17.9 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Linke-Antrag im Leipziger Stadtrat: Gefährdet die Flutung des Pereser Sees die Wasserversorgung im Leipziger Auensystem?

Anzeige

Mehr zum Thema

Mehr
    Anzeige
    Anzeige

    Den Pereser See gibt es zwar noch nicht. Aber das Leipziger Neuseenland kann ihn viel früher bekommen, als es sich selbst Freunde der Kohle bislang gedacht haben. Denn schon im Bundestagswahlkampf zeichnete sich ab, dass kaum noch jemand daran glaubt, dass in Sachsen bis 2038 oder 2035 noch Kohle abgebaut wird. Wenn Deutschland seine eigenen Klimaziele schaffen will, ist spätestens 2030 Schluss mit der Kohle. Und dann wird aus dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain und dem Abbaufeld Peres ein See. Aber mit welchen Folgen? Das fragt sich Leipzigs Linksfraktion.

    Themen rund um Wasserökologie verschlafen

    Es ist nicht das erste Mal, dass sich herausstellt, wie sehr alle Themen um die Wasserökologie im Raum Leipzig seit Jahrzehnten vertrödelt wurden. Erst am Freitag, 24. September, äußerte sich ja Sachsens Umweltminister Wolfram Günther zum „Internationalen Tag der Flüsse“ und zur Tatsache, dass Sachsen seit 1990 nicht wirklich vorangekommen ist damit, die Flüsse und Bäche im Freistaat wieder zu gesunden natürlichen Lebensräumen zu machen.

    „Die ökologische und chemische Beschaffenheit unserer Flüsse muss uns Sorgen machen – ungeachtet aller Fortschritte in den vergangenen 30 Jahren. Nur rund sieben Prozent der sächsischen Fließgewässer weisen einen guten ökologischen Zustand auf“, sagte er.

    Große Aufgaben stehen bevor

    Und er ging auch darauf ein, was für eine Herkulesaufgabe es sein wird, das Auensystem der Weißen Elster wieder gesunden zu lassen: „Der Leipziger Auwald ist ein Landschaftsraum und Ökosystem von gesamteuropäischer Bedeutung. Aufgrund der besonderen Lage in der Großstadt bündeln Freistaat und Stadt Leipzig ihre Kräfte zu seinem Schutz. Basis der Revitalisierung ist eine Gesamtkonzeption. Diese wird derzeit erarbeitet und ist auch Voraussetzung für die angestrebte Überführung in ein Naturschutzgroßprojekt, das sich auf die gesamte Elster-Luppe-Aue im Freistaat bezieht.“

    Ende 2022 will ja das Projekt „Lebendige Luppe“ das vom Stadtrat beauftragte Auenentwicklungskonzept vorlegen. Das sich zwar erst einmal nur auf das Leipziger Stadtgebiet beschränken wird. Aber Günther hat schon mehrfach deutlich gemacht, dass eigentlich im selben Atemzug auch der komplette Abschnitt der Weißen Elster südlich von Leipzig wieder repariert und renaturiert werden muss. Eine Aufgabe, deren Dimension man schon sieht, wenn man die „Betonelster“ südlich von Leipzig betrachtet.

    Früherer Kohleausstieg sorgt auch für frühere Flutung

    Und wenn im Tagebau Vereinigtes Schleenhain und im Feld Peres die Abbauarbeiten enden, wird das Riesenloch natürlich auch Wasser brauchen, um zum See zu werden. Das kann nicht nur aus dem natürlichen Grundwasser kommen.

    Und das ist im Grunde die Sorge der Linksfraktion, wenn sie beantragt: „Der Oberbürgermeister sowie die Mitglieder im Regionalen Planungsverband Westsachsen werden beauftragt, sich gegenüber dem Landkreis Leipzig sowie in der Verbandsversammlung für eine aktive Beteiligung an der Planung des Pereser Sees und insbesondere für die Erstellung eines hydrologischen Gutachtens einzusetzen, um ökologische Schäden für den Leipziger Auwald im Zuge der Flutung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain abzuwenden. – Außerdem setzt sich die Stadt Leipzig dafür ein, Planungsgrundlagen für den Fall eines vorgezogenen Kohleausstiegs vor dem Jahr 2038 zu schaffen.“

    Kohlekompromiss ist nicht in Stein gemeißelt

    Denn bislang tun auch die Akteure im Leipziger Südraum so, als wäre der Kohlekompromiss in Stein gemeißelt und das Kraftwerk Lippendorf würde einfach weiter bis zum vereinbarten Endtermin 2035 feuern. Was aber schon ab 2023 ökonomisch infrage steht, denn dann läuft der Fernwärmeliefervertrag der Stadt Leipzig aus, weil das neue Gaskraftwerk der Stadtwerke an der Bornaischen Straße seinen Betrieb aufnimmt.

    Die steigenden Preise für CO2-Zertifikate sorgen zusätzlich dafür, dass Kohleverstromung unrentabel wird und so manches Kohlekraftwerk viel früher vom Netz gehen wird als geplant.

    Und so kommt zwangsläufig auch die Schaffung des Pereser Sees viel früher auf die Tagesordnung als gedacht. Vor dem „Kohlekompromiss“ gingen die Befürworter der Braunkohle noch davon aus, dass die Turbinen im Kraftwerk Lippendorf bis zum Ende der Betriebsgenehmigung Anfang der 2040er Jahre laufen würden. Eigentlich hätte schon das ausgehandelte neue Enddatum 2035 aufhorchen lassen sollen.

    Nun steht das Jahr 2030 als Enddatum im Raum. Der Zeitpunkt, an dem die Bagger im Tagebau verstummen, rückt immer weiter vor. Und damit der Tag, an dem die Befüllung des künftigen Tagebausees aktuell wird, der bislang mit dem Jahr 2050 in den Zukunftsplänen stand. Aber darauf scheint noch niemand in der Region wirklich vorbereitet zu sein.

    Folgen für den Leipziger Auenwald

    „Noch ist der Zwenkauer See der größte See im Leipziger Neuseenland. Durch die Flutung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain soll jedoch ab 2038/2039 der Pereser See entstehen“, stellt nun die Linksfraktion fest, die hier sichtlich noch nicht den Mut hat, das Jahr 2030 als wahrscheinliches Datum zu nennen.

    „Mit einer Fläche von 12 km², einer Wassertiefe von 80 Metern und einem Volumen von 430 Millionen Kubikmetern Wasser wird der Pereser See der größte See der Region. Das für die Flutung benötigte Wasser soll laut Zeitungsberichten aus der Mulde und der weißen Elster stammen. Da die weiße Elster eine wichtige Rolle in der Hydrologie des Leipziger Auwalds spielt, sind ökologische Folgen für diesen nicht auszuschließen.“

    Die zitierten „Zeitungsberichte“ sind natürlich nur ein Artikel aus der LVZ, der im Juli erschien, in dem man noch immer davon ausging, dass im Leipziger Südraum bis 2035 Kohle gefördert wird. Auch die darin zitierte MIBRAG geht noch davon aus, dass der See erst ab 2038 geflutet wird – dann zwölf Jahre lang. Den Groitzscher Bürgermeister Maik Kunze zitiert die LVZ sogar mit den Worten: „Wir haben ja ein sehr großes Zeitfenster bis zum Kohle-Aus.“

    Dieses Zeitfenster gibt es eigentlich nicht mehr. Und die vagen Projektskizzen im Planungsverband Westsachsen reichen schlicht nicht, um stabile Planungsgrundlagen für das jetzt schon Absehbare zu bieten. Und bei der Linksfraktion geht logischerweise die Befürchtung um, dass das abgezweigte Wasser der Weißen Elster dann dem eh schon trockengestellten Leipziger Auensystem fehlen wird.

    Linke: Stadt Leipzig muss beteiligt werden

    „Die Stadt Leipzig muss deswegen an der Planung des Pereser Sees beteiligt werden, um zu verhindern, dass Entscheidungen, die flussaufwärts getroffen werden, flussabwärts die Landschafts- und Naturschutzgebiete des Auwaldes negativ beeinflussen“, schreibt sie deshalb in ihrem Stadtratsantrag.

    „Besonders problematisch sind hierbei die Aussagen von Landrat Henry Graichen (CDU), welcher vor einem vorgezogenen Braunkohleausstieg warnt, da der Tagebaubetreiber ansonsten nicht die nötigen Rücklagen für die Renaturierung aufbringen könne. Der Kohleausstieg ist jedoch keine kommunalpolitische Entscheidung. – Die Stadt und der Landkreis Leipzig tragen die Verantwortung sicherzustellen, dass die Schäden, welche der Tagebaubetreiber hinterlassen hat, auch durch diesen wieder beseitigt werden. Es müssen also zusätzliche Planungsgrundlagen für den Fall eines vorzeitigen Kohleausstieges geschaffen werden, wenn verhindert werden soll, dass die Folgekosten für den Tagebau auf die Allgemeinheit abgewälzt werden.“

    Die Dinge müssen sehr bald geklärt werden

    Ob Stadt und Landkreis ausgerechnet an dieser Stelle retten können, was vielleicht noch zu retten ist, ist eher fraglich. Denn für die Sicherung der Gelder für die Renaturierung der Tagebaue sind die Tagebaubetreiber zuständig. Die haben mit dem sächsischen Oberbergamt eine Vorsorgevereinbarung geschlossen. Doch das stellt sich sehr verschlossen an, wenn Landtagsabgeordnete nachfragen, ob die Gelder nun gesichert sind oder nicht.

    Sind die benötigten 500 Millionen Euro vorhanden, wird die MIBRAG den Tagebau entsprechend renaturieren müssen. Dazu steht sie in der Pflicht. Nur wie sich das in die Planungen der Region Westsachsen einordnet, das muss schon im Planungsverband geklärt werden, und zwar nicht erst irgendwann nach 2030, sondern klugerweise ziemlich bald.

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür. 

    Anzeige
    Werbung

    Mehr zum Thema

    Mehr
      Anzeige
      Werbung

      Topthemen

      1 KOMMENTAR

      1. Lobenswert, ja, das ist eine gute Frage. Prinzipiell stört aber nicht nur der Pereser See irgendwann die Wasserversorgung, sondern schon jetzt stört das gesamte Leipziger Neuseenland (der Pereser See käme ja nur noch dazu). Ich bin nicht sicher, aber nur der Störmthaler See bekommt Wasser aus einer Fernleitung der Mulde, der Zwenkauer und der Cospudener speisen sich schon von der Weißen Elster her, oder? PS: und auch die Muldenauen brauchen Wasser… PPS: Ich meine mal gelesen zu haben, dass Wasser über großen Wasserflächen besonders stark verdunstet, bei Klimawandel sind große künstliche Wasserflächen vermutlich daher auch aus diesem Grunde kontraproduktiv, wir müssen ja das Wasser in der Landschaft halten!

      - Werbung -

      Aktuell auf LZ

      Anzeige
      Anzeige
      Anzeige