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Video von der Seebrücke-Demo in Leipzig (4): Pfarrer Frank Martin „Man spuckt Jesus ins Gesicht“ + Bildergalerie

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    VideoEuropa lagert Probleme ständig aus, doch diese Zeit endet. Noch ist es eine „Externalisierungsgesellschaft“, die eben sagen kann – ja, ist schon Krieg irgendwo da draußen, aber doch nicht bei uns. Ja, es gibt Probleme auf der Welt, aber das ist Sache der Politiker, denn wozu bitte hat man sie schließlich „abgeordnet“? Damit hat man im Alltag nichts zu tun. Oder? Der Leipziger Pfarrer Frank Martin schilderte am 4. August 2018 in Leipzig seine christliche Sicht auf den Friedensnobelpreisträger Europa.

    Das nahe Problem ist eben das, ein nahes, der fehlende Kitaplatz, die Sorgen um einen Job, das Alter, die Miete. Alles wichtig und zurecht. Woanders darf schon mal gestorben werden, wenn Kinder Rohstoffe aus dem Boden kratzen oder Kriege, Dürren und Geburtenexplosionen zu massiven Wanderungsbewegungen führen, das ist nicht nah.

    Dokumentation drehen, entrüsten, fertig. Vielleicht zu Weihnachten dann irgendwie ein paar Euro – wenn man denn hat – an eine Organisation, die sich kümmert. Also um Kinder, Erwachsene sind ja selbst schuld – hätten sie mal … in Afrikas Slums geboren … was aus ihrem Leben gemacht. Nur rückt eben die Frage, was wir nehmen und dafür geben, immer näher. Seit Jahrzehnten, nicht erst seit 2015.

    Eine bislang unerreichte „Eskalationsstufe des Zynismus“, nennt der Pfarrer der „Evangelischen Studierendengemeinde Leipzig“ die Verleihung des Nobelpreises für die EU. Schon vor dieser Verleihung habe die Kriminalisierung der Seenothilfe eine längere Tradition, als mancher denkt. Bereits 2004 wurde das Schiff „Kap Anamur“ festgesetzt, der Kapitän bereits 2004 in Italien angeklagt, weil er Flüchtlingen in Seenot geholfen hatte.

    Otto Schilly (SPD) habe damals schon gesagt, man müsse hier darauf achten, dass man keinen gefährlichen Präzedenzfall schaffe – und meinte damit, dass der angeklagte Kapitän für seine privat organisierte Seenotrettung auch verurteilt werden müsse. Ein Zeichen, dass die fehlende Nächstenliebe nichts mit einem Parteibuch zu tun habe.

    Im Freispruch nach vier Jahren Prozess habe die Richterin dann 2008 die Worte formuliert: „Menschen retten ist kein Verbrechen“ – für Pfarrer Martin die Feststellung einer Selbstverständlichkeit, das Zutagetreten des eigentlichen Skandals.

    Aus christlicher Perspektive gibt es wohl nicht nur für ihn derzeit wenig Gutes über die „christlichen Parteien“ zu sagen. Christliche Werte betonen und dann Sätze sagen wie „Das Boot ist voll“ oder „wir können nicht allen helfen“, der könne, so Martin, sicher Kreuze an Gebäude nageln, doch in Wirklichkeit „spuckt man Jesus ins Gesicht“.

    Das Pfarrer Frank Martin mit einem Jesusgleichnis endet, um die Frage zu klären, wer denn nun „der Nächste“ sei, dem zu helfen ist, mündet in einen folgerichtigen Aufruf an die christlichen Parteien. Von eben jenen war kein offizieller Vertreter bei der „Seebrücke“-Demonstration am 4. August 2018 in Leipzig unter den 2.000 Teilnehmern.

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