im festgelegten zeitlichen Abstand hat sich aus unserer Sicht als Organisator der Impfkampagne des Freistaates Sachsen bewährt. Die Zweitimpfung bedeutet maximalen Schutz vor schwerer Erkrankung und Tod.

    Ausbrüche in Heimen nach einer Erstimpfung bestätigten diesen Weg.“ Auch die wissenschaftlichen Daten aus anderen Ländern würden belegen, dass es aus epidemiologischer Sicht die beste Variante sei, schnell für eine komplette Immunisierung zu sorgen.

    Bei der Impfkampagne werden die mobilen Impfteams, die Krankenhäuser und die 13 Impfzentren seit dem 7. April von allen Hausärzt/-innen, seit dem 7. Juni außerdem von Betriebsärzt/-innen unterstützt. Die Terminvergabe regeln die Praxen dabei selbst. Eine weitere Neuerung trat zudem am 7. Juni in Kraft: Die Priorisierung, wonach sich bisher nur bestimmte, vulnerable Gruppen für die Impfung anmelden konnten, wurde vollständig aufgehoben.

    Konnte das Impfportal, das schon oft überlastet zusammengebrochen ist, dieser Freigabe standhalten? Ja, so das DRK Sachsen – die Serverkapazitäten wurden umfänglich ausgebaut. Der „Mega-Run“ blieb aber noch aus einem weiteren Grund aus: „Bereits im Vorfeld wurde über verschiedene Stellen und Kanäle darauf hingewiesen, dass der Impfstoff derzeit knapp ist. Somit wurde die Erwartungshaltung, schnell einen Termin ergattern zu können, bereits im Vorfeld gedämpft.“

    Zu wenig Impfstoff. Das derzeitig größte Problem, so das DRK Sachsen. Abgesehen davon scheint die sächsische Impfkampagne gut aufgestellt zu sein: „Die Impfkapazitäten in den sächsischen Impfzentren inklusive mobiler Teams befinden sich bei einer durchschnittlichen Zahl von circa 13.000 Impfungen pro Tag.“ Auch das Impfzentrum in Leipzig bestätigt: „Wir haben die Prozesse im Impfzentrum immer weiter optimiert, sodass wir die vereinbarte Anzahl von Impfungen bisher jederzeit realisieren konnten.“

    In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die drängendste Frage: Kann bis Herbst jede Person, die eine Schutzimpfung erhalten möchte, auch eine bekommen? Laut RKI sprechen die meisten derzeitigen Studien dafür, dass die bisher zugelassenen Impfstoffe von Moderna, Biontech/Pfizer, AstraZeneca und Johnson & Johnson auch gegen die Mutationen einen hohen Schutz gewährleisten. Somit geht es nicht vorrangig um noch wirksamere neue Vakzine, sondern um möglichst viele vollständig Geimpfte. Kann also die Herdenimmunität von knapp 75 Prozent erreicht werden, um eine weitere Welle im Herbst zu verhindern?

    Das DRK Sachsen äußert sich zuversichtlich. Zum einen werden die sächsischen Impfzentren noch bis Ende September geöffnet haben. Zum anderen lagen die Zahlen der bundesweiten Impfungen pro Tag Anfang des Jahres noch im niedrigen fünfstelligen Bereich. Momentan würden in ganz Deutschland oftmals über eine Million Spritzen am Tag verabreicht. Selbst mit weniger Impfstoff rückt durch die Optimierung der Prozesse das Impfziel in greifbare Nähe.

    Das ist nicht zuletzt deshalb der Fall, weil nun auch Jugendliche ab 14 Jahren geimpft werden können. Etwa 3.000 seien im Freistaat schon für einen Impftermin registriert, teilte das DRK Sachsen Mitte des Monats mit. Es macht jedoch darauf aufmerksam, dass für die Impfung der Altersgruppe 14 und 15 Jahre die Einwilligung durch beide Sorgeberechtigte und die Anwesenheit mindestens eines Sorgeberechtigten beim Termin erforderlich ist. Für die 16- und 17-Jährigen müsse wenigstens ein Sorgeberechtigter einwilligen.

    Die bereits Geimpften beschäftigt derweil ein anderes Problem: Was hat es mit dem digitalen Impfpass auf sich? Zunächst konnten vollständig Geimpfte in sechs der sächsischen Impfzentren die entsprechenden Zertifikate erhalten. Das Impfzentrum Leipzig und die restlichen folgten kurz darauf. „Grund für die Verzögerung waren die Server des Bundes, die immer wieder nicht erreichbar waren“, so der DRK-Verband Leipzig.

    Das Angebot kann jedoch nur bei einer tagesaktuellen Impfung wahrgenommen werden. In naher Zukunft sollen auch Ärzt/-innen den digitalen Impfnachweis ausstellen können, so das Sozialministerium Sachsen. Nachtragungen für bereits Geimpfte sind ausschließlich in Apotheken möglich. Zunächst muss dabei der Barcode auf dem Zertifikat mit der CovPass-App oder der Corona-Warn-App gescannt werden.

    Anschließend erscheint auf dem Smartphone ein QR-Code, der den Impfstatus der Person enthält und in der EU als Impfnachweis akzeptiert wird. Der gelbe Impfpass ist natürlich auch weiterhin überall gültig und muss bei einer Reise außerhalb der EU definitiv mit im Gepäck sein.

    „Zurück in die Normalität: Über den Impffortschritt, Herdenimmunität und den digitalen Impfnachweis“ erschien erstmals am 25. Juni 2021 in der aktuellen Printausgabe der LEIPZIGER ZEITUNG.

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