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Parkstadt Dösen: Städtebaulicher Vertrag, Artenschutz und Straßenbenennungen

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    Drei Vorlagen für den Leipziger Stadtrat beschäftigen sich aktuell mit der künftigen „Parkstadt Dösen“. Immerhin soll das ja ein komplettes neues Stadtquartier werden, zu dem auch öffentliche Straßen gehören. Die brauchen dann auch offizielle Namen, dazu natürlich auch Beleuchtung und die jährliche Straßeninstandhaltung. Und die „Artenschutzmaßnahmen für die geplanten Vorhaben auf dem Flurstück 52/7 der Gemarkung Dösen“ stecken auch mit im städtebaulichen Vertrag.

    Wie die Leipziger Umweltverbände über die darin vorgesehenen Umsiedlungen der Zauneidechsen und die genehmigte Ausnahmezulassung zum Zerstören des Neuntöter-Lebensraums denken, steht natürlich nicht mit in der Vorlage. Die Zauneidechsen und der Neuntöter sollen auf eine Pferdekoppel in Stahmeln umgesiedelt werden.Zum möglichen Verlust des nahe der Streuobstwiese brütenden Neuntöter-Paares heißt es im entsprechenden Gutachten: „Nicht ausgeschlossen werden kann der Verlust der geschützten Fortpflanzungs- und Lebensstätte in Form des Lebensraumes. Auch wenn sich das Habitat bis auf die benachbarte Streuobstwiese außerhalb des Geltungsbereiches erstreckt und sich der Reviermittelpunkt theoretisch verlagern könnte, so wird ihr Habitat in der überwiegenden Fläche infolge der Bebauung zerstört und überprägt werden. Neuntöter besitzen Habitatgrößen zwischen 1 und 6 ha. Der verbleibende Teil wird aufgrund seiner geringen Fläche unbrauchbar, die Aufgabe des Reviers und damit der Verlust der Fortpflanzungs- und Lebensstätte als Komplex ist die Folge.“

    Auch hier soll versucht werden, den Neuntöter auf die alte Pferdekoppel in Stahmeln mit umzusiedeln.

    Für beides gibt die Leipziger Umweltschutzbehörde ihre befristete Zustimmung, die dem Städtebaulichen Vertrag beigegeben ist. Der enthält auch die Pflichten der Stadt zur Straßenbeleuchtung und Straßenwartung.

    Lösungen vor Ort gefunden hat man augenscheinlich für Nachtigall, Hosenbiene und den Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

    Was natürlich auch die Frage aufwirft, ob man so ein Wohnquartier mit einem geschützten Gebäude- und Parkbestand nicht auch anders hätte entwickeln können – und zwar auch unter Bewahrung der vorkommenden geschützten Tierarten.

    Gleichzeitig ging auch der Bebauungsplan für die „Parkstadt Dösen“ ins Verfahren.

    Die dritte Vorlage zum Gebiet ist die Vorlage zu den nächsten Straßen(um)benennungen in Leipzig, in denen auch die Parkstadt Dösen steht mit einem ganzen Bündel neuer Straßenbenennungen.

    Die Übersicht:

    Die geplanten Straßenbenennungen in der Parkstadt Dösen. Karte: Stadt Leipzig
    Die geplanten Straßenbenennungen in der Parkstadt Dösen. Karte: Stadt Leipzig

    Geschwister-Steinhausen-Park: Siegrid und Manfred Steinhausen wurde beide Opfer des NS-Euthanasie-Programms. „Beide Geschwister sind keine 4 Jahre alt geworden. Sigrid Steinhausen wurde nachweislich im Rahmen der Kindereuthanasie in der Parkstadt Dösen ermordet. Manfred Steinhausen wurde in Pirna Sonnenstein vergast.“

    Margaretha-Rothe-Straße: Margarethe Rothe, 1919 in Hamburg geboren, „wurde 1943 von der Gestapo verhaftet, wurde aufgrund der Luftangriffe auf Hamburg, über Berlin nach Cottbus und dann nach Leipzig (auf einem Viehwagen) gebracht, erkrankte aufgrund des Transports im Februar 1945, kam erst ins Frauengefängnis Leipzig-Meusdorf und dann in die Heilanstalt Dösen“ und „verstarb wahrscheinlich in Dösen an den Folgen einer Lungentuberkulose und Rippenfellentzündung“.

    Georg-Lehmann-Bogen: Georg Lehmann – geboren 1855 und gestorben 1918 – war ab 1901 erster Direktor der Heilanstalt Dösen.

    Otto-Wilhelm-Scharenberg-Bogen: Otto Wilhelm Scharenberg – geboren 1851 in Kiel und gestorben 1920 in Erdmannsdorf – war 1898 bis1915 Stadtbaurat in Leipzig. 1899 bis 1902 war er für den Bau der Heilanstalt Leipzig-Dösen verantwortlich, aber auch das Städtische Leihhaus und das Stadtbad Nord entstanden unter seiner Federführung.

    Erna-Stahl-Straße: Erna Stahl – geboren 1900 in Hamburg und gestorben 1980 in Hamburg – war Reformpädagogin und im Umfeld der Weißen Rose tätig. „Sie wurde 1943 von der Gestapo inhaftiert und Anfang 1945 zwischenzeitlich ins Gefängnis Leipzig-Kleinmeusdorf überstellt“, im April 1945 wurde sie von amerikanischen Gruppen in Bayreuth befreit.

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      1 KOMMENTAR

      1. „Die Zauneidechsen und der Neuntöter sollen auf eine Pferdekoppel in Stahmeln umgesiedelt werden.“

        Ortstreue Zauneidechsen kann man Fangen und umsiedeln. Einen Langstreckenzieher (Zug bis Ostafrika) wie den Neuntöter nach Stahmeln umzusiedeln ist einfach nur Unsinn.

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