Drei Jahre später, acht Jahre später: Auch die Radfahrer, die sich eigentlich seit 2022 auf den neuen Radweg am Elster-Saale-Kanal gefreut haben, erleben eine Enttäuschung nach der anderen. Aber diesmal scheint es vor allem der bürokratische Papierkrieg zu sein, der dafür sorgt, dass der einst angekündigte Bautermin 2022 schon nicht gehalten wurde und der Umsetzungstermin 2025 auch ins Wasser fiel. Auf eine Einwohneranfrage hin musste das Amt für Stadtgrün und Gewässer nun zugeben, dass man jetzt erst für 2030 mit einem Bau des Radweges rechnet.

„Die Herstellung des Saale-Leipzig-Kanal-Radweges ist vom Lindenauer Hafen in Leipzig bis zur Saale bei Kreypau auf einer Länge von ca. 20 km geplant. Der Radweg soll unmittelbar entlang des gefluteten sowie des ungefluteten Saale-Leipzig-Kanals verlaufen und am Saaleradweg enden“, beschreibt das Amt für Stadtgrün und Gewässer das, was man so ungefähr Planungsstand nennen könnte. Denn bislang hat man eher geprüft und Alternativen untersucht. Von fertigen Planungen kann keine Rede sein.

„Der Teilbauabschnitt (TBA) 1 des Radweges, der den ca. 11,4 km langen gefluteten Abschnitt vom Lindenauer Hafen in Leipzig bis kurz hinter Zschöchergen (Ortsteil der Stadt Leuna) in Sachsen-Anhalt umfasst, wird fast vollständig auf den Betriebswegen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes verlaufen.

Nachdem für den TBA 1 im Jahr 2024 die Alternativenbetrachtung zur Ermittlung der Vorzugstrasse abgeschlossen wurde, konnte Anfang 2025 sowohl die Verkehrs- als auch die Umweltplanung ausgeschrieben und vergeben werden. Die Planungen laufen seither“, schreibt das Amt. Und gibt dem fragenden Einwohner dann gleich mal eine kalte Dusche: „Die Umsetzung und die Inbetriebnahme des TBA 1 sind für 2030 geplant.“

Und nicht viel anders sieht es auf der sachsen-anhaltinischen Seite aus: „Die TBA 2 und 3 umfassen den geplanten Radweg vom Ende des gefluteten Saale-Leipzig-Kanals bis zur Mündung des geplanten Saale-Leipzig-Kanals in die Saale bei Kreypau. Sie befinden sich auf dem Hoheitsgebiet der Stadt Leuna (Sachsen-Anhalt). Die Stadt Leuna beabsichtigt die Realisierung der TBA 2 und 3 ebenfalls bis 2030.“

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Es gibt 2 Kommentare

Jämmerlich und bezeichnend: während für Gewerbegebiete und wirtschaftliche Großprojekte in Rekordzeit Wälder gerodet, Straßen gebaut und Flächen versiegelt werden, scheitert ein einfacher Radweg auf bestehender Trasse jahrelang am ‚bürokratischen Papierkrieg‘.

Gleiches am Elsterflutbett, wo sich die Ämter hinter Gutachten verstecken, die es noch nicht gibt oder hinter verschlossenen Türen bleiben. Oder das Theater um den Wegebelag der neuen Linie.

Das ist das Ergebnis organisierter bürokratisierter Verantwortungslosigkeit: Keiner, vor allem Menschen in Entscheidungspositionen, will in angemessener Zeit eine Entscheidung treffen und dafür gerade stehen.
Paragraphen und Vorschriften werden gewälzt und ausgerollt, bis man sicher sein kann, den eventuellen schwarzen Peter entweder jemand anderem zuschieben oder konsequenzlos seinen Posten weiter betreuen zu können.

Was für Radfahrer sind das, bzw. sollen das sein, die sich angeblich seit 2022 auf diesen Radweg freuen? Die selben, die sich über die, auf dem obigen Foto festgehaltenen, Freveltaten freuen? Was soll das?

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