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Parkstadt Dösen: BUND Leipzig fordert in einem Offenen Brief, den beiden Verwaltungsvorlagen so nicht zuzustimmen

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    In einem Offenen Brief an alle Ratsfraktionen bittet der BUND Leipzig jetzt darum, zwei Vorlagen zur Parkstadt Dösen in der von der Verwaltung vorgelegten Form nicht zuzustimmen. Sowohl der Bebauungsplan für das neue Wohnquartier auf dem Gelände der einstigen Parkklinik als auch der Städtebauliche Vertrag sollen im Juni zur Abstimmung in die Ratsversammlung kommen. Es geht um viel zu viele Baumfällungen und um die Nichteinhaltung des Stadtratsbeschlusses vom Mai 2020.

    Der Offene Brief

    Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,

    wir bitten Sie, den Verwaltungsvorlagen VII-DS-02576 „Städtebaulicher Vertrag Parkstadt Dösen“ und VII-DS-01987 „B-plan 398 Parkstadt Dösen“ in der vorliegenden Fassung nicht zuzustimmen.

    Für das Bauprojekt ist unverändert eine viel zu hohe Zahl an Baumfällungen geplant. Von 800 vorhandenen Großbäumen sollen 486 gefällt werden. Davon 286 Bäume durch direkte Überbauung (Neubauten, Tiefgaragen, Feuerwehraufstellflächen) und rund 200 Bäume im Rahmen der Verkehrssicherung.

    Das bedeutet Kahlschlag! Mit der Nachpflanzung von Jungbäumen (346) kann dieser Verlust in Jahrzehnten nicht ausgeglichen werden. Eine solche Bauplanung ist in Zeiten der Klimakrise unverantwortlich und steht im eklatanten Widerspruch zu allen Klima- und Artenschutzzielen der Stadt Leipzig.

    Ein wirkliches Bemühen, den wertvollen alten Baumbestand zu erhalten und die Zahl der Fällungen zu reduzieren, ist auch in dieser überarbeiteten Vorlage nicht zu erkennen. Dabei gäbe es viele Lösungsansätze. Nur zwei Beispiele:

    Allein für Feuerwehraufstellflächen sollen 23 vitale Bäume gefällt werden, darunter geschützte Biotopbäume. Dabei wurden Alternativen, wie z.B. außenseitige Fluchttreppen an den Gebäuden, aus Denkmalschutzgründen ausgeschlossen. Hier wird dem Denkmalschutz eine höhere Wertigkeit eingeräumt als dem Erhalt eines für Klima- und Artenschutz wichtigen Baumbestands.

    Offenbar keine Bedenken beim Denkmalschutz haben die Planer dagegen mit dem Bau eines 235 m langen 3-stöckigen Parkdecks direkt neben den denkmalgeschützten Wohnhäusern. Für diesen Bau sollen ca. 40 Bäume gefällt werden. Auch hierfür gäbe es Alternativen: bei einer verkürzten Bauausführung des Parkdecks könnten die meisten Bäume erhalten bleiben. Die beabsichtigte Sichtbarriere zur benachbarten KFP Dösen kann auch durch eine begrünte Wand erreicht werden.

    Mit Sicherheit gibt es weitere Ansatzpunkte. Diese zu finden ist jedoch Aufgabe der Planungsbüros bei Investor und Stadtplanungsamt, und nicht der Ehrenamtlichen bei den Umweltverbänden.

    Hinzu kommt, dass wesentliche Forderungen aus dem Stadtratsbeschluss vom 20.05.2020,  Vorlage – VII-A-00948-NF-04,  unzureichend erfüllt sind bzw. Fragen offen lassen:

    VII-A-00948-NF-04, Punkt 4.) „Für die Baumfällungen im Rahmen der Verkehrssicherung des Planungsgebietes wird ein externer Baumgutachter beauftragt. Baumfällungen sind nur dann zu genehmigen, wenn durch ein Zurückschneiden der gefährdenden Äste keine Verkehrssicherheit herzustellen ist.“  → Hierzu finden sich im aktuellen B-plan-Entwurf keine konkreten Festlegungen.

    VII-A-00948-NF-04, Punkt 5.) „Die Stadt überprüft die Möglichkeit, die unverzichtbaren Fällungen innerhalb des denkmalgeschützten Gebietes freiwillig nach Maßgabe des Anhangs 3 Baumschutzsatzung anderen Ortes durchzuführen.“

    Nummerierter Altbaumbestand im einstigen Klinikgelände. Foto: LZ
    Nummerierter Altbaumbestand im einstigen Klinikgelände. Foto: LZ

    → Laut städtebaul. Vertrag zahlt der Investor jetzt einen Pauschalbetrag an die Stadt für Baumneuanpflanzungen im Stadtgebiet. Wie hoch ist dieser Betrag? Wird die Forderung aus dem Stadtratsbeschluss „… nach Maßgabe Anhang 3 Baumschutzsatzung“ damit erfüllt?

    VII-A-00948-NF-04, Punkt 6.) „Im Rahmen des städtebaulichen Vertrages wird, ergänzend zum Grünordnungsplan und zum Umweltbericht, ein Artenschutzkonzept erarbeitet und festgeschrieben, welches einen adäquaten Ausgleich für den Verlust von Lebensräumen darstellen und der Erhöhung der biologischen Vielfalt dienen soll. Dieses soll in Abstimmung mit den Umweltverbänden der Stadt erarbeitet werden.“

    → Die Leipziger Verbände Nabu und Ökolöwe (in der Anfangsphase auch der BUND) haben gemeinsam mit dem Planungsbüro des Investors ein Artenschutzkonzept nach dem Prinzip „animal aided design“ erarbeitet. Dieses Konzept stellt eine wesentliche Verbesserung des Artenschutzes gegenüber früherer Planung dar. Es  kann aber damit kein „adäquater Ausgleich für den Verlust von Lebensräumen“ und schon gar keine „Erhöhung der biologischen Vielfalt“ erreicht werden. Dies ist bei einem derart großen Eingriff in den Gehölz- und Wiesenbestand gar nicht möglich.

    Verschiedene Vorschläge zum Baumerhalt unsererseits wurden vom Investor wiederholt abgeschmettert. Sollten Sie Rückfragen haben, stehen wir gern zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Elke Thiess
    Stellv. Sprecherin AK Natur- und Artenschutz
    BUND Regionalgruppe Leipzig

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      3 KOMMENTARE

      1. Aber, Markus, auch das Malochen fürs Kapital ist nicht naturgegeben sondern Ergebnis einer Entwicklung, die historisch jung ist – für die meisten Menschen seit etwa 200 Jahren. Warum sollen Kapitalisten zuerst von der Erwerbsarbeit der Arbeiten profitieren und danach Monopolgewinne aus ihrem Wohnbedarf ziehen?

      2. Genau so ist. Das sind wichtige Argumente. Der Mensch kann nun mal nicht nur von Luft und Liebe leben. Und hatten wir nicht gerade das Thema Mieten und leerstehende Wohnungen. Nun wir gebaut, und es ist auch wieder nicht Recht. Was denn nun?

      3. Man darf gespannt sein.
        Kommt jetzt evtl. zum Totschlagargument „Arbeitsplätze“ auch noch die Version „Wohnraumbeschaffung“ dazu“…?

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