Am Montag, 19. Dezember, entschied eine Jury aus Stadtverwaltung und -politik über die Vergabe der Alten Feuerwache Ost in Erbbaurecht. Den Zuschlag erhielt der OSTWACHE Leipzig e. V., der ein Nachbarschaftszentrum in dem großen Gebäudekomplex umsetzen will und schon lange für die kulturelle Nutzung der ehemaligen Feuerwache kämpft. Bereits seit 2015 laufen die Planungen für die Nachnutzung der alten Feuerwache Ost.

Die Branddirektion nutzt das Gebäude seit 2019 nicht mehr und hinterlässt einen großen mehrstöckigen Gebäudekomplex mit Garagen, Turnhalle und einer großen Fahrzeughalle. Der OSTWACHE Leipzig e.V. plant hier ein Nachbarschaftszentrum mit verschiedenen Nutzungen im Gebäude.

Die Fahrzeughalle soll als Gastronomie und Veranstaltungsraum umgebaut werden, der Keller zu Bandproberäumen und in den beiden Obergeschossen wird Platz für verschiedene Initiativen, Beratungsstellen, Werkstätten, Ateliers und Vereine sein.

Ein Senior/-innenbüro und die Nutzung der Sporthalle für verschiedene Sport- und Bewegungsangebote ist ebenfalls geplant. Eine Öffnung der Angebote in die Nachbarschaft und Synergien unter den Nutzer/-innen, sowie mit dem Umfeld der OSTWACHE stehen im Mittelpunkt, teilt der Verein mit.

Dabei war der Kampf um den Zuschlag am Ende sehr nervenaufreibend.

Doch der Plan vom neuen Ort der Begegnung in dem sonst von Kleingärten und Wohnhäusern geprägten Stadtteil hat die Jury überzeugt. Der Verein erhält den Zuschlag, das Gebäude in Erbbaurecht – also für 99 Jahre ohne Kündigungsmöglichkeit – zu übernehmen.

In den kommenden Monaten sollen noch vor Vertragsabschluss Details zu Finanzierung und Bauplanung geklärt werden. Auch hier sind die steigenden Baukosten und Energiepreise eine Herausforderung, der sich der Verein annehmen will.

„Wir sehen den Ausgang der Jurysitzung als vollen Erfolg für die intensive Konzeptarbeit, die wir dieses Jahr mit dem Verein gemacht haben. Wir stehen sicherlich noch vor vielen kleinen und großen Herausforderung, bis wir wirklich in das Gebäude einziehen können, freuen uns aber sehr über die guten Neuigkeiten zum Jahresende und blicken optimistisch in die Zukunft“, erklärt Lina Hurlin, Vorstandsvorsitzende des Vereins.

Beratungen mit dem Liegenschaftsamt und dem Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung zu Fördermöglichkeiten stehen Anfang 2023 an. Bis die großen Tore wieder geöffnet werden, wird es noch eine ganze Weile dauern.

In der Jury saßen unter anderem Vertreter des Stadtrates sowie verschiedener städtischer Ämter, darunter des Liegenschaftsamtes, des Kulturamts sowie des Amts für Wohnungsbau und Stadterneuerung. Der Ostwache Leipzig e.V. konnte dort auch deshalb punkten, weil er sich schon seit 2015 um das Objekt bemüht: Er veranstaltet regelmäßig kulturelle Events in der „Alten Feuerwache“ und hat das über lange Zeit leerstehende Gebäude so bereits wiederbelebt. Mit der Juryentscheidung beginnt eine sechsmonatige Frist: In dieser Zeit muss der Verein die Finanzplanung mit Banken konkretisieren, Fördermittel einwerben und den Bauantrag vorbereiten. Der Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Leipzig sieht dann eine Laufzeit von 99 Jahren vor.

Das früher als Feuerwache genutzte Gebäude wurde 1937 errichtet. Es liegt direkt am östlichen S-Bahnbogen, der durch den Bau des Citytunnels stillgelegt wurde, und nun als „Parkbogen Ost“ in ein grünes Aktivband mit Fuß- und Radwegen entwickelt werden soll.

Das Konzeptverfahren ist Teil der Strategie, die Liegenschaftspolitik der Stadt nachhaltiger zu gestalten. So sollen in der Regel alle Grundstücke, die früher zum Verkauf gestanden hätten, im Bestand der Stadt verbleiben und im Erbbaurecht vergeben werden. Weitere Informationen gibt es unter: www.leipzig.de/konzeptverfahren.

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