Der mit einiger (An-)Spannung und auch Sorge erwartete Demo-Samstag in Connewitz ist bisher ruhig angelaufen. Deutlich Dampf aus dem Kessel dürfte dabei auch die neue Routenführung der „Antifa means: Free Palestine“-Demonstration genommen haben. Denn die darf nun nicht nach Connewitz hineinlaufen, sondern muss vom Kreuz aus den Weg Richtung Innenstadt nehmen. Die LZ macht nun mit Teil 2 des Livetickers weiter.

Am Basketballplatz beim Connewitzer Kreuz hat das Bündnis Israel-solidarischer Gruppen die Kundgebung „Enough is Enough – Kein Frieden mit Antisemit*innen“ gestartet. Vor der Kirche an der Selneckerstraße ruft zeitgleich die Deutsch-Israelische Gesellschaft zur Kundgebung „Gegen jeden Antisemitismus“ auf.

Israel-Flaggen am Connewitzer Kreuz. Foto: Alexander Böhm

Menschen mit Isarel-Flaggen zeigen Präsenz am Kreuz, während die Aufzugsstrecke für die „Free Palestine“-Demo noch wie leergefegt ist. Laut Planung soll sie ab 13 Uhr beginnen.

Blick entlang der leeren Karl-Liebknecht-Straße. Foto: Alexander Böhm

Inzwischen treffen die Teilnehmenden der „Free Palestine“-Demo am Startpunkt ein. Darunter auch einige rote autoritäre Gruppen wie das Studikollektiv oder das Frauenkollektiv aus dem Umfeld der FKO. Und auch die MLPD ist mit von der Partie.

In den sozialen Medien kämpfen Polizei und Demo-Organisator*innen um die Deutungshoheit. Die Polizei hat heute auf X behauptet, dass die Demoroute „auf Wunsch der Anmelderin“ geändert wurde. Dem widerspricht die Gruppe Handala: Die neue Route sei kein Wunsch gewesen, sondern notwendig, weil die Stadt die ursprüngliche Route verboten hatte.

Laut LVZ hatte erst die Stadt eine alternative Route vorgeschlagen und dann kam von den Demogruppen eine Alternative dazu. Letztere soll es nun werden. Dass die Route auf Wunsch der Anmelderin geändert wurde, erscheint in diesem Kontext als ziemlich lückenhafte Darstellung.

Im Livestream des rechten Youtubers „Weichreite“ sagt ein Teilnehmer der Palästina-Demo, dass er für die Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten eintrete – anders als die Teilnehmer*innen der Gegendemos, die angeblich nur Israel akzeptieren würden.

Möglicherweise ist für diesen Teilnehmer auch die Palästina-Demo heute nicht der passende Ort. Handala hat erst gestern noch einmal bekräftigt, die Zwei-Staaten-Lösung abzulehnen. Man wolle einen „demokratischen Staat für alle“. Dieser soll aber nicht Israel, sondern Palästina heißen.

Polizei-Empfang am S-Bahnhof Connewitz. Foto: Marius Mörtl

Am S-Bahnhof Connewitz ist die Teilnehmerzahl unterdessen auf etwa 200 Personen angewachsen. Direkt am Bahnsteig hat die Polizei ein Auge auf Neuankömmlinge. Um 13:15 Uhr hat sich die Zubringer-Demo nun in Bewegung gesetzt. Besonders weit gekommen ist sie bisher allerdings nicht. Die Polizei stoppte sie an der Bornaischen Straße aus und bemängelt Vermummung. Nach einigen Minuten des Stillstandes kann die Demo gegen 13:30 Uhr wieder weiterlaufen.

Die Zubringer-Demo startete vom S-Bahnhof Connewitz aus. Foto: Marius Mörtl

Die „Freien Sachsen“ verbreiten wieder mal Fake News. Sie schreiben auf Telegram zwar zutreffend, dass ein Radfahrer dem Streamer „Weichreite“ ins Gesicht gespuckt hat, aber die Behauptung, dass sich „der Mob auf ihn gestürzt“ habe, als er „den Kriminellen“ festhalten wollte, stimmt nicht.

Sebastian Weber, so der bürgerliche Name von „Weichreite“, hat höchstpersönlich einem anderen Streamer erzählt, dass er den Radfahrer verfolgt und festgehalten habe; dabei sei er aber hingefallen und mit dem Kopf aufgeschlagen. Resultat war eine Platzwunde. Der einzige Mob, der auf ihn eingewirkt hat, war also die Schwerkraft.

Die „Free Palestine“-Demo befindet sich kurz nach 13:30 Uhr noch immer in Vorbereitung. Der Lautsprecherwagen wird bereit gemacht. Mit dabei auch die Anmelderin Katja Janssen, die für das Leipziger BSW tätig ist. Damit sich der Zug in Bewegung setzen kann, fehlen aktuell noch ein paar Ordner*innen. Diese Aufgabe scheint sich noch ein wenig hinzuziehen, da die Polizei einige vorgeschlagene Personen nicht mit dieser Aufgabe vertraut wissen will.

Die Zubringer-Demo aus Richtung S-Bahnhof Connewitz kommt aktuell gut voran. In Kürze wird deren Ankunft am Connewitzer Kreuz erwartet. Die begleitende Polizei-Eskorte hat allerdings teilweise den Helm übergestülpt.

Insgesamt wirkt die Situation am Kreuz aber recht entspannt. Die Demonstrationen stehen allesamt hinter Hamburger Gittern, ungefähr 50 Meter voneinander entfernt, und dazwischen befinden sich Polizei, Presse und solche, die sich für Presse halten. Vor allem die Teilneher*innen der Palästina-Demo beschäftigen sich eher mit sich selbst als mit den anderen.

Auch dieser 2. Liveticker ist inzwischen ziemlich lang geworden. Wir setzen frisch und munter mit Teil 3 des Tickers fort.

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