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Befreite Flüsse: DUH ehrt Naturschutzverband Sachsen für naturnahe Gewässerentwicklung im Erzgebirge

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    Während sich in Leipzig erst so langsam ein Bild davon zeichnet, wie die Aue der Weißen Elster, der Nahle und der Luppen wieder zu einem natürlichen Gewässerraum werden kann, gibt es an kleineren sächsischen Flüssen schon Erfolge. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ehrte jetzt den Naturschutzverband Sachsen in Oederan als „Flussbefreier“ für den Einsatz bei der ökologischen Entwicklung von zwei kleinen Fließgewässern, der Flöha und der Großen Striegis im Erzgebirge.

    Die Verantwortlichen des Verbandes erhielten damit die ersten beiden von der DUH vergebenen Auszeichnungen für befreite Flüsse. Dass der Naturschutzverband Sachsen an den beiden Flüssen so erfolgreich operieren konnte, hat schlicht mit der Tatsache zu tun, dass hier niemand hineinreden konnte.An der Großen Striegis erwarb der Verband schon in den 1990er Jahren rund 40 Hektar direkt am Fluss und konnte die Renaturierung der Striegis selbst in die Hände nehmen. Und dasselbe begann 2002 an der Flöha mit dem Erwerb von 10 Hektar Flussaue. Was dann freilich auch zeigt, welchen Vorlauf man eigentlich braucht, wenn man Flüsse wieder renaturieren will.

    Und dazu kommt: An Flöha und Striegis wurde nie so viel verbaut wie an den Leipziger Fließgewässern. Es waren relativ kleine Maßnahmen, mit denen die beiden Flüsse wieder zu ihrer natürlichen Dynamik zurückkehren konnten. Im Anschluss an diese Rückbauten wurde die Gewässerunterhaltung von Flöha und Großer Striegis einfach beobachtet und nur bei Bedarf eingegriffen.

    Denn wenn die Flüsse wieder in ihren natürlichen Flussbetten fließen können, stellt sich die ursprüngliche Flusslebensgemeinschaft von allein wieder ein. Das Ergebnis ist heute die Wiederherstellung einer lebendigen Auenlandschaft und eines Lebensraum-Mosaiks aus Abbruchkanten, Kiesinseln, Feuchtwiesen und Auwald, das auch seltene Arten wieder bewohnen.

    Die Rolle der befreiten Flüsse im Hochwasserschutz

    Mit der Auszeichnung von insgesamt fünf Beispielen für befreite Flüsse in ganz Deutschland möchte die DUH die kleinen Gewässer in den Mittelpunkt rücken und für eine Gewässerentwicklung sensibilisieren, die die dynamischen Kräfte der Flüsse wieder aktiviert.

    Heute ein Standgewässer: Die Alte Luppe. Foto: Ralf Julke
    Heute ein Standgewässer: Die Alte Luppe. Foto: Ralf Julke

    Meike Metz, Projektmanagerin Lebendige Flüsse der DUH erklärt dazu: „Wir haben diesen Sommer gesehen, dass bei Starkregenereignissen auch die kleinen, unscheinbaren Gewässer zu reißenden Strömen werden können. Bäche und Flüsse wieder naturnah zu entwickeln, ist ein wichtiger Baustein einer naturbasierten Anpassung an den Klimawandel. Doch in der Gewässerunterhaltung dominiert oft noch ein altes Paradigma: das Wasser schnell aus der Landschaft zu schaffen. Das Ergebnis sind begradigte, befestigte Rinnen. Eine Gewässerentwicklung wie an der Flöha und der Großen Striegis mit natürlichem Gerinne und intakter Aue verbessert hingegen die Schwammfunktion der Landschaft. Die Erfolge des Naturschutzverbandes Sachsen sollten Akteuren an anderen Fließgewässern Mut machen, ähnliche Wege zu beschreiten.“

    Und Tobias Mehnert, Vorsitzender des Naturschutzverband Sachsen, beschreibt die Sicht seines Verbandes so: „Mit der Renaturierung der Auen sichert der Naturschutzverband wertvolle Lebensräume besonders gefährdeter Arten, leistet einen wichtigen Beitrag für den Hochwasserschutz und trägt dazu bei, naturnahe Waldgesellschaften als CO2-Senken für den Klimaschutz neu zu begründen. Die Fließgewässer stellen natürliche Biotopverbundstrukturen dar. Um deren ökologische Wirksamkeit vollumfänglich wirksam werden zu lassen, kommt es nun darauf an, die aus landwirtschaftlichen Nutzungsgründen entwässerten Quellgebiete der Fließgewässer in den Fokus zu nehmen. Hier steckt auch das größte Potenzial für den Wasserrückhalt in der Fläche.“

    Die Auszeichnung als „Flussbefreierinnen und Flussbefreier“ ehrt Menschen und Institutionen, die sich für jene kleinen Gewässer starkmachen, die trotz ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt und den ökologischen Hochwasserschutz noch zu oft übersehen werden. Sie ist Teil des durch die Deutsche Postcode Lotterie geförderten Projekts „Befreite Flüsse“, das bei Exkursionen zu den befreiten Flüssen, durch Steckbriefe und durch einen Online-Austausch Gewässerunterhaltungspflichtige der Mittelgebirgsregionen und weitere Akteure zum Erfahrungsaustausch einlädt.

    Geehrt wurde der Naturschutzverband Sachsen von der DUH am 28. September, dem Internationalen Tag der Flüsse.

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