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Kino der Jugend: Ein Kulturzentrum für den Leipziger Osten + Bildergalerie

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    LEIPZIGER ZEITUNG/Auszug Ausgabe 81, seit 31. Juli im HandelFür einen Tag herrscht Leben in der Eisenbahnstraße 162. Denn in das ehemalige Kino der Jugend soll nach jahrzehntelangem Leerstand nun endlich ein Kultur- und Begegnungszentrum einziehen. Dafür läuft bis 30. September ein Konzeptverfahren, ausgeschrieben von der Stadt Leipzig. Am 20. Juli konnten sich Interessent/-innen das denkmalgeschützte und recht verfallene Gebäude anschauen.

    Ursprünglich gehörte der Komplex der Leipziger Gasanstalt und wurde Mitte der 1920er Jahre verkauft. Von 1929 bis 1987 diente er als Kino, Konzertsaal und Begegnungsstätte dem Leipziger Osten. Seit der Schließung steht das Kino der Jugend nun leer und ist dem Verfall überlassen. Deshalb gründete sich 2015 die Interessengemeinschaft (IG) „Fortuna, Kino der Jugend“, die das Gebäude retten und den Kultursaal weitgehend für das Viertel nutzbar machen möchte.

    Um das zu erreichen, hat sich die Interessengemeinschaft jahrelang durch den „Verwaltungsdschungel“ gekämpft, wie Daniel Schade, der bei der IG auch für Pressearbeit zuständig ist, es nennt. Das zeigte erste kleine Erfolge, als 2017 ein Notdach durch die Stadt gestellt wurde. Doch auch von der Art-Déco-Fassade ist, trotz Denkmalschutz, wenig übrig.

    Im Juni 2020 veröffentlichte die IG „Fortuna, Kino der Jugend“ einen öffentlichen Brief, in dem sie auf die Beschlüsse des Stadtrats von 2016 einging. Damals wurde dem Dach, aber auch „einer kulturellen, sozialen und/oder Gemeinwesen orientierten Nutzung“ des Hauses zugestimmt. Gefordert wurde im Brief abschließend, ein „Konzeptvergabeverfahren des ehemaligen ‚Kino der Jugend‘ endlich auf den Weg zu bringen“.

    Seit 4. Juli ist das Erbpacht-Vergabeverfahren nun eröffnet

    An der Konzeptvergabe beteiligt sich auch die IG Fortuna. Fortuna-Sprecher Daniel Schade hebt das Ziel hervor, „die Messlatte für eine soziale beziehungsweise kulturelle Nutzung des Kinos in historische Kontinuität möglichst hochzulegen“.

    Die IG begrüße zudem sehr, dass es endlich losgeht. Nur das Timing sei denkbar schlecht dank Corona-Pandemie und den Sommerferien in Sachsen. Dafür sind die drei Monate Konzeptionsphase nun eher wenig. Ein Umstand, der vor allem kleineren Mitbewerber/-innen Steine in den Weg legen könnte. Trotzdem sei der Start ein wichtiger Etappensieg.

    In dem Konzeptverfahren geht es darum, eine/-n Investor/-in mit einem passenden inhaltlichen Konzept zu finden. Dieses muss sich auch wirtschaftlich rentieren. Rita Werner, Sachbearbeiterin für Stadtteil- und Soziokultur des Kulturamtes der Stadt Leipzig, hebt hervor, dass es vom Stadtrat den Auftrag gebe, ein nachhaltiges Kultur- und Begegnungszentrum zu schaffen.

    Zudem solle das Konzept zum Stadtteil passen und mit dem Verein und den Bürger/-innen abgestimmt werden. Ein ideales Konzept würde für den Verein „Fortuna, Kino der Jugend“ einen „bunten Laden“ vorsehen, der für Kinovorführungen, Konzerte, Schulveranstaltungen oder zum Beispiel auch Hochzeiten nutzbar wäre, so Schade. Es solle eine stadtteilnahe Nutzung für alle Bürger werden. Denn das fehle im Moment im Osten noch.

    Während der Westen mit alten Industriebauten viel Raum habe zu wachsen, sei der Osten bisher eher geprägt durch Wohnraum, so Schade. Tatsächlich ist ein vergleichbarer Raum bisher zum Beispiel nur im deutlich kleineren Ost-Passage Theater zu finden. Einen kulturellen Treffpunkt im Kiez wünschen sich gleich zwei aktive Leipzigerinnen, die gekommen sind, um sich das Gebäude anzuschauen. Ein anderer Besucher gehört zu einer Galerie im Leipziger Westen und schaut, ob das ehemalige Kino zu ihnen passen könnte.

    Wenn das Konzeptverfahren planmäßig über die Bühne geht, könnte wohl 2022 mit dem Bau begonnen werden. Beim Gang durch das ehemalige Kino der Jugend zeigt sich, wie viel dann noch zu tun sein wird. In den Hauptsaal fällt kaum Licht, trotzdem sieht der triste Betonboden kaputt aus. In den Ecken liegt Schutt und auch die Decke ist nur eine Übergangslösung. Noch ist eine laut Ausschreibung „energieeffiziente Nutzung“ fern. Der Erhalt des Gebäudes sei aus Denkmalschutzgründen wünschenswert, jedoch „bestehen an den Innenraum und das Dachtragwerk keine besonderen Ansprüche“.

    Laut Daniel Schade gehe man von einem Sanierungsaufwand um die vier Millionen Euro aus. Wenn man die Renovierung in Etappen einteile, könne aber auch schon ein Teil genutzt werden, wenn an anderer Stelle noch gebaut wird.

    Dafür braucht es aber erst mal einen Entscheid im Konzeptverfahren.

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