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Am Donnerstag geht es in den Vergabeausschuss: Die Vision fürs „Kino der Jugend“ ist fertig

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    Als die Bürgerinitiative IG FORTUNA | Kino der Jugend vor reichlich fünf Jahren begann, für den Erhalt des ehemaligen „Kino der Jugend“ in der Eisenbahnstraße 162 zu kämpfen, gab es nicht viel mehr als die einende Idee, den alten Kultursaal in seiner Größe zu erhalten und wiederzubeleben. Seitdem ist viel passiert. Die IG FORTUNA hat die Erinnerung vieler Leipzigerinnen und Leipziger an den ehemaligen Kulturstandort wachgerüttelt.

    Durch Öffentlichkeitsarbeit, wirksame Aktionen und viele Konzeptwerkstätten entstand nicht nur eine breite Unterstützungsbasis, aus einer inspirierenden Idee wurden auch Pläne und aus Plänen schließlich ein überzeugendes Konzept.

    Katrin Haucke, die als langjährige Kulturmanagerin die Leipziger Szene bestens kennt, streichelt nicht ohne einen leisen Anflug von Stolz über das fein gebundene Papier: „Fast ein wenig zu dick. Zumindest für den Fristenbriefkasten der Stadt Leipzig. 46 Seiten zur inhaltlichen und baulichen Ausgestaltung, dazu 24 ausgewählte Unterstützungsschreiben, jede Menge Zahlen und eine kleine Geschichte des Vereins.“

    Zu den Unterstützer/-innen des Konzeptes zählen nicht nur lokale Akteure, wie die örtlichen Bürgervereine, das Pöge-Haus oder das Ost-Passage Theater, sondern auch in anderen Stadtteilen etablierte Kulturbetriebe wie die Schaubühne Lindenfels, die naTo oder der Felsenkeller.

    „Ich finde es großartig, wie offenherzig unsere Ideen aufgenommen wurden. Leipzig hat eine herausragend kooperative Kulturszene. Die neue Fortuna wird ein Leuchtturm dieses Geistes werden.“ Daniel Schade, der sich für das Ost-Passage Theater in der Initiative engagiert, ist sich sicher, dass die IG FORTUNA den Wettstreit um die besten Ideen für die Standortentwicklung gewinnen wird.

    „Weil wir die lokalen Akteure und Nachbar/-innen beteiligen, weil uns andere Leipziger Kulturbetriebe kollegial beraten, und weil wir uns seit fünf Jahren Gedanken um eine Nutzung machen, die den Bedürfnissen in den angrenzenden Vierteln entspricht.“

    Das von der IG FORTUNA der Stadt vorgelegte Konzept setzt bei der Sanierung, neben dem Substanzerhalt des schützenswerten Industriedenkmals, auf einen Gleichschritt von Bau und Nutzung in fünf Etappen.

    Frühjahrsputz der IG FORTUNA vorm "Kino der Jugend" 2016. Foto: Matthias Mehlert
    Frühjahrsputz der IG FORTUNA vorm „Kino der Jugend“ 2016. Foto: Matthias Mehlert

    „Die Idee ist, Stück für Stück in die Räumlichkeiten hineinzuwachsen, anstatt einfach nur durchzusanieren“, betont Katrin Haucke. „Nur durch gelebte Teilhabe entsteht ein identitätsstiftender Ort, für den sich Menschen auch ehrenamtlich engagieren.“ Allen in der IG sei nach fünf Jahren des Ausharrens vor verschlossenen Türen klar, dass eine langjährige Baustelle ohne Nutzungsmöglichkeit keine Option ist. „Das geht schlicht an den akuten Bedürfnissen vor Ort vorbei.“

    Im Detail sieht das Konzept der IG FORTUNA deshalb eine frühestmögliche Nutzung des Nebengebäudes vor. Mit geringem Aufwand könnte hier schnell ein Raum für 70 bis 100 Personen als Interim-Saal fungieren und zusammen mit einem kleinen Außensitz eine Magnetwirkung entfalten. Nach der grundhaften Sanierung von Keller und Dach könnten dann bereits Saal und Keller im Rohbau genutzt werden. Im nächsten Schritt würde das Vorderhaus fertiggestellt, ohne die Nutzung des Restgebäudes wesentlich einzuschränken.

    Anschließend würden die Innenausbauten im Saal und im Keller vonstatten gehen, sodass das fertige Hauptgebäude der neuen Fortuna abhängig vom Vergabeverfahren, frühestens aber 2027 eingeweiht werden könnte. Im letzten Schritt will die IG dann auch das Nebengebäude von Grund auf erneuern.

    „Das Nebengebäude gibt uns sowohl ökonomisch als auch ökologisch die Chance, Unwegbarkeiten beim denkmalsgeschützten Hauptgebäude auszugleichen“, sagt Winfried Endres, der federführende Architekt in der IG. Er glaubt daran, dass Bau und Nutzung sich nicht ausschließen müssen: „Es ist eine Herausforderung. Aber auch nicht mehr.“

    Ein weiterer wichtiger Baustein des Konzeptes ist die Balance von Großem Saal und kleinteiligen Nutzungsräumen, die unabhängig voneinander betrieben werden können. Laut Daniel Schade ist nur so eine soziokulturelle Ausrichtung der neuen Fortuna möglich. „Den Großen Saal allein wirtschaftlich zu betreiben, das wäre das Modell ,Eventkeller‘, ein charakterloser Raum für zugkräftige Musikveranstaltungen zu entsprechenden Preisen. Und mit den sozialen Ausschlüssen, die sich daraus ergeben.“

    Konzertpublikum 1986 im "Kino der Jugend". Foto: Gabriele Sergel
    Konzertpublikum 1986 im „Kino der Jugend“. Foto: Gabriele Sergel

    In der IG ist man sich sicher, dass eine solche Konzeption an den vielfältigen Interessen rund um die Eisenbahnstraße vorbeigeht. „Was der Leipziger Osten braucht, ist ein Großer Saal, ja. Aber er muss von den vielen Akteuren vor Ort auch niederschwellig genutzt werden können“, so Schade.

    Das Konzept der IG FORTUNA sieht deshalb auch den Ausbau des Kellers und des Vorderhauses vor. Im Untergeschoss soll ein weiterer, wenn auch wesentlich kleinerer Saal mit fester Bestuhlung entstehen, um als Kleinkunst- und Probenbühne sowie als Programmkino in der historischen Kontinuität des Ortes zu fungieren.

    Daneben soll ein großer Bewegungsraum eingerichtet werden, der eine Nutzung an der Schnittstelle von Tanz und Sport erlaubt. Im Vorderhaus ist außerdem im Obergeschoss ein Konferenzraum geplant, der Vereinen und Initiativen für Versammlungen und Meetings zur Verfügung steht. Zusammen mit dem Interimssaal im Nebengebäude sind also fünf Nutzungsräume mit unterschiedlichen Profilen anvisiert, die sich gegenseitig ergänzen – ökonomisch wie inhaltlich.

    „Wenn Sie sich als Verein im Konferenzraum treffen, als Tanzgruppe den Bewegungsraum nutzen oder als Theaterensemble die Probebühne, dann wollen Sie bei größeren Veranstaltungen auch in den Großen Saal“, sagt Daniel Schade. Und Katrin Haucke ergänzt: „Erst durch die vielen kleinteiligen Nebennutzungen entsteht Kontinuität und ein lebendiger Ort, zu dem die Menschen gern wiederkommen. Der Große Saal ist da ja nur die Spitze des Eisberges.“

    Angesprochen auf die Finanzierung reagiert Kerstin Herrlich, die sich bei der IG als diplomierte Betriebswirtin engagiert, zurückhaltend: „Das ist bei einem Projekt dieser Größenordnung immer etwas spekulativ.“ Klar sei, dass die Sanierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes einen siebenstelligen Betrag mittlerer Größenordnung benötige. „Ohne Förderung durch die öffentliche Hand wird das nicht machbar sein.“

    Zwar wolle man in der IG auch eine große Spendenkampagne starten und für Partner aus der Wirtschaft werben, aber: „Machen wir uns nichts vor, für einen gemeinwohlorientierten Ort, der der Stadtgesellschaft jenseits von profitoptimierten Privatinteressen zugute kommt, müssen sich alle engagieren, die Stadt, das Land und auch der Bund.“

    Daniel Schade ist in der Sache aber zuversichtlich, da die Immobilie ja im Erbbaurecht auf 60 Jahre vergeben wird, die Stadt sich also weiterhin die Mitsprache sichert. „Das ist ja das schöne an dem Modell, Kommune und Stadtgesellschaft ziehen an einem Strang. Gemeinsam schaffen wir die neue Fortuna so, wie es den Stadtentwicklungszielen und den Bedürfnissen der Leipzigerinnen und Leipziger entspricht.“

    Nach der ersten Sichtung der zum Vergabeverfahren eingereichten Konzepte hat die IG FORTUNA bereits die erste Hürde genommen und wurde zur Vorstellung ihres Konzeptes am Donnerstag, 19. November, zum Vergabegremium eingeladen. Wie lange es danach dauert, bis eine Entscheidung bekannt wird, weiß derzeit aber niemand. Daniel Schade hat dafür Verständnis: „Immerhin hat es ein solches Verfahren in dieser Form bisher noch nicht gegeben. Hoffen wir das Beste!“

    Kino der Jugend: Ein Kulturzentrum für den Leipziger Osten + Bildergalerie

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