Jedenfalls über die Zusage konnte sich Grünen-Stadtrat Michael Schmidt am 1. Juni freuen, dem Tag, als die neue Messebrücke in der Straße des 18. Oktober der Öffentlichkeit übergeben wurde: Das Panorama zur Leipziger Völkerschlacht wird hier irgendwo seinen Platz finden. Nur halt nicht direkt an der Brücke. „Aber das klären wir“, versprach Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Ein Plätzchen werde sich schon finden, denn natürlich reihe sich das von Yadegar Asisi geschaffene Panoramabild zur Leipziger Völkerschlacht nahtlos ein in die gedankliche Linie Völkerschlachtdenkmal, Straße des 18. Oktober, Neues Rathaus.2017 hatte die Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat beantragt: „Völkerschlachtpanorama auf der Alten Messe ermöglichen“. In ihrer Stellungnahme nahm die Verwaltung das Anliegen auch als Prüfauftrag an.

Und zur Prüfung gehörte eben auch: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die LEVG GmbH & Co. KG (LEVG) per Gesellschaftserweisung zu beauftragen, für die in den Anhängen des Ursprungsantrages ausgewiesene Fläche des ,östlichen Ohrs‘ des sogenannten Stadtbalkons auf dem der Gesellschaft gehörenden Flurstück 159/104 in der Straße des 18. Oktober ein Interessenbekundungsverfahren durchzuführen.“

Aber dieses östliche Ohr wird es wohl nicht werden, wie Burkhard Jung am 1. Juni anmerkte.

Mit dem nun realisierten Bau der S-Bahn-Brücke zwischen Straße des 18. Oktober und dem Wilhelm-Külz-Park wurde aber zumindest schon einmal die wichtigste Voraussetzung für die Umsetzung des Ratsbeschlusses „Völkerschlachtpanorama auf der Alten Messe ermöglichen“ vom 22. August 2018 geschaffen. Nun ist neben einer direkten fußläufigen Erreichbarkeit des Völkerschlachtdenkmals auch wieder Baufreiheit auf dem sogenannten Stadtbalkon geschaffen, dem vom Stadtrat befürworteten und beschlossenen Standort für das Antikriegsbild „Leipzig 1813 – In den Wirren der Völkerschlacht“ von Yadegar Asisi.

„Dass die Brücke drei Jahre eher realisiert werden konnte, als noch zu Zeiten des Ratsbeschlusses zum Panorama im Jahr 2018 angenommen, ist sehr erfreulich. Dies könnte eine Einweihung des Stadtpanoramas von 1813 von Yadegar Asisi im Jahr 2024, also 111 Jahre nach der Errichtung des Denkmals selbst, ermöglichen“, meint jetzt Michael Schmidt, Stadtrat der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen und Initiator des Ratsbeschlusses.

Der Stadtrat habe vor drei Jahren das 1813-Panorama von Yadegar Asisi als moderne Interpretation für das der Stadt wichtige und auch touristisch interessante Stadtereignis erkannt und beschlossen, es als neuzeitliches Dokument der Betrachtung der Völkerschlacht hinzuziehen und angemessen an exponierter Stelle hinzuzuordnen.

„Damit soll auch geholfen werden, die um die Jahrhundertwende eindeutige Haltung preußisch geprägtem Geschichtsverständnisses zu relativieren, was längst überfällig erscheint!“, findet Michael Schmidt.

„Der potenzielle Standort am Stadtbalkon wurde genau deshalb sehr bewusst ausgewählt, weil er die einzigartige Möglichkeit bietet, im direkten Kontext der geschichtlichen Schnur zwischen Johannisfriedhof – Russischer Gedächtniskirche – Völkerschlachtdenkmal – Monarchenhügel und Galgenberg-Denkmal das stadthistorische Ereignis neuzeitlich einzuordnen.

Mit dem für mindestens 10 Jahre angelegten Interimsbau, einer das nach innen ausgerichtete Panoramakunstwerk enthaltenden Rotunde, die aber auch in ihrer Außenwirkung eine städtebaulich ansprechende Kraft entfalten wird, würde man an der historischen Achse einen ganz bewussten Gegenpunkt zum brachial wirkenden Völkerschlachtdenkmal setzen, der Aufmerksamkeit und Nachdenken fördert und zu einer Auseinandersetzung mit den Geschehnissen, ihren geschichtlichen Einordnungen und ihren Ableitungen einlädt.“

Jetzt ist natürlich offen, welchen Standort die Stadt in Nähe des Stadtbalkons finden kann.

Wenn der Platz gefunden ist, müssen natürlich noch Finanzierung und Betreibung geklärt werden. Der Stadtratsbeschluss sieht vor, ein dahingehend offenes Interessenbekundungsverfahren durchzuführen.

„Die Stadt dürfte zu Recht ein großes Interesse haben, die Betreibung des von Yadegar Asisi zur Verfügung gestellten Panorama in die eigenen Hände zu nehmen, um eine gewinnbringende Verzahnung mit dem Völkerschlachtdenkmal, den eigenen Ausstellungen und den stadtgeschichtlich relevanten Orten zu garantieren“, findet Schmidt.

„Um diesen Einfluss vor dem Hintergrund einer möglich erscheinenden kostendeckenden Betreibung zu sichern, wäre es ratsam, die Erarbeitung einer eigenen Finanzierungs- und Betreibungsvariante voranzutreiben.“

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