Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Leipzig-Halle-Dessau warnt: Die aktuelle politische Weichenstellung in Deutschland treibe einen Keil in die Gesellschaft. Während die arbeitende Bevölkerung zunehmend „geschröpft“ werde, wachse die Kluft zu den Spitzenverdienern unaufhörlich. In Leipzig prallen diese Welten direkt vor der Haustür aufeinander: 106 Einkommensmillionären stehen rund 297.300 Beschäftigte in Handwerk, Industrie und Dienstleistung gegenüber, so die NGG. Das Verhältnis ist sogar noch krasser, denn die Zahl der Einkommensmillionäre in Leipzig wächst von Jahr zu Jahr.

Die Daten der sächsischen Finanzämter aber kleckern in der Regel um Jahre hinterher, weil Steuererklärungen auch erst mit Verzögerung abgegeben werden müssen. Sodass auch die Antworten, welche die Linksfraktion im Sächsischen Landtag jährlich bekommt, nur mit Verzögerung ein Bild für die zurückliegenden Jahre ergeben.

So wie die Antwort vom Mai 2025, die für Leipzig im Jahr 2021 eine Zahl von 105 Einkommensmillionären auswies. Die aber auch bislang nicht die reale Zahl darstellte. In einem Beitrag vom Oktober 2025 wies der MDR für Leipzig im Jahr 2021 sogar schon 125 Einkommensmillionäre aus. Und es ist davon auszugehen, dass diese Zahl auch in den Folgejahren weiter angestiegen ist.

Die NGG Leipzig-Halle-Dessau beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen und der Arbeitsagentur. Aber selbst diese Zahlen zeigen deutlich, wie die Kluft zwischen Reichen und Normalverdienern auch in Leipzig immer weiter aufreißt.

Die Steuerlast ist falsch verteilt

Die NGG Leipzig-Halle-Dessau warnt eindringlich vor einer sozialen Schieflage, die „den gesellschaftlichen Zusammenhalt sprengt“. Während ein Großteil der Bevölkerung Schwierigkeiten habe, trotz Vollzeitjob Miete, Sprit und Lebensmittel zu finanzieren, vermehre eine winzige Elite ihr Vermögen fast mühelos durch Börsengewinne und Dividenden. Die Gesellschaft gerate dadurch immer mehr aus den Fugen, so die NGG Leipzig-Halle-Dessau.

Christian Ullmann, Geschäftsführer der NGG Leipzig-Halle-Dessau, findet deutliche Worte: „Es geht hier nicht um bloßen Neid. Es geht darum, dass die breite Mehrheit die Hauptlast trägt, während Menschen im ‚Gold-Status‘ kaum herangezogen werden. Wenn Arbeitnehmer trotz harter Arbeit abgehängt werden, befeuert das den rechten Rand und gefährdet am Ende sogar unsere Demokratie.“

NGG fordert dringend Kurswechsel

Die Liste der Belastungen für die arbeitende Bevölkerung sei lang und werde durch die aktuelle Politik weiter verschärft: Ein Durchschnittspaar zahle rund 43 Prozent Steuern und Abgaben. Im Gegensatz dazu werden Kapitaleinkünfte oft nur pauschal mit 25 Prozent besteuert.

„Arbeit wird also deutlich härter besteuert als Geldbesitz. Das ist Steuer-Irrsinn“, so Christian Ullmann. Außerdem müsse laut dem Gewerkschafter auch dringend die Erbschaftssteuer reformiert werden. Ullmann weiter: „Es kann nicht sein, dass Erbschaften und Vermögen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens bringen.“

Die NGG fordert von den Bundestagsabgeordneten der Regierungskoalition aus CDU und SPD einen radikalen Kurswechsel. Reformen bei Steuern, Rente und Gesundheit dürften die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter vergrößern. Ein höherer Spitzensteuersatz und eine gerechte Vermögensverteilung dürften keine Tabus mehr sein.

Zusätzlich fordert die NGG Leipzig-Halle-Dessau Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder.

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