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Im Frühjahr soll der Umbau der Halle 7 zum Theaterhaus in der Alten Baumwollspinnerei beginnen

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    Manchmal ist Leipzigs Kulturpolitik einfach eine Ausweichbewegung. Da ist das eine Objekt, das zwar verkehrstechnisch günstig liegt, etwas zu teuer, beim anderen gibt es Fördergelder, aber dafür liegt es weit ab vom Schuss. Aber wenn man dann von zwei Betroffenen gleich jubelnde Dankbarkeit bekommt, dann ist ja alles gut, dann ziehen eben Lofft und LTT in die Halle 7 der Alten Baumwollspinnerei.

    So steht es übrigens nicht nur in einer Vorlage zum Naturkundemuseum, das man auch gleich noch da draußen mit unterbringen will, sondern jetzt auch in einer eigenen Vorlage, die schon mal die Investitionen in die Halle 7 möglich machen sollen. Der Stadtrat muss nur sein Okay geben.

    „Dem Vorhaben der Ertüchtigung, Sanierung und des Umbaus der Halle 7 auf dem Gelände der Baumwollspinnerei zum Zweck der Schaffung einer kulturellen Gemeinbedarfseinrichtung zur Ansiedlung des Naturkundemuseums Leipzig, des LOFFT e.V. und des LTT e.V. wird zugestimmt“, heißt der erste und wichtigste Beschlusspunkt.

    Die Zurichtung der alten Industriehalle kostet 11,7 Millionen Euro. 6,7 Millionen Euro könnten aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost kommen, man hat ja das Sanierungsgebiet Leipziger Osten 2012 extra so zugeschnitten. Die restlichen 3,3 Millionen Euro müsste die Stadt aufbringen, hätte dann aber das lang gesuchte Theaterhaus im Leipziger Westen gefunden, nachdem man den Josephkonsum an der Karl-Heine-Straße für nicht praktikabel erachtete. „Das Vorhaben ‚Theaterhaus Josephkonsum‘ wurde intensiv auf seine Realisierungsmöglichkeit geprüft, insbesondere die vom potentiellen Investor vorgelegten Kostenschätzungen zur Errichtung und Betreibung eines freien Theaterhauses einschließlich der Erwartungen hinsichtlich des Einsatzes von Städtebaufördermitteln und des künftigen Mietzinses“, heißt es jetzt ziemlich summarisch in der Vorlage. „Nach der Betrachtung der anfallenden Kosten wurde entschieden, dass das Projekt ‚Theaterhaus Josephkonsum‘ nicht weiter verfolgt wird. Es wurde festgelegt, dass weiterhin ein alternativer Standort für das LOFFT zu suchen ist.“

    Da war man dann froh, dass 2014 Bertram Schulze, Geschäftsführer der Alten Baumwollspinnerei, die Halle 7 als möglichen Standort für das Theaterhaus anbot. Vielleicht ist man bei Lofft und LTT deshalb so erleichtert, nachdem augenscheinlich sonst kein anderer möglicher Standort im Leipziger Westen gefunden wurde.

    Die Stadt ist mit 3,3 Millionen Euro recht preiswert dabei. Und die künftigen Mietkosten unterscheiden sich nicht allzu sehr von den Mieten und Betriebskosten, die Lofft und LTT bis jetzt zahlen.

    Das Leipziger Tanztheater (LTT) zahlt bislang 40.724,96 für seine beiden Standorte im Josephkonsum und in Lößnig, das würden nach Herrichtung der Halle 7 dann kalkulierte 43.143 Euro werden. Das Lofft zahlt im jetzigen Theaterhaus am Lindenauer Markt 65.080,20 Euro im Jahr, könnte ab 2017 in der Halle 7 dann mit 63.981 Euro dabei sein. Bei den Mieten und Kosten ändert sich also nicht viel.

    Nicht analysiert aber hat die Stadt die möglichen Besucherströme. Augenblicklich ist das Lofft am Lindenauer Markt verkehrstechnisch noch bestens an den ÖPNV angeschlossen. Das LTT ist im Josephkonsum mit der „Kulturbahn“ Linie 14 und mit etwas Laufen auch mit der Linie 3 gut angebunden.

    Die beiden federführenden Dezernate (Kultur und Finanzen), die jetzt die Vorlage für die Halle 7 erarbeitet haben, gehen auf der ÖPNV-Anbindung in der Alten Baumwollspinnerei nur beiläufig ein. Man könnte ja eine zusätzliche Busverbindung schaffen, heißt es dazu immer lakonisch.

    Die Halle 7 ist für die Stadt auch interessant, weil auch das Theater der Jungen Welt noch weitere Aktionsräume sucht. Was schon verblüfft. Denn wenn das Lofft auszieht, hat es ja das komplette Theaterhaus am Lindenauer Markt zur Bespielung. Aber eine Reihe Leipziger Museen haben auch noch Bedarf für Archiv- und Lagerfläche angemeldet. Das will man augenscheinlich mit der Unterbringung des Naturkundemuseums koppeln. Die Idee schwirrt zwar seit dem Frühjahr durchs Rathaus – aber wirklich belastbare Zahlen zur Unterbringung des Museums in der alten Spinnerei-Halle liegen bis heute nicht vor.

    Dabei läuft – zumindest aus Sicht der Stadt – die Zeit. Denn im 1. Quartal will man schon mit den Umbauten der Halle beginnen, damit Lofft und LTT ab 2017 einziehen können. Deswegen gibt es jetzt die Vorlage, die irgendwie wie ein Trojanisches Pferd aussieht, denn die unteren Geschosse der Halle 7 sollen ja fürs Naturkundemuseum reserviert werden und werden nur brandschutztechnisch ertüchtigt. Die Theater werden darüber in den Geschossen 2 und 3 eingerichtet: „Ein Großteil der ebenfalls ca. 2.000 qm großen Fläche des 2. Obergeschosses nimmt Probebühnen des Theater der Jungen Welt sowie Büro- und Archivflächen aller drei Akteure auf. Im 2.000 qm großen 3. Obergeschoss, unter dem begrünten Dach der Halle 7, sollen ein Foyer mit dem Aufführungssaal des LOFFT, eine angegliederte Werkstatt- und Probebühne, Künstlergarderoben und sonstige notwendige Nutzflächen entstehen. Daneben werden die Tanzsäle und Umkleideräume des LTT angesiedelt. Das Foyer wird gemeinsam genutzt und gastronomisch bespielt.“

    Darauf freut man sich bei Lofft und LTT augenscheinlich ganz tierisch, ohne groß nach den ÖPNV-Anbindungen zu fragen. Vielleicht nimmt man es einfach als gegeben, dass diese jungen Leute, die jetzt schon zu den Vorstellungen am Lindenauer Markt oder in der Karl-Heine-Straße kommen, auch in gleicher Zahl in die Alte Baumwollspinnerei kommen.

    Aber die Vorlage enthält eben auch den Beschluss zu einer „Ansiedlung des Naturkundemuseums Leipzig“. Womit die Stadträtinnen und Stadträte bei einem „Ja“ zum Theaterhaus in Halle 7 auch noch ein „Ja“ zum Naturkundemuseum in der Halle 7 beschließen, ohne dass die Kosten für das Museum schon überschaubar sind. Denn die 11 Millionen Euro umfassen ja nur die brandschutztechnische Ertüchtigung der unteren beiden Geschosse.

    Mit der Vorlage gibt es zumindest eine vage Vorstellung, welche laufenden Betriebskosten für das Naturkundemuseum anfallen, sollte es hier 2020 eröffnen: Es sind rund 126.000 Euro im Jahr. Aber auch hier steht die Frage: Wird es ein belastbares Erschließungskonzept mit dem ÖPNV geben oder nicht? Und welche Auswirkungen hat es, wenn man ein auf Publikum angewiesenes Museum so weit weg vom Stadtzentrum platziert?

    Die Begründung zur Vorlage.

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