Grüne und Ökolöwe bangen um die restliche Artenvielfalt am Wilhelm-Leuschner-Platz

Für alle LeserWas ist eigentlich auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz los? Am Dienstag, 19. Februar, um 9:15 Uhr gab es eine kleine Protestdemo zu einer Ausstellung im Neuen Rathaus. Dort werden aktuell in der Unteren Wandelhalle die Preisträgerentwürfe für den Neubau des Instituts für Länderkunde zwischen Windmühlenstraße und Brüderstraße gezeigt, einem kleinen parkähnlichen Stück Grün am Wilhelm-Leuschner-Platz. Aber das scheint nun wichtige Vogelreviere zu verdrängen.
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„Die geplante Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes kommt einem Todesurteil für die dort lebenden 16 verschiedenen Brutvogelarten, darunter Amsel, Dorngrasmücke, Gelbspötter und Nachtigall, gleich“, fand zuerst der NABU, dann übernahm auch der Kreisverband der Grünen die Kritik an der kommenden Bebauung am Wilhelm-Leuschner-Platz. Denn der ist in den letzten Jahren zu einem der letzten Refugien für viele Nistvögel geworden, die aus anderen innerstädtischen Brachen und Parks verdrängt wurden.

„Die Verleihung eines Architekturpreises am kommenden Dienstag verkommt daher zu blankem Hohn. Die Vögel verlieren ihren kompletten Lebensraum. Ausgleichsflächen in der unmittelbaren Nachbarschaft wurden bis jetzt nicht geschaffen. Das Areal wird zu dicht bebaut, benachbarte Grünflächen wie der Schillerpark sind bereits mit Brutpaaren besetzt“, erklärt Ulrike Böhm, Sprecherin des Arbeitskreises Klima- und Naturschutz und Mitglied im Vorstand von Bündnis 90/Die Grünen Leipzig.

Jetzt noch ein Rückzugsort für Nistvögel:_die Brache zwischen Windmühlenstraße und Brüderstraße. Foto: Ralf Julke

Jetzt noch ein Rückzugsort für Nistvögel: Die Brache zwischen Windmühlenstraße und Brüderstraße. Foto: Ralf Julke

„Jede Zerstörung eines regelmäßig besetzten Vogelreviers stellt einen artenschutzrechtlichen Verbotstatbestand gemäß Bundesnaturschutzgesetz dar, wenn ein Ausweichen auf benachbarte Flächen nicht möglich ist“, stellt Böhm fest. „Dies erst recht, wenn ganze lokale Vogelpopulationen ausgelöscht werden, wie nun am Wilhelm-Leuschner-Platz geplant. Wir Grüne stehen nicht nur für Stadtgrün zur Erholung und die Erhaltung von klimarelevanten Grünflächen, sondern auch für konsequente Erhaltung der Artenvielfalt!“

Am Dienstag bekräftigte dann auch der Ökolöwe die Kritik.

„Wieder nur Beton und kaum Grün“, bestätigte Friederike Lägel, umweltpolitische Sprecherin des Ökolöwen die Kritik am kompakten Bauentwurf. „Der Leuschner-Platz ist wieder einmal ein Beispiel, dass ohne ökologisch wirksame Begrünung gebaut werden soll. Es fehlen Fassadenbegrünung, Dachbegrünung, großzügige Hecken und Bäume.“

Diese müssten auf der bebauten Fläche integriert sein, um auch zukünftig einen ökologisch bedeutsamen, innerstädtischen Lebensraum zu sichern.

Leipzig ist Kommune der biologischen Vielfalt – allerdings wohl nur auf dem Papier, kritisiert der Ökolöwe und fordert die Stadt Leipzig sowie den Freistaat und die Architekten auf, die vorliegenden Pläne umgehend umzuarbeiten. Bauprojekte müssten endlich genutzt werden, um mit deutlich mehr ökologisch wirksamen Grün für mehr Lebensqualität, Stadtnatur, Klimaschutz sowie Artenschutz zu sorgen.

„Wir Ökolöwen und schon über 15.500 Leipzigerinnen und Leipziger fordern mit dem Appell ‚Mehr Grün für Leipzig‘ die Stadt auf, Leipzigs Stadtgrün besser zu schützen und endlich mehr für Lebensräume und Biodiversität in Leipzig zu tun“, sagt Friederike Lägel.

Demonstration des NABU am 19. Februar vor dem Neuen Rathaus. Fotos: Marco Arenas

Leipziger startet Petition für einen neuen Architekturwettbewerb am Wilhelm-Leuschner-Platz

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