3.7 C
Leipzig
0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Wenn keiner kontrolliert: Autobesitzer parken auch den neu geschaffenen Radstreifen in der Goethestraße zu

Mehr zum Thema

Mehr

    Ein gefährlicher Ort war die Goethestraße für Radfahrer/-innen schon lange. Immer wieder gerieten sie hier in Konflikte mit Autofahrern und Straßenbahnen. Die Westseite war ständig zugeparkt. Und lange schon hatte es die Forderung gegeben, die Straße mit ordentlichen Radfahrstreifen zu versehen. Das passierte dann tatsächlich endlich am 15. September. Eigentlich hätte dort niemand mehr parken dürfen.

    „Der neue Radfahrstreifen mit einer Breite von 1,85 Metern verbessert die Sicherheit für den Radverkehr und soll zugleich den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beschleunigen, da der Radverkehr nun gesichert außerhalb des Schienenbereichs geführt wird. Zudem können Radfahrer an dieser Stelle nicht mehr durch das Öffnen von Autotüren gefährdet werden“, meldete das Verkehrs- und Tiefbauamt. „Auch der City Leipzig Marketing e. V., Interessenvertreter der Leipziger Innenstadtakteure, begrüßt die neue Radverkehrsanlage und damit mehr Sicherheit für Citybesucher.“

    Niemand kann sich also darauf herausreden, dass die Händler nicht hinter solchen Entscheidungen stehen. Aber es ist wie so oft bei Leipziger Radwegen: Am 4.Oktober besah sich L-IZ-Leser Jürgen Jache die Sache in der Mittagszeit. Eigentlich war Sonntag, die Tiefgaragen rund um die Innenstadt gähnend leer. Und trotzdem war die Straßenseite zugeparkt wie in den Zeiten, als hier noch eine Bankfiliale war. Die Kraftfahrer waren also auch nicht „nur mal kurz“ zum Kassenautomaten gegangen. Der dicke SUV in der Mitte der Reihe kam übrigens aus Bielefeld.

    Es ist also nicht nur ein Problem Leipziger Autobesitzer, dass sie Radstreifen immer wieder zuparken, wenn sie meinen, das kontrolliere ja niemand.

    Zugeparkte Westseite der Goethestraße am 4. Oktober. Foto: Jürgen Jache
    Zugeparkte Westseite der Goethestraße am 4. Oktober. Foto: Jürgen Jache

    So wie bis vor kurzem an der Postfiliale in der Richard-Lehmann-Straße, wo ein SPD-Antrag für eine kurzfristige Änderung des Problems gesorgt hat.

    Über die schnelle Reaktion des Verkehrs- und Tiefbauamtes freute sich die SPD-Fraktion zwar. Aber ein Blick in andere Stadtgebiete zeigt, dass sich Autofahrer dort genauso ignorant verhalten. Die Goethestraße ist ja nur ein eklatantes Beispiel.

    Also hat die SPD-Fraktion ihren Antrag noch einmal neu gefasst und begründet das auch: „Die Stadtverwaltung hat aus unserer Sicht die gewünschte Abpollerung des Radfahrstreifens vor der Post in der Richard-Lehmann-Straße sehr schnell umgesetzt und damit einen seit Jahren bestehenden Konfliktbereich entschärft. Ähnliche Gefahrenpotenziale bestehen auch in anderen Teilen der Stadt (z. B. Lindenthaler Straße), wo Radfahrstreifen als Kurzzeitparkplätze genutzt werden, um schnelle Erledigungen in der nahen Post- oder Bankfiliale zu machen. Aus diesem Grund wollen wir die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt vor der Postfiliale in der Richard-Lehmann-Straße nutzen, um auch an anderen, ähnlich gelagerten Stellen mehr Sicherheit zu schaffen.“

    Zwar sieht es so aus, ob einige besonders hartnäckige Autofahrer auch die kleinen Poller in der Richard-Lehmann-Straße noch allzu gern überfahren. Aber vielleicht lautet das Ergebnis der dreimonatigen Beobachtung am Ende auch, dass an solchen Stellen, wo Autobesitzer stur ihren Willen durchzusetzen versuchen, künftig richtige Poller zur Aufstellung kommen und die Radwege zu echten „protected bikelines“ werden, auf denen Radfahrer/-innen tatsächlich einmal respektiert werden.

    Und so lautet der Antrag der SPD-Fraktion nun: „Auf Grundlage der schnellen Umsetzung der Abpollerung des Radfahrstreifens im Bereich Richard-Lehmann-Str./Höhe Postfiliale soll bis Mitte 2021 diese Maßnahme evaluiert und, bei einem erfolgreichen Verlauf, auf andere Bereich in der Stadt angewandt werden, in denen eine sehr ähnliche Konstellation vorliegt. Hinweise von Stadtbezirksbeiräten und Ortschaftsräten sowie aus der Bürgerschaft sollen dabei aktiv aufgenommen werden.“

    Radfahrstreifen in der Richard-Lehmann-Straße: Verkehrs- und Tiefbauamt hatte vor Wildparkern schon fast kapituliert

    Fehlender Wille: Halten, Parken und Abschleppen in Leipzig + Video

    Hinweis der Redaktion in eigener Sache

    Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten unter anderem alle Artikel der LEIPZIGER ZEITUNG aus den letzten Jahren zusätzlich auf L-IZ.de über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall zu entdecken.

    Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

    Vielen Dank dafür.

    Topthemen

    4 KOMMENTARE

    1. Nun wird Dank Corona das Ordnungsamt weiter entlastet, um diesbezügliche Auflagen vermehrt prüfen zu können.

      Was alle Falschparker sicher ausnutzen werden.

    2. Das mit fehlender Ahndung bzw. Kontrolle scheint ein generelles Problem zu sein. Sieht man auch schön, wenn im Quartier im L. Südosten abendlich die Parkplätze ausgehen und dann der Kreuzungsbereich bespaßt wird, mit entsprechender Einschränkung der Sichtachsen und somit Folgen. Keine Konsequenzen.
      Hier in einer Großstadt im Süden ist zwar die Polizei dafür zuständig, aber z.B. seit Wochen aufgestellte feste Halteverbotsschilder an einer kritischen TG-Ausfahrt/Fahrradweg-Schnittstelle werden konstant dauerbeparkt, meist die selben Autos über den ganzen Tag. Ein Hinweis ans zuständige Revier führte dann 2 Tage lang zu vereinzelten Tickets, seit >1 Woche hat man das aber wieder eingestellt. Das Ganze ließe sich mit beparkten Feuerwehrzufahrten sowie Fußwegparkern fortführen und das auf gerade mal 10min Fußweg zw. ÖPNV & Büro. Wo kein Wille ist, ist der motorisierte Verkehr sicher . . .

    3. Das ist ein Regelfall fürs Umsetzen oder Abschleppen. Das weiss auch die Verwaltung, macht es aber nicht. Statt dessen jubelt BM Rosenthal, dass er 3888 (minus 2xx) Feuerwehreinfahrten freigeschleppt hat.

      Das gleiche Szenario beim letzten Klimastreik. An der 8800 (Einsatzdienst) ging keiner ran, also die 8888 (Ordnungstelefon) angerufen. Wenig später schon kamen die zwei Mitarbeiterinnen im Außendienst, die in der Innenstadt patrouillieren. Wenig begeistert – wollten Zettel dranhängen und weitergehen. Es entspann sich eine recht einseitige Diskussion über Regelfall, Behidnerung, Gefährdung, Vorbildcharakter für andere Falschparkende. Von der anderen Seite hiess es, ich könne ja eine Privatanzeige schreiben. Ich meinte, ich könne aber auch eine Dienstaufsicht schreiben. Erst dann blieben beide bis auch der letzte der fünf Falschparkenden wegfuhr.

      Willkommen beim O-Amt Leipzig. Wer bringt den 68 Außendiensleistenden bitte bei, wie sie zu arbeiten haben? Also das würde ich gern rückwirkend und zukünftig wissen.

    4. Wenn das auf die Straße aufgemalte Piktogramm verstellt ist, würde ich als Autofahrer glatt denken, ich sehe einen gut abgetrennten Parkstreifen. So wie ich ihn aus der Karl-Tauchnitz-Straße, Höhe Parkbühne, kenne. Besteht hier vielleicht eine Verwechslungsmöglichkeit?

    - Werbung -

    Aktuell auf LZ