Jetzt gibt es erst einmal Fördergeld für den geplanten Radweg am Elster-Saale-Kanal

Für alle LeserLeipzig ist umgeben von lauter wohlklingenden Organisationen, in denen die Verwaltungen der Städte und Landkreise weitab von den gewählten Gremien ihre eigene Politik machen, ohne dass selbst die Leipziger Stadträt/-innen noch nachvollziehen können, wer da eigentlich welche Entscheidungen trifft. Zu diesen surrenden UFOs gehört seit einiger Zeit auch die Arbeitsgemeinschaft, die den Weiterbau des Elster-Saale-Kanals vorantreiben soll. Da das aber noch Utopie ist, setzt man jetzt erst einmal 11 Kilometer Kanal „in Wert“ – durch einen Radweg.

Und obwohl das weitestgehend auf Leipziger Gebiet passieren soll – nämlich vom Lindenauer Hafen bis nach Günthersdorf (auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt), kam die Meldung dazu nicht aus dem Leipziger Rathaus, sondern aus dem Hallenser, das Anfang des Monats ganz stolz vermeldete:

Bund fördert Radweg entlang des Saale-Elster-Kanals

(halle.de/ps) Der Radweg am Saale-Elster-Kanal kann auf einem elf Kilometer langen Teilstück entlang des gefluteten Kanals zwischen Leipzig, Schkeuditz und Leuna ausgebaut werden. Möglich wird dies durch eine 90-prozentige Förderung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.

„Der Radweg wertet das mitteldeutsche Radwegenetz auf und rückt zugleich den Saale-Elster-Kanal als länderübergreifendes Leuchtturmprojekt der Metropolregion in den Mittelpunkt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand. Die Stadt Halle (Saale) ist Mitglied einer interkommunalen Arbeitsgemeinschaft, in der die Rahmenbedingungen für einen Weiterbau der unvollendeten Wasserstraße geprüft werden. Grundlage ist ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2018. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind die Städte Halle (Saale), Leipzig, Merseburg, Leuna, Schkeuditz, die Gemeinde Schkopau sowie die Landkreise Saalekreis und Nordsachsen.

Der Bau des Saale-Elster-Kanals wurde bereits im Jahr 1920 beschlossen und 1933 begonnen, vollendet wurde er aber nicht: Der Kanal endet bei Günthersdorf (Landkreis Saalekreis). Im 2015 veröffentlichten „Tourismuswirtschaftlichen Gesamtkonzept für die Gewässerlandschaft im mitteldeutschen Raum“ wird die Anbindung des Kanals an die Saale als eines von zehn Leuchtturmprojekten benannt.

Der Radweg stellt eine flankierende Maßnahme dieses Groß-Projekts dar. Nach der Zusage können die Planungsleistungen nun durch den Grünen Ring Leipzig ausgeschrieben werden, eine freiwillige Kooperation von 14 Kommunen und den Landkreisen Leipzig und Nordachsen. Der Baustart für das Teilstück ist für kommendes Jahr geplant. Der Radweg soll auf einer Breite von drei Metern ausgebaut werden und aufgrund seiner feinporigen Asphaltierung auch Skatern eine attraktive Strecke bieten.

***

Das viel beschworene „Leuchtturmprojekt“ Elster-Saale-Kanal hat Leipzigs Verwaltung 2019 tatsächlich mit in ihrer 2,3-Milliarden-Euro-Wunschliste zum Kohleausstieg angemeldet („prioritäre Maßnahmen der Stadt Leipzig für das Strukturänderungsgesetz“). Wirtschaftlich macht das Kanalprojekt keinen Sinn, aber 2015 haben es sich die Akteure im Mitteldeutschen Seenland als „Leuchtturmprojekt“ in ihr „Tourismuswirtschaftliches Gesamtkonzept für die Gewässerlandschaft im mitteldeutschen Raum“ schreiben lassen. (Ein Papierwerk mit einer Zahlengrundlage, die keiner wirklich wirtschaftlichen Betrachtung standhält).

Geld gibt es aber vorerst nur für einen Radweg am schon ausgebauten, 11 Kilometer langen Kanal von Leipzig bis Günthersdorf. In der Kohle-Wunschliste von Leipzig taucht es als „Teilprojekt 1: Maßnahmen zur Inwertsetzung des Kanals im aktuellen Ausbauzustand“ auf. Womit zumindest dieses Teilstück des Wasserbauwerks mit dem Fahrrad besser erlebbar wird. Kostenpunkt: 7,5 Millionen Euro.

Da ist man dann freilich erst in Günthersdorf. Der Anschluss zur Saale fehlt dann noch. Damit wäre dann nämlich auch jenes Gebiet erlebbar, in dem die Arbeitsgemeinschaft nach wie vor festhält am Weiterbau des Kanals. Doch gerade da wird sinnfällig, dass mehrere reiche Biotope einen solchen Weiterbau geradezu verbieten. Den Bau eines großen Schiffshebewerks als Besucherattraktion erst recht.

Der Radweg selbst wäre ein Zugewinn. Das betont auch der ADFC Leipzig: „Aus Sicht des ADFC ist es schön, dass eine zügige, sichere und bequeme Wegeverbindung in Richtung Merseburg und Leuna entsteht. Mit der Radverkehrsverbindung wird ein hoher touristischer Wert geschaffen, der sich auch positiv auf den Alltagsradverkehr auswirken wird. Wir wünschen uns, dass der Erholungswert für Radfahrende dann auch dauerhaft erhalten bleibt.“

Da der Grüne Ring jetzt erst einmal mit den Planungen beauftragt werden soll, ist noch offen, ob nächstes Jahr schon gebaut werden kann.

Der Elster-Saale-Kanal stammt tatsächlich noch aus der „Potenzialanalyse“ von 2011

Machtgefälle im Kopf. Die neue „Leipziger Zeitung“ Nr. 80 ist da: Was zählt …

Elster-Saale-KanalGrüner Ring LeipzigRadwegStrukturfördergesetz
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