Wohin mit dem Digital Hub? Waren da nicht noch ein paar freie Flächen in der Halle 7 der Spinnerei, wo ursprünglich das Naturkundemuseum unterkommen sollte, bis sich herausstellte, dass das mit der Traglast der Decken nicht machbar ist? Machen wir so, entschied jetzt die Verwaltungsspitze und schlägt dem Stadtrat vor, dass die Leipziger Gewerbehof GmbH und Co. KG die Halle 7 komplett von der Baumwollspinnerei kaufen soll.

Die kommunale Leipziger Gewerbehofgesellschaft soll die Halle 7 der Baumwollspinnerei ankaufen, um auf den ungenutzten Flächen des Objekts ein von der Stadt geplantes Innovationszentrum (Digital Hub) einzurichten und zu betreiben. Die Gesamtinvestition für das Vorhaben beträgt 17,6 Millionen Euro.

Zugleich sollen durch den Ankauf die Standorte der Theater LOFFT, Leipziger Tanztheater und Theater der Jungen Welt langfristig im oberen Bereich der Baumwollspinnerei gesichert werden. Ziel ist es, dauerhaft quartiersnahe Kultur- und Freizeitangebote vorzuhalten sowie einen Innovationsstandort für Start-Ups zu schaffen.

Diesem Vorschlag der drei Dezernate Wirtschaft, Arbeit und Digitales, Kultur sowie Stadtentwicklung und Bau stimmte Oberbürgermeister Burkhard Jung in seiner jüngsten Dienstberatung zu. Endgültig votieren soll der Stadtrat voraussichtlich im Juli.

Ein neues Gründer- und Technologiezentrum

„Der Verwaltungsvorschlag ermöglicht eine intelligente und kluge Symbiose von kultureller Nutzung durch drei Kultureinrichtungen Theater der Jungen Welt, Leipziger Tanztheater und LOFFT – DAS THEATER einerseits sowie der auf Zukunft ausgerichteten Nutzung als digitales Innovationszentrum andererseits“, betont Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig. „Ich freue mich, dass die Baumwollspinnerei weiterhin ein Ort der Kultur bleibt und sich auch kulturell weiterentwickeln kann.“

Mit der Einrichtung des Digital Hub als Gründer- und Technologiezentrum soll ein attraktives Umfeld für Innovationen, Existenzgründer, Fachkräfte und etablierte Firmen geschaffen sowie die Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft unterstützt werden. Als Schwerpunktbranchen sind Smart City, Energie und E-Health vorgesehen.

Clemens Schülke, kommissarischer Leiter des Dezernats Wirtschaft, Arbeit und Digitales sagt dazu: „Unser Leuchtturm Digital Hub bekommt ein neues Zuhause mit Gründerzeitflair. Im kreativen Westen der Stadt versammeln wir Wissenschaft, Gründerszene und Partner aus dem Mittelstand, um digitale Innovationen zum Leben zu erwecken. Wir freuen uns unter anderem auf unsere künftigen Ankermieter Handelshochschule und SpinLab.“

Genug Platz für Digital Hub

Insgesamt besteht die Halle 7 der Baumwollspinnerei aus den folgenden Teilflächen: 4.143 Quadratmeter für den Kulturbereich, 5.997 Quadratmeter für das Innovationszentrum sowie rund 920 Quadratmeter Außenfläche (für Aufenthalt, Anlieferung, PKW-Stellplätze, ein LKW-Stellplatz).

Auch Bertram Schultze, Geschäftsführer der Leipziger Baumwollspinnerei Verwaltungsgesellschaft mbH, steht dem Anliegen offen gegenüber.

„Die Spinnerei ist seit über 20 Jahren ein Standort für Innovation mit höchster Aufenthaltsqualität und dichter intellektueller Infrastruktur“, sagt er.

„Man sieht am Erfolg des SpinLab und vieler anderer Unternehmungen, dass dies das ideale Umfeld für zukunftsweisende Ideen ist. Uns freut es sehr, dass die Stadt Leipzig sich nun im Gebäude 7 dauerhaft mit spannenden Nutzungen beheimatet und hoffen auf interessanten Zuwachs in unserer schönen Fabrikstadt. Im Kontext der Nutzungen in Halle 7 werden wir den benachbarten Schotterparkplatz planerisch neu strukturieren für relevante Flächen für die Zukunft. Die Spinnerei bleibt ein Ort der Transformation, ein lebendiger Organismus.“

In die Halle 7 ziehen dann verschiedene Ankermieter ein. Einer davon ist das SpinLab – The HHL Accelerator. Dessen Projektkoordinator Eric Weber sagt dazu:

„Mit der Halle 7 wird die dringend benötigte Flächenerweiterung im bewährten Standort Baumwollspinnerei umgesetzt und noch mehr Platz für Interaktion geboten. Leipzig wird dadurch eines der weltweit größten Innovationszentren für die Daseinsfürsorge der Zukunft beherbergen, in welchem viele reale Projekte bereits umgesetzt wurden und zukünftig werden. Wir freuen uns total darauf, als Ankermieter dabei zu sein und sehen darin einen weiteren großen Schritt für das Innovationsgeschehen in Leipzig.“

Der vorliegende Verwaltungsvorschlag setzt einen Auftrag des Stadtrates um, an dieser Stelle kommunales Eigentum zu bilden, betont die Verwaltung noch.

Der Kaufpreis für die Halle wird in der Vorlage übrigens mit 8,9 Millionen Euro angegeben. Die Investition der LGH in Höhe von 17,6 Millionen Euro zum Herrichten des Digital Hub kommt noch obendrauf. Gebaut werden soll 2023/2024.

Die Betriebskosten nach Fertigstellung werden für die ersten Jahre mit jeweils 1,5 Millionen Euro angesetzt.

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Ralf Julke über einen freien Förderbetrag senden.
oder

Keine Kommentare bisher

Schreiben Sie einen Kommentar