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Ministerpräsident überreicht zehn Persönlichkeiten Verdienstorden des Freistaates Sachsen

Würdigung für besondere Verdienste: Ministerpräsident Michael Kretschmer hat gestern in Dresden an fünf Persönlichkeiten den Sächsischen Verdienstorden überreicht. Weitere fünf Frauen und Männer erhalten den Orden am heutigen Samstag. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und um die Abstandsregeln einhalten zu können, findet die Zeremonie an zwei aufeinander folgenden Tagen in einem Festsaal der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden statt.

Kretschmer würdigte das herausragende Engagement der insgesamt zehn Frauen und Männer: „Sie alle haben durch ihr einzigartiges Engagement unglaublich viel bewegt. Sie haben sich an ganz verschiedenen Stellen in besonderer Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht und schaffen damit Zusammenhalt. Menschen wie Sie machen unsere Gesellschaft erst zu dem, was sie ist – zu einer lebendigen und mitmenschlichen Wertegemeinschaft. Für diesen wunderbaren und uneigennützigen Einsatz für den Freistaat Sachsen bin ich Ihnen außerordentlich dankbar.“

Bei dem Sächsischen Verdienstorden handelt es sich um die höchste staatliche Auszeichnung des Freistaates.

Ausgezeichnet wurden heute im Einzelnen:

Nora Lang

Nora Lang (89) engagiert sich seit Jahrzehnten in der Versöhnungsarbeit, für Frieden und Menschenrechte. 1945 überlebte sie als 13-Jährige die Bombardierung ihrer Heimatstadt Dresden. Geprägt davon, engagiert sie sich sowohl national als auch international für Frieden und Versöhnung – und eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur.

Unermüdlich setzt sie sich für Begegnungen zwischen den Generationen, Nationen und Kulturen ein und ist zugleich Wegbereiterin für eine aktive Versöhnung mit Menschen, die unter den von Deutschland im 20. Jahrhundert zu verantwortenden Verbrechen gelitten haben. An Schulen ist sie regelmäßig als Zeitzeugin zu Gast, um über die Schrecken des Krieges und ihre Versöhnungsarbeit zu berichten. S

ie gehört auch zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft 13. Februar in Dresden. Früh trat sie der Instrumentalisierung des Jahrestages der Bombardierung der Stadt durch geschichtsrevisionistische und rechtsextreme Gruppen entgegen. Mit einer Menschenkette, die die Innenstadt umschließt, gedenkt Dresden seit 2010 alljährlich der Opfer und setzt zugleich ein deutliches Zeichen gegen Hass und Gewalt und für Gemeinsamkeit und Versöhnung. Nora Lang war Anmelderin der ersten Menschenkette.

Dr. Achim Middelschulte

Dr. Achim Middelschulte (75) hat sich nach der Wiedervereinigung für Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft im Freistaat Sachsen engagiert. Als langjähriges Mitglied des ersten Kuratoriums der TU Bergakademie Freiberg setzte er sich für die weitere erfolgreiche Entwicklung der traditionsreichen Hochschule ein. Beeindruckend ist auch sein Wirken für Kunst und Kultur in Sachsen. Hervorzuheben ist dabei sein Engagement im „Freundeskreis der Dresdner Porzellansammlung im Zwinger e.V.“

Auch in Freiberg und Chemnitz engagierte sich der frühere Ruhrgas-Vorstand. So förderte das Energieunternehmen auf seine Initiative hin 1999 eine große Munch-Retrospektive in den Kunstsammlungen in Chemnitz. In Freiberg und Chemnitz lockte zudem seine renommierte Porzellansammlung „Der Bergbau und das weiße Gold“ viele Besucherinnen und Besucher an. Nach dem Elbehochwasser 2002 organisierte er Hilfe und Spenden: Dank dieser Unterstützung konnte unter anderem das Bürgerzentrum Freital wiederaufgebaut werden.

Karla Brümmer

Karla Brümmer (74) setzt sich seit Anfang der 1990er Jahre in beispielhafter Weise für Menschen ein, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Seit 1991 ist sie Mitglied der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft im Landesverband Sachsen. Seither leitet sie ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppe in Chemnitz und setzt sich für die Betroffenen ein – stets optimistisch, kämpferisch, voller neuer Ideen und anderen Mut machend.

Karla Brümmer, selbst von der Krankheit betroffen, gründete verschiedene Therapiegruppen, war als Leiterin von Gesprächskreisen tätig und organisiert mehrmals im Jahr Aktivitäten und kulturelle Veranstaltungen. Auch setzte sie sich immer wieder für in finanzielle Notlagen geratene Erkrankte ein. Durch ihr großes Engagement – auch als stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes – hat sie wesentlich dazu beigetragen, eine breite Öffentlichkeit über die Krankheit zu informieren.

Prof. Dr. Lothar Kroll

Prof. Dr. Lothar Kroll (61) hat durch seine leidenschaftliche Arbeit und sein Engagement den Wissenschaftsstandort Sachsen vorangebracht und gestärkt. 2006 übernahm er an der TU Chemnitz die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung, die heute zu den besonders erfolgreichen bundesweit zählt. Zudem leitet er das Institut für Strukturleichtbau sowie das Kunststoffzentrum Oberlausitz am Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik und war als Koordinator am deutschlandweit ersten Bundesexzellenzcluster auf dem Gebiet der Leichtbauforschung tätig.

Hervorzuheben ist auch sein Einsatz für die 2017 gegründete Leichtbau-Allianz Sachsen, die darauf abzielt, den Freistaat zu einer der weltweit führenden Kompetenzregionen im Leichtbau zu entwickeln. Prof. Dr. Kroll ist dabei stets eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Industrie wichtig. Davon profitieren vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, die über keine eigene Forschungsabteilung verfügen. Auch für den Austausch über Grenzen hinweg macht er sich stark. Beispiel dafür ist die enge Zusammenarbeit mit der TU Opole in Polen.

Werner Eyßer

Werner Eyßer (61) ist eine Unternehmerpersönlichkeit, die mit großem persönlichen Einsatz für unser Gemeinwesen aktiv ist. So engagierte er sich im Ehrenamt im „Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Sachsen e.V.“ – zwischen 2006 und 2018 als Präsident des Vereins. Mit Kreativität und Elan setzte er sich unter anderem für die Landesgartenschauen in Sachsen und verschiedene Wettbewerbe ein. Der Berufsnachwuchs liegt Herrn Eyßer besonders am Herzen.

So trieb er die Einführung eines neuen Ausbildungsmodells gemeinsam mit der HTW Dresden voran und kümmert sich um die Ausrichtung von Freisprechungsfeiern. Bei der Hochwasserkatastrophe 2002, von der sein Unternehmen selbst betroffen war, organisierte er gleichwohl umfangreiche Hilfe für andere. Ehrenamtlich ist er unter anderem in einem Feuerwehrverein tätig und unterstützt einen Bürgerverein, der einem vom Verfall bedrohten Freibad zu neuem Glanz verhilft. Hinzu kommt Sponsoring für mehrere Sportvereine in der Region.

Am heutigen Samstag werden folgende Persönlichkeiten geehrt:

Ruth Müller-Landauer

Ruth Müller-Landauer (91) setzt sich im besonderem Maße dafür ein, Kindern und behinderten Menschen passende Tanz- und Bewegungsangebote zu ermöglichen. Ihr Wissen und Können als Tanzlehrerin gab sie bereits in verschiedenen Kindertanzgruppen weiter und gründete im Alter von 60 Jahren den Turn- und Tanzverein „Vergißmeinnicht e. V.“ in Plauen. Mit großer Überzeugung und Hilfsbereitschaft unterstützt und fördert sie auch geistig und körperlich eingeschränkte Menschen und weckt in ihnen die Freude an der Bewegung nach Musik.

Zudem unterstützt sie bereits seit den 90iger Jahren die „Elterninitiative Hilfe für Behinderte und ihre Familien Vogtland e. V.“ und organisiert verschiedene Tanzgruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen. Darüber hinaus engagiert sich Frau Müller-Landauer sehr für die Pflege des Brauchtums in der Vogtlandregion – sei es durch das Auftreten ihrer Tanzgruppen bei regionalen Höhepunkten oder als Traditionsfigur „Neideiteln“, die sie seit vielen Jahren darstellt.

Dr. Siegfried Krüger

Dr. Siegfried Krüger (83) hat sich als vorausschauender und erfolgreicher Unternehmer und zugleich wegen seines sozialen und gesellschaftlichen Engagements einen Namen gemacht. 1993 übernahm er in Leipzig die Härterei des Getriebewerkes. Aus einer kleinen Firma mit anfangs 16 Mitarbeitern entstand unter seiner Leitung eine breit aufgestellte Unternehmensgruppe mit heute rund 1.000 Beschäftigten.

Siegfried Krüger engagierte sich zudem im Wirtschaftsrat Sachsen und im Wirtschaftsrat Leipzig. Außerdem setzte er sich für Projekte zum Schutz des Waldbestandes im Leipziger Auwald und den Wiederaufbau des traditionsreichen Ausflugslokals „Domholzschänke“ ein. 2009 gründete er ferner eine Stiftung, die medizinische Forschung und Lehre fördert. Finanzielle Unterstützung erhält insbesondere die Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig.

Prof. Dr. Wolfgang Zeller

Prof. Dr. Zeller (75) hat sich auf besondere Weise für die Entwicklung des Freistaates Sachsen nach der Wiedervereinigung eingesetzt. Der gebürtige Baden-Württemberger ging als Beamter Ende 1989 im Rahmen der Wiederaufbauhilfen nach Sachsen. Er übernahm die Abstimmung mit Verwaltung, Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Bürgerinnen und Bürgern und entwickelte das Land sukzessiv weiter.

So setzte er sich für den Wiederaufbau und Neubau der Verkehrs- und Straßenanlagen ein und engagierte sich im Bereich des ÖPNV, der Eisenbahn sowie dem Neubau der beiden Flughäfen Dresden-Klotzsche und Leipzig/Halle. Hervorzuheben ist auch sein besonderes Engagement für die Berufsakademie Sachsen.

Prof. Dr. Zeller etablierte die Studienakademie Plauen als weiteren Standort und förderte die Gleichstellung der Hochschulabschlüsse. Zudem wirkte er im Zusammenhang mit der Novellierung des Sächsischen Berufsakademiegesetzes und der Evaluierung durch den Wissenschaftsrat.

Prof. Dr. Rainer Eckert

Prof. Dr. Eckert (70) ist Historiker und Politikwissenschaftler und war von 2001 bis 2015 Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig. In seiner beruflichen und privaten Forschungstätigkeit befasste er sich insbesondere mit der Aufarbeitung der Friedlichen Revolution in Sachsen sowie der Aufklärung und dem Gedenken an die Geschichte der SED-Diktatur. Ihm ist es zu verdanken, dass der Begriff der „Friedlichen Revolution“ Eingang in die politische Semantik fand.

Zudem war es ihm wichtig, die Erkenntnisse seiner Arbeit einem breiten Publikum zugänglich zu machen und die Bürgerinnen und Bürger zur Reflexion zu ermutigen. Auch seine Arbeit in zahlreichen Bei- und Stiftungsräten sowie Expertenkommissionen und sein Wirken an verschiedenen Erinnerungsorten bestätigen sein großes ehrenamtliches Engagement.

So leistete Prof. Dr. Eckert einen unschätzbaren Beitrag für den erfolgreichen Weg der 1996 ins Leben gerufenen Initiativgruppe „Geschlossener Jugendwerkhof Torgau e. V. (GJWH Torgau)“. Für diese entwickelte er ein umfangreiches Konzept für die Struktur, Funktions- und Arbeitsweise der Gedenkstätte GJWH Torgau, das zugleich als Grundlage für die neue Dauerausstellung dienen sollte.

Rosemarie Schneider

Rosemarie Schneider (68) engagiert sich bereits seit 1977 in besonderer Weise für bezahlbare und gesunde Essenverpflegung in Kindertagesstätten und Schulen. Sie ist Gründerin der 2008 ins Leben gerufenen Initiative „Leipziger Netzwerk der Ess-Klasse“, die sich bundesweit, insbesondere aber in Leipzig und Sachsen, für vollwertige Kinder- und Schulspeisung einsetzt.

Um Kindern unabhängig ihrer sozialen Herkunft qualitativ hochwertiges Essen zu ermöglichen, sucht sie regelmäßig das Gespräch mit Schulleitern und Eltern sowie Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft. So übernahm sie 2006 die Verpflegung beim Aktionstag „Starke Typen“ – eine Veranstaltungsreihe für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Zum Kindertag 2012 organisierte sie eine politische Bildungsreise zum Deutschen Bundestag nach Berlin und übergab dort gemeinsam mit 60 Leipziger Schülerinnen und Schülern eine Petition zur Kinder- und Schülerspeisung. Um Kinder für gesunde Ernährung zu begeistern, realisierte sie zudem Projekte wie das „Weltfrühstück“ an Schulen, die Einführung eines Ernährungsführerscheins oder die Herausgabe altersgerechter Rezeptbücher und Kalender.

Hintergrund:

Beim Sächsischen Verdienstorden handelt es sich um die höchste staatliche Auszeichnung Sachsens. Mit der Auszeichnung ehrt der Freistaat Menschen, die sich im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen, gesellschaftlichen oder ehrenamtlichen Bereich in herausragendem Maße engagiert haben. Der Orden wurde 1996 gestiftet und erstmals am 27. Oktober 1997 verliehen. Ihn können in- und ausländische Persönlichkeiten erhalten, die sich um den Freistaat Sachsen und die hier lebenden Menschen besonders verdient gemacht haben. Bisher wurde der Sächsische Verdienstorden 339 mal verliehen.

Freitag, der 16. Oktober 2020: Ver.di macht ernst, öffentlicher Dienst in Leipzig von Streik bestimmt

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