Bei jungen Sachsen wurde der Informationskanal Fernsehen längst vom Internet als Informationsquelle abgelöst

Für alle LeserIn ihrem „SachsenBarometer“ hat die sächsische CDU-Fraktion durchaus auch ein Thema abfragen lassen, das die Frage umreißt: Wie und wo informieren sich die Bewohner des Freistaats eigentlich über Politik? Wer ist also letztlich dafür verantwortlich, wie gut oder schlecht informiert die Bürger in Sachsen sind? Die schlechte Nachricht für „Bild“ und Freunde: Boulevardpresse scheint nicht zu den gefragten Medien zu gehören.

Wobei ich das bezweifle. Das Problem ist auch hier die Ausschließlichkeit der Fragestellung: „Aus welchen Medien beziehen Sie hauptsächlich Ihre Informationen über das politische Geschehen in Sachsen?“, hat Dimap gefragt. Ganz ähnlich hat man auch bei einer bundesweiten Umfrage im Dezember 2016 für den WDR gefragt. Logische Folge: Die Befragten nennen nur ein Medium, auch wenn sie zwei, drei oder vier nutzen. Was ja die jährlichen ARD-ZDF-Online-Monitore jedes Mal bestätigen: Die Leute sitzen sechs Stunden vorm Fernseher, hören eine Stunde Radio oder länger, sind drei Stunden im Internet unterwegs und lesen ein paar Minuten lang auch noch Zeitung. Manchmal bunt durcheinander.

Dass das Fernsehen die wirkliche Meinungsmacht in Deutschland hat, bestätigen entsprechende Erhebungen des Bayerischen Rundfunks immer wieder. Da ist es zwar schön für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, wenn er hier mit 30 Prozent der Nennungen (Deutschland: 34 Prozent) vorn liegt und das Privatfernsehen mit 6 Prozent (deutschlandweit 5 Prozent) scheinbar abschmiert. Aber Meinung wird nicht durch die paar Nachrichten gemacht, die meistens in Konkurrenz zueinander ausgestrahlt werden, sondern durch das ganze Programm.

Tageszeitungen liegen mit 24 Prozent (Deutschland: 30 Prozent) erstaunlich dicht dahinter, obwohl sie nachweislich deutlich weniger Zeit abbekommen von den Nutzern.

Und eine Menge Leute scheint sich tatsächlich MDR-Nachrichten im Radio anzuhören: 11 Prozent, wenn man der Befragung glauben darf.

Nur „das Internet“ schiebt sich mit 24 Prozent dazwischen. Was freilich den ersten markanten Unterschied zur bundesweiten Mediennutzung aufzeigt, denn da steht „das Internet“ nur bei 16 Prozent der Befragten als Informationsmedium ganz vorn. Heißt im Klartext: Deutlich mehr Sachsen holen sich ihre Informationen zur Landespolitik aus „dem Internet“ und das geht zulasten des MDR, der möglicherweise eben doch viel zu wenig berichtet über Politik in Sachsen.

Nur 2 Prozent der Sachsen geben an, dass „Soziale Medien“ wie Facebook ihre Hauptinformationsquelle ist. Was schon verblüfft. Informieren sich die Sachsen dann also doch zuerst in den seriöseren Medien und gehen dann zum Diskutieren in die „social media“?

Was ja mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit noch weiter konkretisiert wird. Das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen steht mit 80 Prozent Glaubwürdigkeit an der Spitze der Liste, die Tageszeitungen kommen nach wie vor auf respektable 75 Prozent. Eindeutig ist es eine kleine, radikale Gruppe, die viel Tamtam um „Lügenpresse“ macht und so tut, als sei sie das Volk, obwohl sie über 18 Prozent der Bevölkerung eindeutig nicht hinauskommt. Liest diese Gruppe dann eifrig Boulevardpresse, die immerhin 15 Prozent der Sachsen als glaubwürdig erscheint?

Selbst „das Internet allgemein“ hat mit 41 Prozent Glaubwürdigkeit einen deutlich höheren Wert. Was viel ist, wenn man bedenkt, wie viel verrücktes Zeug neben seriösen Nachrichtenseiten im Internet noch zu finden ist.

Die „social media“ schaffen übrigens auch nur 17 Prozent Glaubwürdigkeit. Auch wenn sich da etwas durchaus Beachtenswertes auftut, denn bei den 18- bis 29-jährigen wird die Glaubwürdigkeit von Facebook, Twitter & Co. mit 36 Prozent deutlich höher eingeschätzt.

Was durchaus Unterschiedliches bedeuten kann – zum Beispiel eine höhere Kompetenz junger Menschen im Umgang mit „dem Internet“. Denn 61 Prozent der jungen Leute nutzen das Netz als Hauptinformationsquelle, Fernsehen und Tageszeitung haben bei ihnen nur noch halbierte Nutzungswerte.

Das ist die Zukunft in Sachsen. Die jungen Leute wachsen mit Smartphone und Internet auf. Für sie ist es selbstverständlich, sich online alles zu besorgen. Auch die wichtigsten Nachrichten.

Ob sie die auch bekommen, ist eine andere Frage. Aber ohne Grund wird sich die CDU-Fraktion danach nicht erkundigt haben. Wer die jungen Wähler erreichen möchte, kommt um das Internet nicht herum. Dumm nur, dass es so groß ist und sich gerade die „social media“ so auffällig als Disruptions-Werkzeuge erwiesen haben, die auch die klassischen Medien zunehmend abschneiden. Wie wird politische Diskussion erst aussehen, wenn Mark Zuckerberg seine Ziele erreicht hat? Ich fürchte, es wird dem demokratischen Pluralismus gar nicht guttun. Diese Fragen im SachsenBarometer waren also vollauf berechtigt. Jetzt muss man sich was einfallen lassen, wie man politische Diskussionen organisiert, ohne sich dem Diktat der Internetgiganten auszusetzen.

Das SachsenBarometer der CDU-Fraktion.

Die neue LZ Nr. 48 ist da: Zwischen Weiterso, Mut zum Wolf und der Frage nach der Zukunft der Demokratie

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