Streit um den Leipziger Auenwald

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

Für alle Leser„Unter der Oberfläche rumort es“, so ließ der MDR Sachsenspiegel am 20. August seinen Beitrag „Leipziger Auwald: Forstwirtschaft contra Umweltschützer“ ausklingen. Ein Beitrag, der den Streit um den Umgang mit dem Leipziger Auenwald auf den Punkt brachte. Die Protagonisten: Wolfgang Stoiber, Vorsitzender des NuKLA e. V., und Andreas Sickert, der Leipziger Chefförster.

Dass der Beitrag jetzt kam, hat damit zu tun, dass Sickert den neuen Forstwirtschaftsplan 2019/20202 ins Verfahren für den Stadtrat gegeben hat. Der neu gewählte Stadtrat muss entscheiden, ob Sickert weiter wie in den vergangenen Jahren tausende Festmeter Holz aus dem Auenwald schlagen lassen kann und dafür große Löcher in den Waldbestand schlägt – sogenannte Femellöcher, wie zwei seit zwei Jahren auch im Waldgebiet Nonne zu besichtigen sind.

Sickert beharrt dabei auf seinen seit Jahren propagierten Ansatz, als Förster sei er dafür zuständig, die „richtige“ Baumzusammensetzung für den Leipziger Auenwald zu schaffen. Das tut er nicht sensibel, sodass der Wald sich selbst regenerieren kann, sondern durch große Freischläge, auf denen er Dutzende großer alter Bäume fällen lässt, um hinterher ein Feld neuer Jungbäume zu pflanzen – Stieleichen zumeist. Denn das ist, so sagt er, die ökologisch wichtige Baumart im Auenwald. Und dafür müssten große, lichte Flächen in den Wald geschlagen werden. Denn die Eiche brauche viel Licht.

Was nicht nur Stoiber für eine völlig falsch verstandene Waldwirtschaft hält. Dem Leipziger Stadtförster wirft er auch vor, die alten Bäume vor allem aus wirtschaftlichen Gründen zu fällen. Denn während das Fichtenholz aus den gestressten Plantagenwäldern Sachsens nicht mehr absetzbar ist, bekommt man für starke Eichen noch richtig Geld.

Sickert streitet ab, dass es so sei. Und meint auch, seine Art, den Wald mit der Kettensäge umzubauen, sei ein ökologischer Umgang mit diesem Wald. Begründet wird dieser Eingriff immer wieder damit, dass sich gerade Eichen im Auenwald nicht verjüngen würden.

Schützenhilfe bekam Sickert jetzt wieder von Prof. Christian Wirth vom UFZ, der auf dem diesjährigen Auwaldtag über die Waldinventur von 2017 berichtete. Der „Fließtext“ des Projekts „Lebendige Luppe“ fasste seine Aussagen so zusammen: „2017 sind im Rahmen der Waldinventur im Projekt Lebendige Luppe bereits 50 % aller Baumarten in der Strauchschicht Berg- und Spitzahorn. Stieleichen hingegen wurden in dieser Schicht kaum gefunden. Von 9.658 begutachteten Bäumen in der Strauchschicht wurden nur 14 Eichen (von mindestens 50 cm Größe und weniger als 5 cm Durchmesser) vorgefunden, wie Prof. Dr. Christian Wirth auf dem diesjährigen Auwaldtag der Stadt Leipzig berichtete. Dies ist ein wichtiger Hinweis, welche Artenzusammensetzung zukünftig zu finden sein wird, wenn die Entwicklung so weitergeht. Zusätzlich ist es besonders problematisch, da unter den einheimischen Baumarten die Stieleiche die artenreichste Lebensgemeinschaft besitzt. So werden beispielsweise zahlreiche Käferarten, die an Stieleichen zu finden sind, der Roten Liste zugeordnet, weil sie nur noch selten vorkommen.“

Umso seltsamer, dass nicht nur im Leipziger Teil des Auwaldes alte, artenreiche Eichen gefällt werden. Man erhöht den Artenreichtum nicht, indem man ausgerechnet die Bäume aus dem Wald holt, die Träger dieses Artenreichtums sind.

Lichtliebende Konkurrenzpflanze: der Ahorn. Foto: Ralf Julke

Lichtliebende Konkurrenzpflanze: der Ahorn. Foto: Ralf Julke

Und das Argument mit der künftigen Artenzusammensetzung hat auch seine Tücken. Erst recht in der Burgaue, wo 2017 die Jungbäume gezählt wurden. Denn auch dort hat die Abteilung Leipziger Stadtforsten schon mehrere große Femellöcher angelegt. Jeder Fußgänger erkennt sie, weil darauf dicht an dicht Ahornbäume wachsen. Der Ahorn ist nun einmal im trockengelegten Leipziger Auwald der Pionierbaum. Er siedelt sich überall dort an, wo große Löcher in den Wald geschlagen wurden. So kommen auch die riesigen Zahlen von über 4.000 jungen Ahornbäumen in der Burgaue zustande. Dieser Baumnachwuchs erzählt nichts über die Regenerationskraft des Leipziger Auwaldes, sondern zeigt, welche Folgen die menschlichen Eingriffe der jüngeren Zeit haben.

Und dass Ulmen (21,7 %), Eschen (7,5 Prozent) und Hainbuchen (5,5 %) ebenfalls wachsen, ist auch nicht negativ. Im Gegenteil. Diese Bäume gehören zur natürlichen Zusammensetzung hiesiger Wälder. Und es ist überhaupt keine Katastrophe, wenn sich langfristig ein Ulmen-Eschen-Buchen-Wald etabliert.

Dass die Stieleiche einst dominierte, war Menschenwerk. Dieser gerade für den Hausbau, aber auch für die Schweinemast ideale Baum wurde ganz gezielt angepflanzt. Und er vermehrte sich über Jahrhunderte, weil die Waldbewirtschaftung mit weidendem Vieh den Eichenbestand begünstigte. Eine Waldbewirtschaftung, die weder mit Mittelwaldbewirtschaftung noch Femeln imitiert werden kann und die auch vor über 100 Jahren schon endete.

Aber diese Eichendominanz erzählt nichts über natürliche Baumartenzusammensetzung im Auenwald, wie sie vor den intensiven menschlichen Eingriffen bestand. Sie erzählt auch nichts darüber, wie dieser Wald aussehen wird, wenn er wieder Wasser bekommt. Das ist den Mitarbeitern im Projekt „Lebendige Luppe“ nämlich durchaus bewusst: Der Ahorn als trockene Böden liebende Baumart breitet sich eben auch aus, weil der Auenwald trocken steht und der Grundwasserspiegel durch die Kanalbauten vor 100 Jahren drastisch abgesenkt wurde.

Das neu gebaute Nahleauslasswerk - im Vordergrund die Neue Luppe. Foto: Ralf Julke

Das neu gebaute Nahleauslasswerk – im Vordergrund die Neue Luppe. Foto: Ralf Julke

Und der „Fließtext“ betont sehr deutlich, was für Folgen die Regulierungen und die Wasserbelastungen für den Auenwald haben. „Im Leipziger Raum allerdings verbleiben die hohen Abflüsse nicht lange – mehr als 15 Tage sind selten. So geschehen nur fünf Mal in den letzten 45 Jahren. ,Kleine Hochwasserereignisse‘, so die Wissenschaftler, ,sind heute kaum im Gebiet zu spüren‘, da jahrzehntelang der schnelle Abfluss der Hochwasser durch begradigte und eingedeichte Flüsse bzw. Kanäle propagiert wurde.

In natürlichen Auenlandschaften würden eben diese Hochwasserereignisse selbstverständlich auch die Aue erreichen und sich dort ungehindert ausbreiten. Die sogenannten unterjährigen Hochwasserereignisse im Auwald sind es, die fehlen. Denn in der Nordwestaue werden nur Hochwasser über das Nahleauslassbauwerk in die Aue (wasserwirtschaftlich gesehen ein Polder) gelassen, die einem HQ 25 (einem Hochwasser, das statistisch gesehen alle 25 Jahre auftritt) entsprechen oder treten als Druck- bzw. Qualmwasser auf.“

Und statt das Nahleauslassbauwerk zurückbauen zu lassen, hat Leipzig sogar dem Neubau dieses Sperrwerks zugestimmt.

Und noch ein Problem gibt es, warum es so schwer ist, Wasser in den Auenwald zu bekommen: „Ein zweites Problem wird bei der Analyse der Flusswasserpegel und Niederschlagsmessungen des DWD deutlich, wie die Wissenschaftler zeigen konnten: Wenn es im Raum Leipzig viel regnet, wird das Wasser bei extremen Niederschlägen teils ungeklärt in die Flüsse entlassen (sogenanntes Mischwasser). Dieses ungeklärte Wasser kann auf verhältnismäßig wenig Wasser in unseren Flüssen und Gräben treffen, was zu einem Wassergüteproblem vor allem im Sommer führen kann. Alles in allem haben wir es in Leipzig mit einem stark anthropogen überprägten Gewässersystem zu tun, dessen Revitalisierung sehr komplex ist und viele Jahre in Anspruch nehmen wird.“

Gerade der seltsame Umgang des Leipziger Stadtförsters mit dem Waldumbau wird vom 10. bis 12. September Thema in der Alten Börse beim nächsten Auenökologiesymposium, wo es auch einen Beitrag von Peter Wohlleben geben wird, der – als der derzeit bekannteste deutsche Förster – auf den forstwirtschaftlichen Glauben eingehen wird, Förster könnten künstlich Wälder bauen, die ihren Zielvorstellungen entsprechen. In Leipzig sichtlich mit massiven Eingriffen in den mehrfach geschützten Auenwald, gegen die der NuKLA e. V. ja bekanntlich mit einer einstweiligen Verfügung reagiert hat, die – was zu erwarten war – am Leipziger Verwaltungsgericht gescheitert ist.

In Naturschutzfragen haben schon mehrere Vereine ihre negativen Erfahrungen mit den unteren Verwaltungsgerichten gemacht, die in den meisten Fällen pro Verwaltung entscheiden. Was die Vereine fast jedes Mal dazu zwingt, die nächsthöhere Gerichtsinstanz anzurufen, was wieder neue Gerichtskosten verursacht. Oft bekommen sie dann sogar – siehe Waldschlößchenbrücke in Dresden – erst auf höchster Ebene am EU-Gerichshof recht.

Ihnen nutzt die ganze Naturschutzgesetzgebung nichts, wenn zuständige Umweltbehörden sich nicht daran halten und die Umweltverbände regelrecht dazu zwingen, sich beim Anrufen von Gerichten zu verschulden.

Auf der Strecke bleiben dann genau jene Biotope, die durch Naturschutzgesetze eigentlich geschützt werden sollten gegen die Eingriffe von Ämtern und Verwaltungen.

Der NuKLA e. V. wendet sich wieder mit einem Offenen Brief an alle Ratsfraktionen

Hinweis der Redaktion in eigener Sache: Eine steigende Zahl von Artikeln auf unserer L-IZ.de ist leider nicht mehr für alle Leser frei verfügbar. Trotz der hohen Relevanz vieler unter dem Label „Freikäufer“ erscheinender Artikel, Interviews und Betrachtungen in unserem „Leserclub“ (also durch eine Paywall geschützt) können wir diese leider nicht allen online zugänglich machen.

Trotz aller Bemühungen seit nun 15 Jahren und seit 2015 verstärkt haben sich im Rahmen der „Freikäufer“-Kampagne der L-IZ.de nicht genügend Abonnenten gefunden, welche lokalen/regionalen Journalismus und somit auch diese aufwendig vor Ort und meist bei Privatpersonen, Angehörigen, Vereinen, Behörden und in Rechtstexten sowie Statistiken recherchierten Geschichten finanziell unterstützen.

Wir bitten demnach darum, uns weiterhin bei der Erreichung einer nicht-prekären Situation unserer Arbeit zu unterstützen. Und weitere Bekannte und Freunde anzusprechen, es ebenfalls zu tun. Denn eigentlich wollen wir keine „Paywall“, bemühen uns also im Interesse aller, diese zu vermeiden (wieder abzustellen). Auch für diejenigen, die sich einen Beitrag zu unserer Arbeit nicht leisten können und dennoch mehr als Fakenews und Nachrichten-Fastfood über Leipzig und Sachsen im Netz erhalten sollten.

Vielen Dank dafür und in der Hoffnung, dass unser Modell, bei Erreichen von 1.500 Abonnenten oder Abonnentenvereinigungen (ein Zugang/Login ist von mehreren Menschen nutzbar) zu 99 Euro jährlich (8,25 Euro im Monat) allen Lesern frei verfügbare Texte zu präsentieren, aufgehen wird. Von diesem Ziel trennen uns aktuell 500 Abonnenten.

Alle Artikel & Erklärungen zur Aktion Freikäufer“

AuenwaldLebendige Luppe
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 
5 Kommentare


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

GRASSI Unterwegs: Rundgang auf Schloss Schönefeld
Das Schloss Schönefeld. Foto: Schloss Schönefeld e.V.

Foto: Schloss Schönefeld e.V.

Das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig lädt am Sonntag, den 26. Januar 2020, 15 Uhr, zu einem Rundgang auf Schloss Schönefeld ein. Das Schloss ist zugleich ein wichtiger Ort der Leipziger Stadtgeschichte und auch einstiger Wohnsitz einer der großen Förder*innen des Völkerkundemuseums – Baroness Hedwig von Eberstein.
schlicht&ergreifend zeigt: Alles auf Anfang – Das wilde Jahr 1990
Quelle: Cinémathèque Leipzig e.V.

Quelle: Cinémathèque Leipzig e.V.

Drei Jahrzehnte ist es her, dass sich für die Menschen in der DDR durch den Mauerfall alles in ihrem Leben veränderte. Damals beobachtete der Berliner Dokumentarfilmer Peter Wensierski, wie sich Menschen den radikalen Herausforderungen des neuen Lebens stellten, an Orten wie Wismar, Potsdam, Eisenhüttenstadt, Ost-Berlin oder Leipzig, auf dem Land wie in der Großstadt.
Der Tag: Militante Linke und André Poggenburg wollen am Samstag in Leipzig demonstrieren
Er ist (vielleicht) wieder da: André Poggenburg will offenbar erneut in Connewitz demonstrieren. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn Connewitz kehrt keine Ruhe ein. Nach langen Diskussionen über die Silvesternacht gab es am vergangenen Samstag erneut Ärger zwischen Linken und Polizei. Letztere soll Listen mit Fotos bei sich geführt haben. Außerdem hat André Poggenburg für den 25. Januar eine weitere Demo am Linxxnet angekündigt. Am selben Tag wollen militante Linke in Leipzig demonstrieren. Die L-IZ fasst zusammen, was am Dienstag, den 21. Januar 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Linksfraktion beantragt tastbare Straßennamensschilder für Leipzig
Straßenschild in der Georg-Schumann-Straße. Foto: Gernot Borris

Foto: Gernot Borris

Für alle LeserWie barrierefrei ist eigentlich die Stadt Leipzig? Selbst als Mensch ohne Behinderungen hat man da so seine Zweifel und regelmäßig schlechte Erfahrungen. Und man hat trotzdem keine Vorstellung, wie es Menschen mit Behinderungen tatsächlich geht. Die Linksfraktion hat jetzt ein ganzes Antragspaket eingereicht, in dem es um die barrierefreie Stadt geht. Zu der es wahrscheinlich noch viele Jahre hin sind, denn der Umbau der Stadt zu richtiger Barrierefreiheit kostet Zeit und Geld.
iDiV-Forscher plädieren für die großflächige Wiederherstellung von Naturlandschaften
Die natürliche Beweidung als ökologischer Prozess hilft unzähligen Arten in halboffenen Landschaften und unterstützt die Schaffung natürlicher Waldlandschaften, die weniger anfällig sind für Brände. Foto: Juan Carolos Muñoz Robredo / Rewilding Europe

Foto: Juan Carolos Muñoz Robredo / Rewilding Europe

Für alle LeserEs sitzt tief in den Köpfen der Menschen: Keinen Ort auf Erden lassen sie unberührt. Alles müssen sie in Besitz nehmen, verwerten, bebauen und der großen kapitalistischen Maschine zum Fraß vorwerfen. Genau diese Denkweise aber führt dazu, dass es für die Artenvielfalt auf der Erde keine Rückzugsräume mehr gibt, dass Monokulturen den Planeten beherrschen und die Erderwärmung immer mehr befeuert wird. Forscher plädieren dafür, endlich wieder große, unberührte Naturlandschaften zuzulassen. Und sie dann auch in Ruhe zu lassen, damit sich die Natur wieder erholen kann.
Ökolöwe kritisiert Pfusch bei der Planung: Kein Platz für Straßenbäume in der Dieskaustraße?
Der Abschnitt vor der Jet-Tankstelle mit eingezeichneten Bäumen auf dem Fußweg. Karte: Stadt Leipzig

Karte: Stadt Leipzig

Für alle LeserZum Jahresende hat das Verkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Leipzig dem Stadtrat die Sanierungspläne für die Dieskaustraße vorgelegt. 2023 soll sie zwischen Adler und der Brückenstraße in Großzschocher komplett umgebaut werden. Im Planungsabschnitt zwischen Arthur-Nagel- und Windorfer Straße freilich wurden Straßenbäume auf dem Papier eingezeichnet, die so nie gepflanzt werden können, kritisiert der Ökolöwe.
Petition soll den Aufruf für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig befeuern
Erinnerungssäule an den Herbst 1989 auf dem Nikolaikirchhof. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMan staunt nur, wie schnell die eben noch turbulenten Ereignisse des politischen Alltags zu archivierter Geschichte werden, abgehakt, fast wieder vergessen und mit einer ganzen Schicht von neuem politischen Herbstlaub überdeckt. So geht es auch der Geschichte um das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal, die nach vielen heftigen Zickzack-Kurven 2014 strandete. Aber selbst der Neustart 2017 mit der Stiftung Friedliche Revolution ist jetzt schon eine kleine Ewigkeit her. Zeit für eine Petition, fand die Stiftung.
Quintus und der Feuerreiter: Wie Quintus Schneefahl das Ende der Republik aus nächster Nähe miterlebt
Thomas Persdorf: Quintus und der Feuerreiter. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie Trilogie ist komplett. Den ersten Band der Lebensgeschichte des Quintus Schneefahl veröffentlichte der in Leipzig geborene Thomas Persdorf, der heute als Autor in Mainz lebt, noch 2013 im Engelsdorfer Verlag in Leipzig. Der begleitete den jungen Journalisten, der heftig mit seiner Epilepsie zu kämpfen hat, bis in die stürmische Nachkriegszeit und in den revolutionären November 1918. Schon das für die heutige deutsche Romanlandschaft etwas Seltenes, dass ein Autor sich tatsächlich wieder in die Wirren der Geschichte stürzt.
Der Tag: Hungerstreik in der JVA? Anstaltsleiter widerspricht Soligruppe
In der JVA soll ein Gefangener in den Hungerstreik getreten sein. Archivfoto: L-IZ.de

Archivfoto: L-IZ.de

Für alle LeserEin kurz nach Silvester in Connewitz festgenommener Mann soll in der Untersuchungshaft in den Hungerstreik getreten sein, die Polizei ermittelt wegen eines Furzes, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen elf weitere „Hells Angels“ wegen Mordes und die Weiße Elster wurde kurzzeitig mit Öl verschmutzt. Die L-IZ fasst zusammen, was am Montag, den 20. Januar 2020, in Leipzig und Sachsen wichtig war.
Vortrag am 21. Januar im Ariowitsch-Haus: „Israel – Volk, Land, Staat, Glaube?“
Das Ariowitsch-Haus, Leipziger Zentrum jüdischer Kultur Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Foto: Ernst-Ulrich Kneitschel

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Basiswissen zum Judentum“ findet am Mittwoch, dem 22. Januar 2020, 18 Uhr, im Ariowitsch-Haus, Hinrichsenstr. 14, statt. Unter dem Titel „Israel – Volk, Land, Staat, Glaube?“ soll der Frage nachgegangen werden, wie die Bezeichnungen Israel und Judentum zusammenhängen.
An wem liegt es, dass der Leipziger Beschluss gegen den Ausbau des Frachtflughafens Leipzig einfach ignoriert wird? + Update
Der Flughafen Leipzig / Halle aus der Vogelperspektive. Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig

Foto: Flughafen Leipzig / Halle, Uwe Schoßig

Für alle LeserNicht nur DHL plant den Ausbau seiner Flugzeugkapazitäten am Flughafen Leipzig/Halle. Auch Volga Dnepr plant einen Ausbau. Und beide können sich sowohl auf Aussagen der sächsischen Staatsregierung verlassen, die einen weiteren Ausbau des Flughafens zum Frachtdrehkreuz befürwortet, als auch auf den Regionalen Planungsverband Westsachsen, in dem Leipzig zwar Mitglied ist, den Flughafenausbau aber keinesfalls zu stoppen in der Lage ist.
Flughafen Leipzig/Halle informiert am 22. Januar in Schkeuditz über die geplante Vorfelderweiterung für DHL
DHL-Flieger auf Abkürzung über Leipziger Stadtgebiet. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserSogar in Halle fanden Veranstaltungen zur geplanten Vorfelderweiterung der DHL am Flughafen Leipzig/Halle statt. In Schkeuditz ist die nächste am 22. Januar angekündigt. Nur die große Stadt Leipzig meidet der Flughafen Leipzig/Halle auffällig. Man profitiert gern vom Ruf der großen Stadt, meidet aber die Begegnung mit den fluglärmbetroffenen Bürgern aus Leipzig. Obwohl die Flottenerweiterung von DHL noch mehr Nachtfluglärm im Leipziger Norden bedeutet.
Naumburg würdigt in diesem Jahr wieder die schönste Frau des Mittelalters
Stifterfigur Uta im Naumburger Dom. Foto: Vereinigte Domstifter, F. Matte

Foto: Vereinigte Domstifter, F. Matte

Für alle Leser Sie ist weltberühmt, diese Uta aus Naumburg. Auch wenn sich zuweilen die Historiker streiten, ob die junge Dame im Naumburger Dom wirklich Uta aus Ballenstedt zeigt, ob der Künstler hier vor 800 Jahren nicht vielleicht etwas durcheinandergebracht hat. Was nichts daran ändert, dass jedes Jahr die Touristenscharen extra wegen ihr nach Naumburg strömen in den Dom, der seit 2018 auch UNESCO Welterbe ist. Und in diesem Jahr werden noch viel mehr Utas kommen.
Warum wird jetzt das alte Gehwegpflaster in der Spinnereistraße ausgetauscht?
Neue Betonplatten (rechts) ersetzen die alten Granitpflastersteine (links) in der Spinnereistraße. Foto: Denzel Pfeiffer

Foto: Denzel Pfeiffer

Für alle LeserEigentlich ist das vor 100 Jahren in Leipzig verlegte Kleinpflaster robust, praktisch unzerstörbar, wenn es nicht Rabauken herausreißen und als Wurfgeschoss benutzen. Aber seit Dezember werden in der Spinnereistraße die alten Pflastersteine entfernt. Eine Baufirma ersetzt das robuste Pflaster, über das jahrzehntelang tausende Arbeiterinnen und Arbeiter der Baumwollspinnerei strömten, durch Betonplatten. Aber die sind doch gar nicht so haltbar? Was ist da los?
Auch von „Im Zauberwald, Teil 2“ hat Andreas Rietschel wieder 800 Exemplare verschenkt
Andreas Rietschel. Foto: privat

Foto: privat

Für alle LeserWährend draußen, in den enthemmten Netzwerken, die Trolle und Zombies Hass, Wut und Beleidigungen verbreiten, hat sich der Leipziger Andi Rietschel schon vor Jahren geschworen, dass er alles tun wird, um Liebe und Zuversicht in der Welt zu verbreiten. Mit Märchen zum Beispiel, die er mit Märchenerzählerstimme einspricht und dann auf CD pressen lässt. Und etliche dieser CDs hat er auch zum jüngsten Weihnachtsfest wieder an Leipziger Kinder und soziale Einrichtungen verschenkt.