Der 25. April ist eigentlich der Tag des Baumes. Aber Sachsen ist ein Land, in dem Bäume kaum Schutz genießen. Mit der Abschaffung der alten Baumschutzsatzung sind in den Städten tausende Bäume ersatzlos gefällt worden. Mit der Verdichtung Leipzigs verschwinden auch grüne Brachen und wertvolle Gehölze. Zum Internationalen Tag des Baumes ruft deshalb ein breites Aktionsbündnis zur Demonstration gegen den Grünschwund und das Artensterben in Leipzig auf.

Veranstalter sind der NABU-Regionalverband Leipzig, Bündnis 90/Die Grünen, die Grüne Jugend, der Gemeinschaftsgarten Querbeet und die Initiative LeipzigGrün.

„Während Leipzig wächst, schrumpft die Stadt für die Tier- und Pflanzenwelt. Der frühe Vogel singt nicht mehr. Bäume und andere Lebensräume gehen ohne Ausgleich verloren, was nicht nur für Singvögel, Insekten, Amphibien und Wildtiere wie Igel und Eichhörnchen tödlich ist. Auch die Menschen in der Stadt verlieren dadurch ein großes Stück Lebensqualität. Darüber hinaus sind Altbäume und funktionierende Ökosysteme unerlässlich für das Stadtklima, erst recht vor dem Hintergrund des Klimawandels und der erforderlichen Klimafolgenanpassung“, erklärt Karsten Peterlein vom NABU-Regionalverband Leipzig zu diesem Thema. „In den letzten drei Jahren sind in der Stadt 85 Hektar Grünflächen und zahllose, zum Teil über hundert Jahre alte Bäume verschwunden, vielerorts ohne Ausgleich zu schaffen.“

Erreicht werden soll mit der Aktion unter anderem, dass in Leipzig endlich eine wirksame Baumschutzsatzung verabschiedet wird. Das Aktionsbündnis betont, dass Artenschutz und Wohnungsbau nicht gegeneinander ausgespielt werden sollen.

„Die wachsende Stadt benötigt dringend Wohnraum, weshalb auch neue Häuser auf alten Brachen entstehen. Der oft damit verbundene Schwund an Stadtgrün bedroht nicht nur die Artenvielfalt. Er kann auch zu einem Verlust an Lebensqualität insbesondere in dicht besiedelten Stadtgebieten wie im Leipziger Osten führen“, ergänzt Dr. Tobias Peter, der Spitzenkandidat der Grünen des Wahlkreises Leipzig Nord-Ost und Sprecher der AG Stadtentwicklung und Mobilität.

„Bauen in der wachsenden Stadt und Artenschutz müssen jedoch kein Widerspruch sein. Bauvorhaben dürfen nicht ohne jede Rücksicht auf Niststätten und andere Lebensräume erfolgen. Bei Abriss-, Sanierungs- und Neubauvorhaben sind die artenschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. Architektur und Stadtplanung können und müssen künftig auch danach ausgerichtet werden, dass sie Erhalt und Neuansiedlung von Pflanzen und Tieren ermöglichen“, so Peter weiter. „Wir demonstrieren auch dafür, dass Umwelt- und Naturschutzverbände in Zukunft früher und wirksamer in die städtischen Bauvorhaben eingebunden werden.“

Negativbeispiel Bernhard-Göring-Straße 28

Aber es ist nicht nur die zahnlose Baumschutzsatzung, die in Leipzig für Probleme sorgt, es ist auch das fehlende Problembewusstsein einer Stadtverwaltung, die nicht einmal dann reagiert, wenn die Bürger auf die Straße gehen. So geschehen am 8. Dezember, als die Anwohner des LWB-Baugrundstücks Bernhard-Göring-Straße 28 demonstrierten, weil der Bau der neuen LWB-Gebäude hier ein wertvolles Stück Grün bedrohte.

Genau hier hätten eigentlich die beiden zuständigen Ämter für Umweltschutz und Stadtgrün und Gewässer tätig werden müssen, um wertvolle Biotopbestände zu retten, darunter mehrere wertvolle Biotopbäume, die mindestens drei Fledermausarten Zuflucht boten, dazu wertvolle Rückzugsorte für Igel – mindestens fünf wurden beobachtet, bevor kurz vor Panikschluss am 1. März die Rodungsarbeiten begannen, bei denen auch dutzende Bäume gefällt wurden, die selbst unter die eher windelweiche Baumschutzsatzung fallen, etliche davon eigentlich sogar von den städtischen Ämtern als „zu erhalten“ bewertet.

Doch auch diese wurden gefällt, das komplette Gelände bereinigt und damit auch ein über Jahrzehnte gewachsenes, wertvolles Biotop, das auch für die Bewohner der künftigen LWB-Häuser wichtig gewesen wäre, einfach zerstört.

Die Bewohner haben den am Ende immer frustrierenderen Briefwechsel mit der Verwaltung archiviert. Herauslesen lässt sich dabei nur: Keines der beiden verantwortlichen Ämter fühlte sich überhaupt bemüßigt, hier zum Erhalt wichtiger innerstädtischer Biotope tatsächlich tätig zu werden. Unübersehbar hat Leipzigs Verwaltung gerade in der jetzigen brisanten Zeit, in der wöchentlich solche wertvollen Grüninseln im Stadtgebiet verloren gehen, simple Schutzstrategien zur Bewahrung nicht nur geschützter Bäume, auch von geschützten Tierarten und Grüninseln zu entwickeln.

Die Bewohner sehen zwar die Hauptverantwortung im Planungsdezernat, das hier die Baugenehmigung vergibt. Aber wer ist in Leipzigs Verwaltung eigentlich wirklich für Umweltschutz zuständig? Augenscheinlich niemand.

In diesem Fall wurden auch jene Bäume gefällt, die vom Amt für Stadtgrün und Gewässer als unbedingt zu erhalten eingestuft waren. Die Anwohner vermuten: Einfach um Platz für Stellplätze zu schaffen.

Also Blech statt Baum. Auto statt Grün.

Die Demo: Das Aktionsbündnis ruft alle Leipzigerinnen und Leipziger auf, sich an der Demonstration zu beteiligen und sich kreativ einzubringen. Start der Demonstration, die am Wilhelm-Leuschner-Platz beginnt und durch die Innenstadt führt, ist 16:30 Uhr. Die Abschlusskundgebung findet ab ca. 18:00 Uhr am Richard-Wagner-Platz statt.

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