Am heutigen 7. September ist der Internationale Tag der sauberen Luft für einen blauen Himmel. Eine Gelegenheit, die das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) schon am Montag dazu nutzte, den Jahresbericht zur Luftqualität für 2020 zu veröffentlichen. Immerhin zeigt der recht deutlich, wie Corona das Verkehrsgeschehen beeinflusste und damit die Luftqualität verbesserte.

Die coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben sich tatsächlich auf die Luftqualität in Sachsen ausgewirkt und diese weiter verbessert. Während des ersten Corona-Lockdowns im Jahr 2020 wurde in Dresden knapp 30 Prozent weniger Stickstoffdioxid in der Luft ermittelt. Das geht aus dem Jahresbericht zur Luftqualität hervor, den das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) am Montag veröffentlicht hat. In Leipzig war der Effekt ganz ähnlich.Bei der Auswertung der Dresdner Daten zeigte sich zunächst, dass die Stickoxidkonzentrationen während des ersten Corona-Lockdowns vom 23. März bis 31. Mai 2020 weniger stark zurückgegangen waren als die ruhige Verkehrslage hätte vermuten lassen. Grund hierfür war die zu dieser Zeit herrschende Wetterlage, die vergleichsweise hohe Stickoxidwerte an den Luftmessstationen begünstigt hat.

Um die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Luftqualität bewerten zu können, wurde der Einfluss des Wetters auf die Stickoxidwerte herausgerechnet. Dabei wurde deutlich, dass die Stickstoffdioxidkonzentrationen in Dresden in der Zeit des ersten Lockdowns im Vergleich zu einer simulierten Situation ohne Lockdown um knapp 30 Prozent gesunken sind. Während des zweiten Lockdowns im Zeitraum vom 14. Dezember 2020 bis 29. Januar 2021 fielen die Auswirkungen auf die Luftqualität mit 23 Prozent weniger Stickstoffdioxid etwas geringer aus.

Stickoxidmessungen an sächsischen Messstationen 2020. Grafik: Freistaat Sachsen, LfULG
Stickoxidmessungen an sächsischen Messstationen 2020. Grafik: Freistaat Sachsen, LfULG

Der Vergleich der sächsischen Messstationen zeigt freilich auch, dass Leipzig zusammen mit Dresden die höchsten Belastungen an Stickoxid aufweist. Doch mit 28 Mikrogramm je Kubikmeter blieb auch Leipzig deutlich unter dem EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm. Wurde der Grenzwert im Februar 2019 noch gerissen, gab es 2020 keine Grenzwertüberschreitung.

Das LfULG wertet das so:

„Der Rückgang der NO2-Konzentrationen 2020 kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden, deren einzelner Anteil aber nicht in Zahlen oder Prozente gefasst werden kann und auch von Station zu Station variiert: günstige meteorologische Bedingungen, Wirkung von Maßnahmen aus den Luftreinhalteplänen der Städte (Leipzig, 2019; Dresden, 2019), Reduktion der motorbedingten Verkehrsemissionen u. a. durch Wirksamkeit von Softwareupdates an Fahrzeugen. Hinzu kommt, dass 2020 die NO2-Konzentrationen zusätzlich durch Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie beeinflusst wurden, insbesondere durch einen Rückgang des Verkehrsaufkommens.“

Das heißt: So langsam macht sich auch die Umstellung der Fahrzeugflotten bemerkbar. Und zwar beim NO2 deutlicher als bei Feinstaub, wo es 2020 kaum Unterschiede zum Vorjahr gab.

Feinstaubmessungen an sächsischen Messstationen. Grafik: Freistaat Sachsen, LfULG
Feinstaubmessungen an sächsischen Messstationen. Grafik: Freistaat Sachsen, LfULG

Neben den Daten zur Stickstoffdioxidkonzentration im Jahr 2020 beinhaltet der Jahresbericht zur Luftqualität in Sachsen Analysen zu weiteren Luftschadstoffen wie Feinstaub, Ozon und Schwefeldioxid, zu Sondermessungen von beispielsweise Ruß und ultrafeinen Partikeln sowie zu besonderen Ereignissen wie der Saharastaub-Episode am 27. und 28. März. 2020 hat es in Sachsen keine Grenzwertüberschreitungen gegeben. Damit setzt sich der positive Trend der vorangegangenen Jahre fort.

In den letzten zehn Jahren war ein deutlicher Rückgang der Feinstaub- und Stickoxidkonzentrationen in ganz Sachsen zu beobachten. Nicht eingehalten wurden die Ozon-Zielwerte zum Schutz der Gesundheit und der Vegetation, insbesondere auf dem Erzgebirgskamm. An den Ursachen und Folgen dieser Problematik wird derzeit geforscht, so das LfULG.

Am 7. September ist der Internationale Tag der sauberen Luft für einen blauen Himmel. Er wurde 2020 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um die Bedeutung sauberer Luft hervorzuheben. Der diesjährige Tag steht unter dem Motto: „Gesunde Luft, gesunder Planet“. Damit wird auf die komplexen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf Gesundheit und Klima hingewiesen. Luftschadstoffe wie Ruß oder bodennahes Ozon wirken sich neben ihren gesundheitsschädigenden Eigenschaften als sogenannte kurzlebige klimawirksame Schadstoffe auch auf das Klima aus.

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