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Nach dem abgelehnten Tauschhandel: Was wird nun aus dem einstigen Rittergut Großzschocher?

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    Am Rande der Diskussion um den Schulhausbau an der Kurt-Eisner-Straße stellten mehrere Stadträt/-innen auch die Frage nach den Grundstücken, die die Stadt da eintauschen wollte dafür, dass sie das Schulgrundstück bekommt. Da spielten auch zwei Grundstücke in Großzschocher eine Rolle, über die sich die SPD-Fraktion schon vor der Debatte am 23. Juni ihre Gedanken machte.

    In der Diskussion in der Ratsversammlung am 23. Juni war dann zwar eher Thema, inwiefern dieser Grundstückstausch in Großzschocher die Interessen der Wasserwerke Leipzig betrifft, die hier ein Stück der Leipziger Ringleitung verlegen wollen.Beide Grundstücke liegen auf dem Gelände des ehemaligen Ritterguts Großzschocher.

    Und eigentlich gibt es hier schon lange Ideen, die Gebäude teilweise zu retten und wieder zu nutzen. Dazu hat sich Matthias Malok als Vorsitzender des Charly & Django e. V. schon 2019 an die Stadtverwaltung gewendet. Denn das Gebiet eignet sich mit der angrenzenden ehemaligen Deponie eigentlich gut, hier ein naturnahes Erlebnisreich zu schaffen. Wenn die Stadt nur mitspielt. Und eingeladen zum Gespräch wurde Malok auch, der sich auch mit einer Einwohneranfrage schon deutlich zu Wort gemeldet hat.

    Was sich sein Verein dort vorstellen kann, hat er gegenüber OBM Burkhard Jung kurzgefasst so aufgelistet:

    „1.  Das Gut Großzschocher derart entwickeln, dass naturwissenschaftliche Erlebnisangebote realisierbar sein können (Zitat: Frau Ministerin Ute Schäfer / SPD). Es kommt darauf an, Kinder ausgehend von ihren Alltagserfahrungen für naturwissenschaftliche Themen zu interessieren und ihre natürliche Neugier auch für die Erkundung der unbelebten Natur zu nutzen. Themenfelder wie „Mein Körper – meine Gesundheit“, „Sonne – Wetter – Jahreszeiten“ oder „Geräte und Stoffe im Alltag“ eignen sich hervorragend zu fächerübergreifender Auseinandersetzung.

    2.  Dabei ist eine wirtschaftliche, technische und landwirtschaftliche Nutzung mit innovativen Visionen keinesfalls ausgeschlossen. Z. B. Zucht essbarer Insekten oder Verarbeitung von traditionellen und modernen Holzwerkstoffen.

    3.  Die Kippe Großzschocher zu einer + Insekten-Nützlinge-Bienen-Erlebniswelt+ (INBIER) in Kooperation mit dem UFZ und iDiv Leipzig zu entwickeln. Die Verknüpfung von Forschung, Naturschutz und Umweltbildung lässt Synergieeffekte erwarten. Dabei werden auch weitere Freizeitangebote in Kooperationen mit gemeinnützigen Vereinen angestrebt.

    4.  Einbindung weiterer landwirtschaftlich nutzbare Flächen zur Erzeugung und Vermarktung ökologischer Produkte mittels Permakultur.“

    Aber genau das kollidierte am 23. Juni mit der knappen Abstimmung im Stadtrat, denn eigentlich hatte Malok damit gerechnet, in der Stadtbau AG einen Partner gefunden zu haben. „Mit Herrn Patrik Fahrenkamp  konnte ein gewillter Investor gefunden werden. Die Stadt Leipzig hat keinerlei finanzielle Mittel, das denkmalgeschützte Gut Großzschocher zu erhalten, wie aus der Antwort auf die Einwohneranfrage Nr. VI-EF-0648 erkennbar“, schreibt Malok.

    Bei den beiden Grundstücken im einstigen Rittergut Großzschocher ging es um 1.800 Quadratmeter Fläche, die die Stadt mit 15 Euro je Quadratmeter bewertete, was hier an dieser Stelle einer Kauf- bzw. Tauschsumme von 27.000 Euro entsprochen hätte.

    Aber die Diskussion am 23. Juni zeigte freilich auch, dass man sich vorher augenscheinlich nicht wirklich damit beschäftigt hatte, wozu die Stadtbau AG die Grundstücke haben wollte. Der Grund war offensichtlich: die Zeitknappheit. Was auch mehrere Redner/-innen betonten. Augenscheinlich konnten in den knappen acht Wochen bis zum Beschluss diese Themen überhaupt nicht zu Ende diskutiert werden.

    Dafür steht auch der Antrag der SPD-Fraktion, den diese am 22. Juni ins Verfahren gab und in dem sie genau die ungeklärte Frage zur künftigen Nutzung des Geländes im Rittergut aufwarf.

    „Am Standort des ehemaligen Ritterguts Großzschocher befindet sich u. a. ein Reitsportverein, dessen Pachtvertrag in einigen Jahren ausläuft. Die angrenzenden Grundstücke wurden teilweise durch die Stadt verkauft, teilweise befinden sie sich im Eigentum der Stadt“, kann man darin lesen.

    „Die erste Zielstellung ist, den Sportverein bzw. die Sportart am Standort zu sichern, indem der bestehende Pachtvertrag verlängert wird. Außerdem ist eine Übertragung der Flächen an das Sportamt aus Sicht des Antragstellers zielführend, um der langfristigen sportlichen Nutzung Rechnung zu tragen. Im näheren Umfeld befinden sich weitere Grundstücke, die mitunter bebaut sind, teilweise sind die darauf befindlichen Gebäude eher als Ruinen anzusehen, aber sie stehen unter Denkmalschutz. Die angrenzenden Grundstücke gehören zum Teil privaten Eigentümer/-innen und der Stadt. Die Stadt wird daher aufgefordert gemeinsam mit den Eigentümer/-innen ein Entwicklungskonzept für die zukünftige Nutzung aufzustellen.“

    Nur ging es hier nicht um den Charlie & Django e. V., sondern um den Hippo-Sport-Club Am Elsterbogen e. V.: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Pachtfläche des Hippo-Sport-Club Am Elsterbogen e. V. langfristig für den Leipziger Reitsport zu sichern und den Pachtvertrag zu verlängern, damit der Sportverein notwendige Investitionen tätigen kann. Im Zuge der Verlängerung ist eine Übertragung der Flächen an das Leipziger Sportamt zu prüfen“, lautete der erste Antragspunkt.

    Und der zweite: „Die Stadtverwaltung entwickelt gemeinsam mit den Eigentümerinnen und Eigentümern der angrenzenden Grundstücke ein Konzept für die Nutzung, das neben naturschutzrechtlichen Belangen auch die Sicherung des Reitsports gewährleistet.“

    Man hätte also gleich zwei Vereine vor Ort, die das Gelände entwickeln und damit auch die denkmalgeschützten Gebäude retten könnten. Auch wenn das einstige Herrenhaus nicht mehr existiert, bilden die alten Gutsgebäude für sich ein in dieser Art einzigartiges Ensemble.

    Vielleicht wäre gerade die Ablehnung der Tauschpläne für das Schulgelände in der Kurt-Eisner-Straße hier eine Gelegenheit für die Stadt, das Gelände am Ende der Huttenstaße mit zwei Partnern so zu entwickeln, dass es eine Zukunft hat.

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