Vom 4. April bis zum 16. Mai war die Käthe-Kollwitz-Straße gesperrt. Die Wasserwerke sanierten hier ihre Wasserleitungen, die Leipziger Verkehrsbetriebe ihre Gleise. Eigentlich beides Dinge, die in den geplanten Komplettumbau der Straße gehört hätten, der schon seit Jahren hätte passieren müssen. Nun wird er wohl 2025 / 2026 starten. Und dass die Käthe-Kollwitz-Straße dann eine wirklich umweltgerechte Verkehrsader wird, wünscht sich jedenfalls der Ökolöwe.

Schon im Vorfeld wurde ja mit Initiative des Jugendparlaments und der Stadtbezirksbeiräte Mitte und Altwest über die immer noch fehlenden Radwege diskutiert. Welche Leipziger Verkehrsplaner ja irgendwie mit einplanen wollen, wenn die Straße dann tatsächlich umgebaut wird. Bis dahin aber bleibt alles beim Alten. Den Mut, bis dahin wenigstens Pop-up-Radwege anzulegen, hatte die Verwaltung nicht.

Sodass die Käthe-Kollwitz-Straße auch weiterhin aussieht, wie man sich solche Straßen im 20. Jahrhundert einmal vorgestellt hat. Aber nicht so, wie Leipziger Straßen im 21. Jahrhundert und unter dem Druck der Erhitzung des Klimas eigentlich aussehen müssen.

Der Straßenraum muss neu sortiert werden

„Die Käthe-Kollwitz-Straße braucht Radwege, neue Haltestellen, Straßenbäume, Fahrradbügel, breite Gehwege, Lieferzonen und Tempo 30 als Sofortmaßnahme“, fordert deshalb der Leipziger Ökolöwe.

„Die grundlegende Neusortierung des Straßenraums der Käthe-Kollwitz-Straße zwischen Westplatz und Klingerbrücke peilen Stadt und LVB erst für die Jahre 2025/26 an. Die Vorplanung hat bereits begonnen. Wir Ökolöwen bringen uns in das Verfahren ein und beharren darauf, dass an alle Nutzer/-innen der Straße gedacht wird.“

Für den anstehenden grundhaften Ausbau der Käthe-Kollwitz-Straße ist aus Sicht des Ökolöwen der Erhalt der historisch gewachsenen Straßenbäume eine unverrückbare Grundvoraussetzung. Sie bilden eine Allee, die in dieser Form nur noch selten in Leipzig zu finden ist.

„Mit dem Schutz der alten Baumallee würden gleichzeitig auch die Gehwegbreiten nahezu im Bestand verbleiben“, so der Ökolöwe.

„Zwischen den Straßenbäumen müssen an verschiedenen Stellen Zonen für den Lieferverkehr mit Kraftfahrzeugen sowie Fahrradparkplätze eingerichtet werden. Das ist insbesondere auf der südlichen Straßenseite notwendig. Auf der nördlichen Straßenseite haben fast alle Villen private Grundstückszufahrten mit Parkplätzen.“

Aber besonders auffällig ist hier eben das Fehlen von Radwegen.

„Die Käthe-Kollwitz-Straße ist die letzte große Radweglücke auf der Achse von Plagwitz bis zur Innenstadt. Trotz der schlechten Bedingungen sind hier täglich rund 2.500 Radfahrer/-innen unterwegs“, stellt auch der Ökolöwe verblüfft fest und fordert, „dass die Käthe-Kollwitz-Straße endlich Radwege bekommt! Sie können als Radfahrstreifen am Straßenrand angelegt werden. Wir empfehlen eine Radwegbreite von zwei Metern, mit einem zusätzlichen Abstand von 50 Zentimetern zu den haltenden Autos in den Lieferzonen. Die Haltestellen müssen als überfahrbare Kaphaltestellen geplant werden, damit Radfahrer/-innen nicht in die Gleise wechseln müssen.“

Kürzere Wege von der Haltestelle zu Stadthafen und zur Schule

Und auch eine zusätzliche Haltestelle für die Straße wünscht sich der Ökolöwe. Bislang gibt es eigentlich nur eine Haltestelle an der Marschnerstraße. Von einer guten Erschließung des Bachviertels oder gar der Übergänge zum Schreberbad und zum Stadthafen kann überhaupt keine Rede sein. Die nächsten Haltestellen liegen erst am Westplatz und – noch weiter entfernt – an der Nonnenstraße bzw. dem Klingerweg.

Weshalb die Ökolöwen an der Hillerstraße die Einrichtung einer Haltestelle für naheliegend erachten, mit der auch der Campus der Thomasschule direkter erreichbar wäre. Und die Haltestelle Marschnerstraße wäre verzichtbar, wenn dafür an der Moschelesstaße eine neue Haltestelle entsteht, mit der vor allem das westliche Bachviertel und die Schwimmhalle Mainzer Straße besser erschlossen werden.

Denn Straßenbahnen sind genug da, wie der Ökolöwe feststellt: „Durch den Abschnitt der Käthe-Kollwitz-Straße fahren drei Straßenbahnlinien in dichtem Takt. Dennoch können die Anwohner/-innen des Bachstraßenviertels das Angebot kaum nutzen. Der Grund ist die ungünstige Anordnung der Haltestellen mit sehr langen Abständen zueinander. Dadurch entstehen sehr weite Wege. Das hält viele Menschen davon ab, mit der Straßenbahn zu fahren.“

Vorfahrt für die Tram

Und Vorfahrt für die Straßenbahn ist aus Sicht des Umweltverbandes hier ein Muss: „Aktuell wird die Straßenbahn, insbesondere in den Spitzenstunden, vom Autoverkehr behindert. Die begrenzte Breite der Käthe-Kollwitz-Straße zwischen den Bäumen lässt keine räumliche Trennung der Straßenbahn zu. Für die Straßenbahn muss daher zwingend eine zeitliche Separierung vom Autoverkehr eingerichtet werden. Das funktioniert über sogenannte Pförtnerampeln, die Straßenbahnen bevorrechtigt.

Das Wort ‚Pförtner‘ verrät schon das Prinzip: Er sorgt dafür, dass nur so viele Autos in die Käthe-Kollwitz-Straße einfahren, wie diese auch bewältigen kann. An diesen Pförtnerampeln kann sich die Straßenbahn per Funk Grün holen und immer als erste in den Straßenabschnitt einfahren. Die Straßenbahn übernimmt die sogenannte Pulkführerschaft. Das heißt: Die Autos stehen nicht mehr vor, sondern reihen sich hinter der Straßenbahn ein. Die Bimmel macht sich an den Haltestellen quasi selbst den Weg frei.“

Mit dieser Ampelschaltung lasse sich die prognostizierte Kfz-Menge von nur noch 16.000 Kfz/24h leicht bewältigen, betont der Ökolöwe. Behinderungen, wie sie heute oft vorkommen, werden nach dem Umbau seltener.

Mehr Sicherheit für Fußgänger

Und dann ist da auch noch das Problem der fehlenden sicheren Querungen. „Anwohner/-innen und Eltern der Thomasschule haben mit einer Petition für Fußgängerampeln gekämpft. Wir Ökolöwen erwarten, dass die Stadtverwaltung den Ratsbeschluss umsetzt und temporäre Fußgängerampeln aufstellt, bis der Umbau abgeschlossen ist und dauerhafte Anlagen installiert werden.“

Immer diese Fußgänger, könnte man sagen. Aber die Straßenraumaufteilung zeigt eben, dass hier der motorisierte Verkehr Priorität bekommen hat.

„Die Fußgänger/-innen werden derzeit an den Nebenstraßen von abbiegenden Autos behindert und gefährdet“, stellt der Ökolöwe dazu fest. „Wir Ökolöwen fordern, den Fußweg zukünftig durchzuziehen – über die Einmündungen der Nebenstraßen hinweg. Diese fußgängerfreundliche Lösung, die in den Niederlanden bereits gang und gäbe ist, soll auch der Leipziger Standard sein.“

Und weil das alles noch Zukunftsmusik ist, fordert der Ökolöwe in der Straße schon jetzt die Einrichtung einer Tempo-30-Zone. „Der grundhafte Umbau der Käthe-Kollwitz-Straße wird frühestens 2025 beginnen. So lange können die Anwohner/-innen der Straße nicht warten. Die Lärmwerte sind mit 70 dB(A) gesundheitsgefährdend, die Autoverkehrsbelastung mit rund 20.000 Kfz/24h hoch. Es braucht sofort Tempo 30 für die Käthe-Kollwitz-Straße. Wir Ökolöwen fordern OBM Jung auf, dies mit dem Lärmaktionsplan umzusetzen.“

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