Der Tag: Die Polizei hat falsch informiert

Für alle LeserAnders als von der Polizei zu Jahresbeginn behauptet, gab es in der Silvesternacht weder eine Notoperation eines Beamten noch einen Angriff mit einem brennenden Einkaufswagen. Die Diskussionen über das Geschehen gehen also weiter. Unterdessen hat nun endgültig der OBM-Wahlkampf begonnen. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 3. Januar 2020, in Leipzig, Sachsen und darüber hinaus wichtig war.
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Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Christian Lindner, Cem Özdemir, Saskia Esken und viele mehr – die Liste der prominenten Politiker/-innen, die sich zur Silvesternacht in Connewitz geäußert haben, wird immer länger. Auch in den überregionalen Medien spielt das Thema immer noch eine große Rolle.

Das liegt unter anderem an einem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht der taz. Aus „Krankenhauskreisen“ hätten die Autoren erfahren, dass es bei dem angeblich lebensgefährlich verletzten Polizisten keine Notoperation gegeben habe, sondern „nur“ einen „Eingriff an der Ohrmuschel“ unter lokaler Betäubung. „Lebensgefahr oder drohender Gehörverlust hätten nicht bestanden“, schreibt die taz.

Die Polizei hatte in einer ersten Pressemitteilung in der Silvesternacht darüber informiert, dass ein Beamter so schwer verletzt worden sei, „dass er das Bewusstsein verlor und im Krankenhaus notoperiert werden musste“.

Heute sagte Polizeisprecher Andreas Loepki der LVZ, dass der Beamte „dringlichst operiert“ werden musste und dies als „Notfall-OP“ in der Pressestelle „angekommen“ sei. „Es geht hier um eine Wortspielerei, die man offenbar nutzt, um die Glaubwürdigkeit der Polizei und der Berichterstattung in Abrede zu stellen“, so Loepki. Die Polizei habe den Sachverhalt in der Pressemitteilung nicht dramatisieren wollen.

Sprachlich war es dennoch eine Ungenauigkeit, denn unter einer Notoperation wird normalerweise eine lebensbedrohende Situation verstanden. Da sich in den Medien schnell genau dieser Eindruck verfestigt hatte, wäre eine zeitnahe Korrektur beziehungsweise Klarstellung wünschenswert gewesen. Und es war nicht die einzige Ungenauigkeit in der Pressemitteilung.

Mehrmals ungenau formuliert

„Eine Gruppe von Gewalttätern versuchte einen brennenden Einkaufwagen mitten in eine Einheit der Bereitschaftspolizei zu schieben“ heißt es darin. Gestern hieß es seitens des LKA nur noch: „Darüber hinaus wurde ein brennender Einkaufswagen in Richtung der Polizeibeamten geschoben.“

Die L-IZ konnte ein am Connewitzer Kreuz aufgenommenes Video einsehen. Michael Freitag schildert die Situation mit dem Einkaufswagen so: „Ein einzelner Mann schiebt einen brennenden Einkaufswagen etwa fünf Meter übers Connewitzer Kreuz, das Gefährt kommt zum Stehen, kippt um, brennt weiter. Einsatzbeamte sind in dieser Szene mit Blick Richtung Selnecker Straße nicht zu sehen.“

Was in dem Video noch zu sehen war, erfahren Sie hier. Ich habe mir außerdem einige Gedanken darüber gemacht, warum es wichtig ist, Pressemitteilungen der Polizei kritisch zu hinterfragen – hier auf Twitter nachzulesen. Und hier ein Teil der Gedanken zum Wert lokaler Berichterstattung und der Polizei als „beteiligte Partei“ in vielen Geschehen.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) und der sächsische Polizeipräsident Horst Kretzschmar waren heute Mittag zu Besuch in Leipzig. Wöller sagte, dass es sich um einen „vorläufigen Höhepunkt der Gewalt“ handelte – eine in Anbetracht der Ausschreitungen am 12. Dezember 2015 und am 11. Januar 2016 mindestens fragwürdige Aussage.

Mehrere Medien zitierten Kretzschmar anschließend mit der Aussage, dass die Polizei „nie Falschmeldungen verbreiten“ werde – ein Satz, der in Anbetracht der fehlerhaften Öffentlichkeitsarbeit zu Silvester wohl als Falschmeldung bezeichnet werden muss.

OBM-Wahlkampf hat begonnen

Nachdem wenige Minuten nach Silvester bereits gefühlt der Wahlkampf für die OBM-Wahl am 2. Februar begonnen hatte, ist dieser nun auch deutlich sichtbar. Viele Parteien haben bereits Plakate und ähnliche Werbematerialien im Stadtgebiet verteilt. CDU-Kandidat Sebastian Gemkow wirbt beispielsweise für ein „sicheres Leipzig“ und zeigt sich dabei Seite an Seite mit einer Polizistin.

Grünen-Kandidatin Katharina Krefft ist ebenfalls in den Wahlkampf gestartet. Ralf Julke war beim Auftakt auf dem Marktplatz dabei und hat aufgeschrieben, mit welchen Themen sie Amtsinhaber Burkhard Jung (SPD) ablösen möchte.

Zum Schluss noch ein kleiner Blick auf ein anderes Thema, denn Silvester hat ja nicht nur eine Gewaltdebatte hinterlassen, sondern auch allerhand Müll und Feinstaub. Der MDR hat sich im Sendegebiet umgehört.

Für die Feuerwehr in Leipzig war es übrigens eine „ganz normale Silvesternacht“. Das heißt: rund 80 Brände.

Silvester am Kreuz: Die Spirale dreht sich (1)

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