Über die Belastungen aufgrund von Hitze im Wohn- und Arbeitsumfeld der Leipziger informiert jetzt die neue Stadtklimaanalyse auf der Website der Stadt Leipzig. Vorgestellt wurde sie im Leipziger Stadtrat schon im November 2020. Die Daten basieren auf dem Jahr 2019. Aber die Analyse soll ja auch eine Arbeitsgrundlage für die Klimafolgenanpassung der Stadt sein. Denn die drei zurückliegenden Hitzesommer haben schon sehr deutlich gezeigt, wohin die Reise auch für Leipzig geht.

„Über Monate hinweg ausbleibende oder stark reduzierte Niederschläge sowie ein ‚Rekord-Sommer‘ nach dem anderen zeigen deutlich, dass der Klimawandel auch in Deutschland angekommen ist. Insbesondere im städtischen Umfeld ist in den nächsten Jahren mit weiter zunehmenden Hitzebelastungen zu rechnen“, konstatiert Klimabürgermeister Heiko Rosenthal.

„Über die nun vorliegende interaktive Webanwendung können sich die Leipzigerinnen und Leipziger zur Belastungssituation im Wohn- und Arbeitsumfeld informieren und gegebenenfalls besser schützen. Zudem sind die Ergebnisse Grundlage für die Stadtverwaltung, um zielgerichtet Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.“

Peter Wasem, Leiter des Amtes für Umweltschutz und amtierender Leiter des Referates Nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz, sagt dazu: „Die aktuelle Stadtklimaanalyse für Leipzig reiht sich in die bisherigen Untersuchungen des Stadtklimas mit verschiedenen Methoden ein und schreibt sie in einer neuen Qualität fort. Es können nun detaillierte Aussagen zum Mikroklima und insbesondere zum Strömungsfeld getroffen werden. Eine Tag-Analyse zeigt flächendeckend, welcher Hitzebelastung Personen im Freien ausgesetzt sind. Eine Nacht-Analyse stellt das komplexe Wechselspiel zwischen dem stellenweise stark, stellenweise wenig überwärmten Siedlungsgebiet und den Funktionen der ausgleichenden Grünflächen in der Nacht dar.“

Aus der Stadtklimaanalyse abgeleitet werden in der Planungshinweiskarte (PHK) Handlungsoptionen für die Siedlungsflächen aufgezeigt. Die Grünflächen werden entsprechend ihrer Funktion im nächtlichen Ausgleichsprozess und als Erholungsraum tagsüber bewertet.

Die Stadtklimaanalyse soll nun Grundlage verschiedener Aktivitäten der Stadt werden, um die Stadt an die zu erwartenden Klimafolgen besser anzupassen. Das Amt für Umweltschutz nennt die Umsetzung des Fachkonzeptes Freiraum und Umwelt aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) und des Beschlusses zum „10-Punkte-Programm gegen Hitze im Stadtgebiet“.

Dabei geht es um die Reduzierung der Hitzebelastung beispielsweise durch das Sichern und Aufwerten der Freiflächen, die Steuerung von Nachverdichtung oder die zielgerichtete Anlage von sogenannten Pocketparks, also Miniatur-Grünräumen im Wohngebiet.

Mit dieser Untersuchung liegt erstmals ein umfangreicher Datensatz zum Mikroklima, zum Strömungsfeld und zur Hitzebelastung der Menschen in Leipzig vor, der in einer zweiten Phase nun noch weiter analysiert werden soll. Beispielsweise will das Umweltdezernat die Kaltluftprozesse in der Nacht eingehender betrachten. Danach werde man dann besser wissen, welche Ackerflächen rund um Leipzig besonders wertvolle Kaltluftproduktionsflächen für die Stadt sind, wo die abkühlenden Luftmassen entlangströmen können und in welchen Siedlungsbereichen sie letztlich wirken.

Daneben soll dann auch noch ein „klimatischer Sanierungsbereich“ aus bereits kritischen Flächen und weiteren Flächen, die durch Nachverdichtung und Klimawandel besonders gefährdet sind, gebildet werden. Für diesen Bereich werden „spezifische Maßnahmen ausgewiesen, die zur Entlastung der Situation im jeweiligen Fall wirken könnten.“ Einen Zeitpunkt für die Auflistung dieser Maßnahmen nennt das Amt für Umweltschutz noch nicht.

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