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Von Mopsfledermäusen, Eremiten und den wirklichen Bedürfnissen der Biber

Von Gastbeitrag von Johannes Hansmann und Prof. Dr. Bernd Gerken vom NuKLA e.V.
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    Abgesehen vom Einfluss des schwankenden Wassers wird eine reale Aue nicht, wie in einem Lehrbuch nur aus zwei scharf voneinander abtrennbaren Bereichen, der Hartholzaue und der Weichholzaue bestehen. Natürlicherweise gibt es hier Übergangsbereiche, in mancher Hinsicht auch sogenannte Durchdringung. Und wenn der Taktgeber der Aue, das sich stets verändernde Wasser, wieder den Takt angibt, werden diese beiden Bereiche und ihre Übergänge sich mit dem Wasser bewegen und dem Wasser folgen.

    Je nach Klima und geografischen, ökologischen wie geologischen Gegebenheiten muss eine Hartholzaue auch nicht zwingend immer aus hauptsächlich Eichen, Eschen und Ulmen bestehen. So gibt es auch Hartholzauwälder, in welchen hauptsächlich Erlen und Eschen den Lebensraum prägen. Oder auch Auwälder, in denen mehrheitlich Erlen, Eschen und Traubenkirschen vorkommen. Oder solche, in denen weder Esche, noch Ulme noch Stieleiche auftreten. Es gibt auch Zwischenstände zwischen diesen Arten von Auen, und da alles im Wandel ist, mag es auch sein, dass sich ein Auengebiet auch einmal von diesem Auentypus zu jenem Auentypus um-entwickelt. So, wie es eben das Wasser, so es natürlich fließen darf, vorgibt.

    Vielleicht gibt es in einigen hundert Jahren, Jahrtausenden auch ganz andere Auentypen mit anderen Bäumen, welche sich an die hoffentlich dann wieder vorhandene hydrologische Dynamik, nur unter vermutlich anderem Klima, angepasst haben? Im Tertiär vor 20 Millionen Jahren hatten wir in Europa auch Auenwälder, doch mit überwiegend uns heute fremden Baumarten.

    Auch die hier im Leipziger Auensystem lebenden Organismen sind an den Wandel des Wassers und den Wechsel der Baumarten angepasst, u. a. indem sie Nischen und Stadien nutzen, welche die Veränderungen verursachen. Natürlich spielen Eichen eine wichtige Rolle in einer Aue, Eichen sind aber nicht der Ursprung der Artenvielfalt. Sie sind ein wichtiges Element, aber sie sind nicht der Taktgeber in einer Aue.

    Trocken gelegter Altarm in der Burgaue. Foto: Ralf Julke
    Auch in diesem Zustand ist die Burgaue noch Heimat vieler seltener Tierarten. Foto: Ralf Julke

    Taktgeber ist in Auen einzig das Wasser. Die Tiere können auch auf andere Baumarten ausweichen. Um hier ein paar, auch den Leipziger Auwald betreffende Beispiele zu nennen: Eine Mopsfledermaus braucht vor allem alte Starkbäume. Sie profitiert durchaus von Eichen, lebt aber auch gut mit Eschen, wenn diese durch abplatzende Rinden und abbrechende Starkäste Spalten aufweisen.

    Auch andere Baumarten, so diese ab einem gewissen Alter entsprechende Habitatstrukturen aufweisen, ja sogar eine nicht einheimische Baumart wie eine Roteiche, mag ihr ein Quartier geben, so diese Roteiche zufällig Spalten hat. Wichtig scheint der Mopsfledermaus eher zu sein, dass diese Starkbäume im Großen und Ganzen eine halbwegs grobe Borke haben. Unter Umständen weicht sie auch auf jüngere Bäume aus, wenn diese schöne Spalten haben.

    Das Große Mausohr, eine weitere Art im FFH-Gebiet „Leipziger Auensystem“, leidet unter Quartiernot, da sie als gebäudebewohnende Fledermaus nicht mehr in die komplett sanierten und abgedichteten Dachböden von Kirchen, Scheunen oder Ställen hineinkommt. Bei den Jagdhabitaten ist das Mausohr recht flexibel, es nimmt hallenartige Wälder ebenso wie Parks oder naturnahes Grünland an.

    Der Eremit als FFH-Art profitiert durchaus von Eichen, nimmt aber auch ebenso Buchen, Hainbuchen, Rotbuchen, Eschen, Rosskastanien, Kopfweiden und Obstbäume an, sobald diese Bäume das entsprechende Alter und die entsprechenden Habitatstrukturen aufweisen. Unter Umständen gehen Eremiten sogar in Platanen, Robinien, Esskastanien und andere nicht einheimische Bäume, so diese alt werden dürfen.

    Der Maivogel dagegen ist eng gebunden an die Esche, nicht die Eiche (!) und er wird in Zukunft unter Umständen Probleme bekommen, da gerade grob fahrlässig mit dieser Baumart umgegangen und eine wirksame natürliche Ausbildung von Resistenzen gegen Krankheiten und Anpassungen an sich änderndes Klima durch die Vernichtung von Altbäumen verhindert werden. Der Maivogel kommt jetzt schon kaum noch im Auwald Leipzig vor. Die Gründe sind – unbekannt?

    Die meisten anderen FFH-Zielarten im FFH-Gebiet „Leipziger Auensystem“ brauchen dagegen gesunde, natürliche Flüsse und werden vor allem von einer Wiederherstellung der Wasserdynamik profitieren. Wie viele Eichen wo stehen, es ist dem Biber egal, er braucht vor allem Weiden und Pappeln. Ein Fisch wie der Bitterling braucht saubere Gewässer, ebenso profitiert der Fischotter von gesunden Flüssen.

    Kamm-Molch und Rotbauchunke brauchen sauberes, flaches Wasser (wie kleine Tümpel, welche temporär durch Überflutungen entstehen). Die Grüne Keiljungfer braucht natürliche Flüsse mit Sand- und Kiesbänken. Der Dunkle und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling dagegen brauchen gesunde Wiesen, welche nicht zu oft gemäht werden dürfen. Intensiv genutztes, überdüngtes Grünland nützen ihnen nicht. Von Leipziger Flächen mit FFH-Status wurden sie durch agroindustrielle Nutzung weitestgehend vollständig vertrieben.

    Das Märchen von der fehlenden Eichenverjüngung ist ein Märchen

     

     

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