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Die CDU Leipzig wählt ihre Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl 2017 + Audios

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    Die Stimmung im Ramada-Hotel am Paunsdorfcenter ist gut. Viele sind gekommen, mit rund 250 Teilnehmern haben sich etwa 25 Prozent aller CDU-Mitglieder des Kreisverbandes Leipzig eingefunden – ein Rekordwert. Gekommen sind viele wegen des Wahlkreises 152, Leipzig Nord – bislang der von Bettina Kudla. Entsprechend der umkämpften Situation bereits im Vorfeld hatte sich mit Godehard Kamps von der Landesdirektion noch ein weiterer Kandidat gefunden. Godehard Kamps, Bettina Kudla, Michael Weickert, Jens Lehmann und – fast vergessen – natürlich Dr. Thomas Feist hatten somit gesamt in den beiden Leipziger Wahlkreisen 152 und 153 ihren Hut für die Position als Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl 2017 in den Ring geworfen.

    Dr. Thomas Feist war dabei ziemlich allein – nicht bei den Themen, aber in seiner Kandidatur im Wahlkreis Leipzig Süd hatte Feist keinen Gegenkandidaten gefunden. Und so freute er sich, dass überhaupt jemand von der Presse bei seinen Ausführungen vorbeischaute. Auf die dennoch folgenden Nachfragen der anwesenden CDU-Mitglieder erklärte der Bundestagsabgeordnete, seinen Wahlkampf wieder darauf auszurichten, den Vereinen und Initiativen im Leipziger Süden vor Ort zuzuhören und für ihre Interessen einzutreten. Spannend wurde es eigentlich nur, als er auf Nachfrage aus seiner Sicht eine Koalitionsfähigkeit der AfD direkt und auch der Grünen (hier eher indirekt) ausschloss.

    Schon vor seiner Wahl trat ein CDU-Mitglied ans Mikrophon und bedankte sich lieber für seine bisherige Arbeit, als eine Frage zur Ausrichtung im Wahlkampf zu stellen.

    Hier schien also alles gelaufen – Saalwechsel, denn nebenan lag Spannung in der Luft.

    „Meine Stimme wird wahrgenommen“, so Bettina Kudla mit Blick auf ihre Arbeit in Berlin und „ich stehe für finanzielle Sicherheit“. Dies also die Hauptargumente der Bundestagsabgeordneten, welche gegen Ende ihrer Kandidatenrede nochmals betonte, es sei egal, wer an ihrer Stelle hier gewählt werden würde – die Erfahrung fehle diesem neuen Bundestagsmitglied dann so oder so. Während ihres Versuches, der bis zum Parteitag laut gewordenen Kritik in der CDU die Spitze zu nehmen, war hier und da im Saal ein gewisses Grummeln nicht zu überhören.

    Mit ihrer Stellungnahme zu den beiden Tweets, bei welcher sich Kudla dann doch verkniff, das Wort „Umvolkung“ nochmals zu nutzen, versuchte sie das jüngste Verhalten gegenüber ihrer Partei zu rechtfertigen. Etwas, was sie bislang auch gegenüber der Presse unterlassen hatte, hier hatte es nur geheißen, die Löschung der Tweets sei genug Entschuldigung gewesen. So erklärte sie nun mit der ihrer Meinung nach falschen Aufarbeitung der schlechten Berliner CDU-Wahlergebnisse durch die CDU den wohl entscheidenden „Umvolkungs-Tweet“. Der Nazisprech hatte zur Verärgerung innerhalb ihrer Partei bis hin in die Fraktionsspitze der bundesdeutschen CDU geführt und auch in Leipzig führten die Ausführungen Kudlas zu wenig Entspannung.

    Die Bevölkerung solle man nicht weiter überfordern beim Thema Asyl und Zuwanderung, so Kudla weiter im Versuch, sich für eine Formulierung zu rechtfertigen, welche in der Leipziger CDU mit dem gleichen Entsetzen aufgenommen worden war, wie in anderen Parteien.

    Die Rede von Bettina Kudla zum Nachhören

     

    Der ehemalige Radprofi Jens Lehmann hatte es da etwas leichter – er konnte auf sein bisheriges Engagement im Stadtrat und im Leipziger Sportverband verweisen und hatte wenig Gegenwind zu befürchten. Sein Kernthema neben sportlicher Betätigung vor allem Altersarmut und die notwendigen Gegenmaßnahmen. Der Applaus am Ende seiner Rede fiel in jedem Fall deutlicher aus, als noch vorab bei Bettina Kudla.

    Jens Lehmann bei seiner Rede. Foto: L-IZ.de
    Jens Lehmann bei seiner Rede. Foto: L-IZ.de

    Die Rede von Jens Lehmann zum Nachhören

     

    Michael Weickert versuchte es erwartbar feuriger als zuvor Lehmann, der auch auf die bereits hinter ihm liegende Stadtrats-Arbeit verweisen konnte: „Ich gebe mich nicht mehr zufrieden mit der Aussage, man müsse Politik nur besser erklären.“, so Weickert. In seiner Rede nannte der (morgen) 27-Jährige dann Stil, Ehre und Anstand als Leitlinien für alle Konservativen. Ein erster Hieb gegen Bettina Kudla durfte da nicht fehlen – auch und gerade in den sozialen Netzwerken gelte dies für CDU-Mitglieder.

    Im Angesicht der derzeitigen Debatten um die „sächsischen Verhältnisse“ stellte Michael Weickert eine „bodenlose Arroganz gegenüber den Sachsen“ fest, welche sich auch darin äußere, dass vermehrt Staatsversagen im Freistaat festgestellt würde – von außen.

    Michael Weickert kurz vor seinem Redebeitrag. Foto: L-IZ
    Michael Weickert kurz vor seinem Redebeitrag. Foto: L-IZ

    „Ich will ihr Vertreter in Berlin und nicht der Berliner Vertreter in meinem Wahlkreis sein“, schloss Weickert mit einem Dank an seine Freundin. Der Applaus war durchaus am lautesten – das Pendel schien in Richtung Weickert auszuschlagen, bevor die große Fragerunde und die anschließende Wahlrunde 1 anstand.

    Die Rede von Michael Weickert zum Nachhören

     

    Währenddessen im Nachbarraum …

    Für Dr. Thomas Feist gab es im Wahlkreis 153 einen ganz klaren Wahlkampfauftrag: 67 Stimmen, was 90,7 Prozent der hier anwesenden CDU-Mitglieder aus dem Leipziger Süden entsprach, entfielen im ersten Wahlgang auf den Bundestagsabgeordneten. Im Nachgang feixen auf dem Gang, ein wenig DDR light lag dann doch in der Luft. Denn es hatte sich bereits im Vorfeld schlicht niemand gefunden, der gegen die innerparteilich als sehr gut wahrgenommene Arbeit Feists mit wirklichen Chancen auf den Listenplatz 1 zur Bundestagswahl 2017 antreten wollte.

    Glatt durchmarschiert und Blumen gabs vom Justizminister Sebastian Gemkow (l.). Thomas Feist. Foto: L-IZ.de
    Glatt durchmarschiert und Blumen gabs vom sächsischen Justizminister Sebastian Gemkow (l.). Thomas Feist. Foto: L-IZ.de

    Ganz anders hingegen die Fragerunde in Saal 1

    Diese geriet mit Nachfragen der Delegierten hier und da fast schon zu kleinen Hinrichtungen, wenn Bettina Kudla direkt angesprochen wurde. Ob sie sich vorstellen könne, sich auch für die AfD zu engagieren, wie gut sie glaube, die Zusammenarbeit zwischen ihr und den CDU-Ortsverbänden gelaufen wäre und was sie eigentlich für Leipzig getan hätte. Dies versuchte die Noch-Bundestagsabgeordnete mit einem Verweis auf die Gegenseitigkeit der Arbeit mit den Ortsverbänden zu kontern – doch es half kaum, das Misstrauen zu besiegen.

    Im Rahmen ihrer Antworten teilte Bettina Kudla nochmals mit, dass sie den Bau der Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde frühzeitig als falsch in Gohlis angesehen und dies deutlich vertreten habe.

    Die vollständige Aussprache der CDU-Mitglieder mit den Kandidaten

     

    Michael Weickert bezog in dieser Frage demonstrativ Gegenpartei und bestand darauf, dass es in Deutschland Religionsfreiheit gebe, eine Haltung, welche auch die anderen Kandidaten teilten. Einig zeigten sich alle Kandidaten darin, dass die Sanktionen gegen Russland entweder nichts gebracht hätten oder man sich in Zurückhaltung bezüglich eventueller Waffenlieferungen an die Ukraine üben müsse. Da sich Godehard Kamps erst am Morgen des 22. Oktobers zu seiner Kandidatur bekannt hatte, kam bei ihm eher die Frage auf, warum er überhaupt antrete. Einige CDU-Mitglieder bekannten am Rande offen, ihn nicht einmal zu kennen.

    Ob er aus Unterstützungsgründen für Bettina Kudla ins Rennen gegangen war, spielte dann bei der Abstimmung keine Rolle mehr. Eine Splittung der Stimmen im ersten Wahlgang – so scheinbar die Hoffnung – könnte die Parteikollegin sicherer in den zweiten Wahlgang bringen. Nichts davon geschah, es wurde ein Debakel für die ehemalige Leipziger Finanzdezernentin.

    Insgesamt waren immerhin 130 CDU-Mitglieder aus dem Wahlkreis 152 gekommen, um den Kandidaten in Leipzig Nord zu wählen. 126 gaben bei der anschließenden Wahl ihre Stimmen ab. Und die erste Überraschung folgte. Von 126 gültigen Stimmen waren 64 notwendig, um im ersten Wahlgang auf 50,1 Prozent zu kommen. Michael Weickert erreichte 41 Stimmen, Jens Lehmann 38 Stimmen und nur 36 Stimmen entfielen auf die Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla. Mit diesen 28,6 Prozent fiel sie bereits in der ersten Wahlrunde durch, während 11 Stimmen an Godehard Kamps gingen.

    Das Abstimmungsergebnis des 1. Wahlgangs

     

    Zur Stichwahl konnten so nur noch die beiden Leipziger Stadträte Jens Lehmann und der damit scheinbar leicht favorisierte Michael Weickert antreten. Während der Wahlgang 2 anlief, umlagerte die Presse Bettina Kudla. Nun gab es nur noch eine Frage zu klären – wird sie in die AfD wechseln? Nach zweimaligem „Sag niemals nie“ gab sie dann doch zu Protokoll, dass sie „mit Leib und Seele CDU“ sei. Eine durchaus schwere Geburt der gescheiterten Kandidatin.

    Der Wahlgang 2, die Stichwahl zwischen Michael Weickert und Jens Lehmann: Nun mutmaßten viele im Raum, die Stimmen, welche vorher noch bei Bettina Kudla und Kambs gebunden waren, würden zum langjährigen Stadtrat Jens Lehmann wechseln. Und genau so geschah es: 63 zu 52 Stimmen ging für Michael Weickert der zweite Wahlgang verloren.

    Oder besser: Mit Jens Lehmann war der Spitzenkandidat Nummer 2 neben Dr. Thomas Feist gefunden. Und ein gewisses Aufatmen konnten sich einige im Saal noch beim Hinausgehen nicht verkneifen. Nur noch sehr wenig konnten sich ernsthaft vorstellen, einen Wahlkampf mit Bettina Kudla an der Spitze durchmachen zu wollen.

    Wenn die Anspannung nachlässt ... neuer Spitzenkandidat der CDU Leipzig im Leipziger Norden. Jens Lehmann. Foto: L-IZ.de
    Wenn die Anspannung nachlässt … neuer Spitzenkandidat der CDU Leipzig im Leipziger Norden. Jens Lehmann. Foto: L-IZ.de

    In eigener Sache – Wir knacken gemeinsam die 250 & kaufen den „Melder“ frei

    https://www.l-iz.de/bildung/medien/2016/10/in-eigener-sache-wir-knacken-gemeinsam-die-250-kaufen-den-melder-frei-154108

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