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Bildungspolitischer Aktionsstand statt bildungspolitische Stunde

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    Am 2. Mai 2019 sollte die jährliche, öffentliche bildungspolitische Stunde des Stadtrats stattfinden. Der Planung dazu hatte sich der zuständige Fachausschuss angenommen und folgte dem Vorschlag der Grünen, dieses Mal die Berufsschulen in den Focus zu nehmen.

    In den Mühlen der Verwaltung wurde diese Idee in der Weise weiterverarbeitet, dass schließlich die Zusammenlegung mit der wirtschaftspolitischen Stunde vorgeschlagen wurde. Dieses traf auf Ablehnung einzig bei uns Grünen, da wir eine eigenständige bildungspolitische Stunde wollen und keine Vermengung mit dem durchaus wichtigen Thema der Nachwuchssorgen der Betriebe.

    „Der Blickpunkt der Wirtschaft ist gut beleuchtet, aber was bedeutet Ausbildungsfähigkeit aus Sicht der Berufsschulen, der Schüler und Schülerinnen? Schule soll junge Menschen zu mündigen Staatsbürgern erziehen – was bedeutet das für die Berufsschulen?“ macht Katharina Krefft, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, die politische Bildungsfrage auf, die sich nicht allein auf die Bedarfe der Betriebe einengt.

    „Oberbürgermeister Jung war offenbar nicht in der Lage, eine konzeptionelle Vorlage zum Thema vorzulegen. Wie schätzt die Stadt Leipzig die mündige, selbstbestimmte und demokratische Kultur an den Berufsschulen ein und wo sieht sie Handlungsbedarf? Das muss auf den Tisch!“ kritisiert Petra Čagalj Sejdi, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

    Die Jugendstudie 2015 zeigte klar, dass die Zufriedenheitswerte bei Schülern und Schülerinnen der Berufsschulen und im berufsvorbereitenden Jahr gegenüber anderen Schultypen schlechter sind (eigenes Geld, Freizeitgestaltung, Wohnsituation, Verhältnis zum Vater; ähnlich sind hingegen die Werte für Beziehung zu Freunden, zur Mutter).

    „Interessant wäre, was der alltagsbestimmende Lebensort Schule hierzu beiträgt. Kulturelle und gerade nicht ökonomische Vorbehalte gegenüber Migranten und Migrantinnen bestehen weiterhin – auch hier muss hinterfragt werden, wie die kulturelle Bildung an Berufsschulen aufgestellt ist und wo und wie sie bereichert werden kann“, formulieren die beiden ihre Ansprüche an die Bildungspolitik.

    Nachdem auch der Wirtschaftsausschuss diese zusammengelegte politische Stunde ablehnte, wurde die Sitzung in den Herbst geschoben.

    Die freigewordene Zeit nutzen die Stadträtinnen für einen Aktionsstand an der Angerbrü-cke, um über grüne bildungspolitische Forderungen ins Gespräch zu kommen und insbesondere dafür zu werben, dass Städte und Gemeinden mehr Gestaltungsspielraum für Bildungsangebote bekommen. Der Volksantrag „Längeres gemeinsames Lernen“ hat genau dieses zum Ziel: Leipzig könnte neben der gut gefragten Nachbarschaftsschule weitere Gemeinschaftsschulen einrichten.

    „Damit hätten wir ein starkes Instrument, die Bildungskultur in Leipzig zu bereichern, um Kindern einen besseren Start in ihr Leben und auch in ihr Ausbildungsleben zu ge-ben,“ schließt Katharina Krefft.

    Katharina Krefft und Petra Čagalj Sejdi sind am 2. Mai von 11:45 bis13:45 Uhr an der Angerbrücke und werben um Unterschriften für den Volksantrag „Längeres gemeinsames Lernen“

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