Das SachsenBarometer 2017 der sächsischen CDU-Fraktion, Teil 3

Bei jungen Sachsen wurde der Informationskanal Fernsehen längst vom Internet als Informationsquelle abgelöst

Für alle LeserIn ihrem „SachsenBarometer“ hat die sächsische CDU-Fraktion durchaus auch ein Thema abfragen lassen, das die Frage umreißt: Wie und wo informieren sich die Bewohner des Freistaats eigentlich über Politik? Wer ist also letztlich dafür verantwortlich, wie gut oder schlecht informiert die Bürger in Sachsen sind? Die schlechte Nachricht für „Bild“ und Freunde: Boulevardpresse scheint nicht zu den gefragten Medien zu gehören.

Wobei ich das bezweifle. Das Problem ist auch hier die Ausschließlichkeit der Fragestellung: „Aus welchen Medien beziehen Sie hauptsächlich Ihre Informationen über das politische Geschehen in Sachsen?“, hat Dimap gefragt. Ganz ähnlich hat man auch bei einer bundesweiten Umfrage im Dezember 2016 für den WDR gefragt. Logische Folge: Die Befragten nennen nur ein Medium, auch wenn sie zwei, drei oder vier nutzen. Was ja die jährlichen ARD-ZDF-Online-Monitore jedes Mal bestätigen: Die Leute sitzen sechs Stunden vorm Fernseher, hören eine Stunde Radio oder länger, sind drei Stunden im Internet unterwegs und lesen ein paar Minuten lang auch noch Zeitung. Manchmal bunt durcheinander.

Dass das Fernsehen die wirkliche Meinungsmacht in Deutschland hat, bestätigen entsprechende Erhebungen des Bayerischen Rundfunks immer wieder. Da ist es zwar schön für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, wenn er hier mit 30 Prozent der Nennungen (Deutschland: 34 Prozent) vorn liegt und das Privatfernsehen mit 6 Prozent (deutschlandweit 5 Prozent) scheinbar abschmiert. Aber Meinung wird nicht durch die paar Nachrichten gemacht, die meistens in Konkurrenz zueinander ausgestrahlt werden, sondern durch das ganze Programm.

Tageszeitungen liegen mit 24 Prozent (Deutschland: 30 Prozent) erstaunlich dicht dahinter, obwohl sie nachweislich deutlich weniger Zeit abbekommen von den Nutzern.

Und eine Menge Leute scheint sich tatsächlich MDR-Nachrichten im Radio anzuhören: 11 Prozent, wenn man der Befragung glauben darf.

Nur „das Internet“ schiebt sich mit 24 Prozent dazwischen. Was freilich den ersten markanten Unterschied zur bundesweiten Mediennutzung aufzeigt, denn da steht „das Internet“ nur bei 16 Prozent der Befragten als Informationsmedium ganz vorn. Heißt im Klartext: Deutlich mehr Sachsen holen sich ihre Informationen zur Landespolitik aus „dem Internet“ und das geht zulasten des MDR, der möglicherweise eben doch viel zu wenig berichtet über Politik in Sachsen.

Nur 2 Prozent der Sachsen geben an, dass „Soziale Medien“ wie Facebook ihre Hauptinformationsquelle ist. Was schon verblüfft. Informieren sich die Sachsen dann also doch zuerst in den seriöseren Medien und gehen dann zum Diskutieren in die „social media“?

Was ja mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit noch weiter konkretisiert wird. Das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen steht mit 80 Prozent Glaubwürdigkeit an der Spitze der Liste, die Tageszeitungen kommen nach wie vor auf respektable 75 Prozent. Eindeutig ist es eine kleine, radikale Gruppe, die viel Tamtam um „Lügenpresse“ macht und so tut, als sei sie das Volk, obwohl sie über 18 Prozent der Bevölkerung eindeutig nicht hinauskommt. Liest diese Gruppe dann eifrig Boulevardpresse, die immerhin 15 Prozent der Sachsen als glaubwürdig erscheint?

Selbst „das Internet allgemein“ hat mit 41 Prozent Glaubwürdigkeit einen deutlich höheren Wert. Was viel ist, wenn man bedenkt, wie viel verrücktes Zeug neben seriösen Nachrichtenseiten im Internet noch zu finden ist.

Die „social media“ schaffen übrigens auch nur 17 Prozent Glaubwürdigkeit. Auch wenn sich da etwas durchaus Beachtenswertes auftut, denn bei den 18- bis 29-jährigen wird die Glaubwürdigkeit von Facebook, Twitter & Co. mit 36 Prozent deutlich höher eingeschätzt.

Was durchaus Unterschiedliches bedeuten kann – zum Beispiel eine höhere Kompetenz junger Menschen im Umgang mit „dem Internet“. Denn 61 Prozent der jungen Leute nutzen das Netz als Hauptinformationsquelle, Fernsehen und Tageszeitung haben bei ihnen nur noch halbierte Nutzungswerte.

Das ist die Zukunft in Sachsen. Die jungen Leute wachsen mit Smartphone und Internet auf. Für sie ist es selbstverständlich, sich online alles zu besorgen. Auch die wichtigsten Nachrichten.

Ob sie die auch bekommen, ist eine andere Frage. Aber ohne Grund wird sich die CDU-Fraktion danach nicht erkundigt haben. Wer die jungen Wähler erreichen möchte, kommt um das Internet nicht herum. Dumm nur, dass es so groß ist und sich gerade die „social media“ so auffällig als Disruptions-Werkzeuge erwiesen haben, die auch die klassischen Medien zunehmend abschneiden. Wie wird politische Diskussion erst aussehen, wenn Mark Zuckerberg seine Ziele erreicht hat? Ich fürchte, es wird dem demokratischen Pluralismus gar nicht guttun. Diese Fragen im SachsenBarometer waren also vollauf berechtigt. Jetzt muss man sich was einfallen lassen, wie man politische Diskussionen organisiert, ohne sich dem Diktat der Internetgiganten auszusetzen.

Das SachsenBarometer der CDU-Fraktion.

Die neue LZ Nr. 48 ist da: Zwischen Weiterso, Mut zum Wolf und der Frage nach der Zukunft der Demokratie

Social MediaFacebookMedienUmfrageÖffentlich-rechtlicher Rundfunk
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Landwirtschaft in der Krise: Warum in Indien sichtbar wird, was wir in Europa nicht wahrnehmen können
Vandana Shiva, Lionel Astruc: Eine andere Welt ist möglich. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserWahrscheinlich muss man wirklich in einem Land wie Indien leben, um die Dinge klarer zu sehen, in all ihrer Nacktheit. Aus dem noch immer im Konsumwohlstand lebenden Westen heraus ist das fast unmöglich. Nicht nur das billige Nahrungsangebot macht uns blind. Wir sehen nicht mehr, wie auch unsere Nahrungsgrundlage zerstört wird, wenn wir so weitermachen. Das Buch ist mehr als ein Aufruf zum Ungehorsam.
Union Berlin vs. RB Leipzig 0:4 – Rasenballer lassen Bundesliga-Neuling keine Chance
Freude nach dem Treffer von Nkunku in der 69. Minute. Foto: Gepa Pictures

Foto: Gepa Pictures

Für alle Leser15 Minuten dauerte der „Stimmungsboykott“ der Union-Fans gegen das „Konstrukt“ aus Leipzig – und 15 Minuten dauerte es auch, bis die Gäste für den ersten Stimmungskiller sorgten und in Führung gingen. Am Ende folgten drei weitere Tore. Union blieb fast über die komplette Dauer ungefährlich. Die Rasenballer starten damit auf dem 2. Platz in die neue Saison.
Rückblende 2018: Der deutsche Preis für politische Fotografie und Karikatur
Sieger des Fotopreises „Rückblende 2018“. Foto: Daniel Chatard

Foto: Daniel Chatard

Für alle LeserAlle Jahre wieder gibt es die „Rückblende“, den höchstdotierten gemeinsamen Wettbewerb für politische Karikatur und Fotografie in Deutschland. Er fand jetzt zum 35. Mal statt und am Dienstag, 20. August, wird die zugehörige Ausstellung mit den Preisträgerarbeiten im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig eröffnet.
Nachdenken über … Anstand im Staatsdienst
Ist der Mensch das Maß aller Dinge oder ist es die Macht? Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist schon erstaunlich, woran in diesem Jahr alles nicht erinnert wird. Neben einigen Staatsgründungen ist das auch ein Jahr, das Demokraten zumindest etwas sagen sollte: das Jahr 1819, das Jahr, in dem die „Karlsbader Beschlüsse“ gefasst wurden und die Demagogenverfolgungen begannen. Aber so etwas ist ja gepflegte deutsche Tradition.
Kann man mit Insektenbiomasse Futtermittel und Erdölprodukte in der Industrie ersetzen?
Schwarze Soldatenfliegen bei der Paarung. Foto: Hermetia Baruth GmbH

Foto: Hermetia Baruth GmbH

Für alle LeserSind eiweißreiche Insekten die Lösung für die Rohstoffprobleme der Zukunft? Zumindest geht man am Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig davon aus, dass man auch so eine Lösung braucht, wenn das mit der heutigen Art von industrieller Landwirtschaft so weitergeht. Denn dort entstehen Probleme. Nicht nur das stetige Bevölkerungswachstum führt zu einem zunehmenden Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln.
Für 5 Millionen Euro soll bis 2021 auch die neue Zwei-Feld-Sporthalle entstehen
Die alte Sporthalle der 3. Grundschule an der Arthur-Hoffmann-Straße. Foto. Ralf Julke

Foto. Ralf Julke

Für alle LeserIm Frühjahr wurde die gründlich sanierte 3. Grundschule in der Südvorstadt wieder von Schülern und Lehrern in Nutzung genommen. Fast vergessen die Zeit vor 15 Jahren, als der alte Plattenbau sogar zum Abriss gedacht war. Was jetzt wirklich abgerissen wird, ist die alte Sporthalle. Sie soll einer deutlich größeren Zwei-Feld-Sporthalle weichen.
Eine Lichtsatzung für Leipzig ist rechtlich nicht möglich, aber einen Lichtmasterplan soll es geben
Georg-Schumann-Straße bei Nacht. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDas Insektensterben, das wir weltweit erleben, hat viele Ursachen. Auch die immense Flutung der modernen Städte und Straßen mit Unmengen von Licht gehört dazu. Selbst Menschen kommen aus dem Rhythmus, wenn es in ihrer Stadt nie dunkel wird. Lichtverschmutzung nennt man das Phänomen. Und selbst private Hausbesitzer rüsten ihre Häuser mit blendenden LED-Lampen auf. Leipzig braucht eine Lichtsatzung! Nö, sagt die Stadt zu einem Antrag von Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann (Piraten).
Child in Time: Josef Haslingers Spurensuche in den Erinnerungswelten seiner Jugend
Josef Haslinger: Child in Time. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserEs ist mutig, was Michael Faber mit dem Neustart des Verlags Faber & Faber unternommen hat. In einer Zeit, da immer mehr Menschen sich im Geschnatter der neuen Medien verlieren, bringt er wieder Bücher für Bücherfreunde heraus. Bücher für Menschen, die wissen, dass Zeit etwas sehr Variables ist. Ein Ort zum Aufblättern. Bei Haslinger sowieso.
Protest in der Leipziger Innenstadt: Jugendliche wollen wählen dürfen
Jugendliche mit verklebten Mündern fordern ein Wahlrecht für Menschen unter 18. Foto: Tobias Möritz

Foto: Tobias Möritz

Für alle LeserWer einmal im Jahr die Tagesschau guckt und sich ansonsten nicht für Politik interessiert, darf in Sachsen wählen. Wer regelmäßig bei „Fridays for Future“ demonstriert und das politische Geschehen verfolgt, aber minderjährig ist, darf es nicht. Das wirkt ungerecht. Rund 40 Jugendliche sind am Samstag, den 17. August, in Leipzig auf die Straße gegangen, um ein Wahlrecht für Menschen unter 18 Jahren zu fordern.
SPD-Fraktion fordert die Schaffung eines Radschnellwegs von Lindenau in die Innenstadt
Der Unfallschwerpunkt Cottaweg / Jahnallee. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSeit eine ganze Reihe schwerer Unfälle mit Radfahrer/-innen in der Inneren Jahnallee auch die Verkehrsunfallkommission auf den Plan gerufen hat, reißen die Forderungen, auf der Jahnallee endlich sichere Radwege anzulegen, nicht ab. Regelmäßig gibt es Aktionen für dieses Anliegen in der Straße. Aber längst ist auch klar: Das Problem beschränkt sich nicht nur auf den Abschnitt zwischen Waldplatz und Leibnizstraße. Die SPD-Fraktion fordert eine Komplett-Lösung.
Jetzt hofft das Bündnis „Gemeinschaftsschule in Sachsen“ auf eine Mehrheit für die Gemeinschaftsschule im Landtag
Dr. Matthias Rößler und Doreen Taubert, Vertrauensperson des Volksantrags „Längeres gemeinsames Lernen in Sachsen“. Foto: Bündnis „Gemeinschaftsschule in Sachsen“

Foto: Bündnis „Gemeinschaftsschule in Sachsen“

Für alle LeserSeit dem Volksbegehren zum Sparkassenentscheid vor über 15 Jahren gab es keine so erfolgreiche Unterschriftensammlung mehr in Sachsen wie jetzt für den Volksantrag des Bündnisses „Gemeinschaftsschule in Sachsen – Länger gemeinsam Lernen“, das am Freitag, 16. August, insgesamt 133 Aktenordner mit 12.298 Unterschriftenbögen für den Volksantrag an den Präsidenten des Sächsischen Landtages, Dr. Matthias Rößler, übergab.
Dunja Hayali: Auf Tour durch’s Haymatland – Lesung am 5. Oktober im Kupfersaal
Foto: Jennifer Fey

Foto: Jennifer Fey

Dunja Hayali, geboren in Datteln als Tochter irakischer Eltern, präsentiert seit 2010 als Hauptmoderatorin das ZDF morgenmagazin, zuvor war sie Co-Moderatorin in heute journal und heute. Seit 2015 moderiert sie zudem das Talk-Magazin dunja hayali sowie seit 2018 das ZDF sportstudio. Sie unterstützt den Verein Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland, ist Mitglied im Aufsichtsrat von Save the children und engagiert sie sich für VITA e.V., der Menschen mit körperlicher Behinderung mit Assistenzhunden zu mehr Unabhängigkeit und Lebensqualität verhilft.
Wochenprogramm Cinémathèque Leipzig vom 22. bis 28. August
Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

Neben MID90s, Jonah Hills wunderbar nostalgischer Hommage an die 90er-Jahre, zeigen wir gemeinsam mit dem AK Geschichtsversessen einen Dokumentarfilm über die militante Frauengruppe „Rote Zora“. Die Filmvorführung wird von einer Einführung durch den AK Geschichtsversessen begleitet.
Am 30. August in der Moritzbastei: Nick Cave Live Drawing Concert
Moritzbastei. Foto: Alexander Böhm

Foto: Alexander Böhm

Reinhard Kleist gehört zu den international bekanntesten deutschen Comic-Autoren. Seine graphic novels wurden in viele Sprachen übersetzt, besonders seine gezeichneten Biographien von Johnny Cash, den jüdischen Boxer Herzko Haft oder die Leichtathletin Samia Yusuf Omar, die auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrank, erhielten neben großer Aufmerksamkeit auch viele renommierte Preise.
Unternehmen des ostdeutschen Maschinenbaus kritisieren: Das Problem der nicht ausbildbaren Schulabgänger nimmt wieder zu
Gründe für die Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen. Grafik: VDMA Ost

Grafik: VDMA Ost

Für alle LeserVielleicht war es Zufall, dass die ostdeutschen Maschinenbauer am Donnerstag, 15. August, parallel zum „Bildungsmonitor“ der INSM ihre Meldung zum Start des neuen Ausbildungsjahres veröffentlichten. Denn während die INSM beklagte, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss sei wieder gestiegen und den Freistaat Sachsen mal wieder als Klassenprimus lobte, stellten die Maschinenbauer etwas anderes fest: Viele Schulabgänger mit Zeugnis sind gar nicht ausbildbar. Ihnen fehlt das wichtigste Rüstzeug.