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Grüne zur Werbekooperation von DHL und Gewandhaus: Eine zynische Werbebotschaft für Fluglärmbetroffene

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    Früher war es nur eine Unart von Fußballvereinen, die die Namen der Unternehmen, die sie sponserten, auf Trikots und Bandenwerbung knallten. Mittlerweile hat diese Unart auch Kommunen und Kulturinstitutionen erfasst, selbst das Leipziger Gewandhausorchester, das seine beiden größten Sponsoren auch auf der Homepage kräftig bewirbt: die Sparkasse Leipzig und DHL. Aber mit der Werbeaktion zur „kleinen Frachtmusik“ wird es nur noch zynisch, stellt die Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat fest.

    Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Leipziger Stadtrat kritisiert deshalb die aktuelle Werbekampagne von DHL. An dieser Kampagne mit dem Claim „Wir lieben die Kleine Frachtmusik“ ist das Leipziger Gewandhaus auf Grundlage eines Sponsoringvertrags aktiv beteiligt.Doch durch diese Beteiligung mache sich das Gewandhaus mit der Werbebotschaft gemein, die die vom nächtlichen Fluglärm betroffenen Bürger/-innen geradezu provozieren muss, stellt Stadtrat Bert Sander, flughafenpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, fest und fordert eine öffentliche Entschuldigung von allen an dieser Werbekampagne Beteiligten.

    „Es ist nichts dagegen zu sagen, dass das Gewandhaus einen Sponsoring-Vertrag mit DHL eingeht – jedoch nicht um den Preis, dass kulturelle Ansprüche bzw. Standards des respektvollen Umgangs aufgegeben werden. Der Zynismus der DHL-Werbekampagne ‚Wir lieben die Kleine Frachtmusik‘ muss nicht erläutert werden, er ist offensichtlich“, sagt Bert Sander. „Ein Sponsoring-Vertrag bedeutet nicht, dass die Vertragspartner einander willenlos ergeben sind. Anders gesagt: Das Gewandhaus hätte sich angesichts der Inhalte besagter Werbebotschaften gegenüber DHL sperren müssen.“

    Aber zum „Nein“-Sagen braucht man Rückgrat und Unabhängigkeit, die eigentlich im hauptsächlich von der Stadt Leipzig finanzierten Gewandhausorchester gegeben sein müssten. Wenn sich ein kommunales Orchester derart vor den Karren eines Privatunternehmens spannen lässt, erzählt das entweder von Abhängigkeiten, die in dieser Weise inakzeptabel sind und in eine geharnischte Debatte im Stadtrat gehören.

    Oder von einer Verschiebung der Maßstäbe, die die Verantwortlichen blind dafür macht, wer eigentlich die Musik bezahlt in Leipzig. Das ist nämlich nicht DHL.

    „Wir meinen, mindestens eine öffentliche Entschuldigung aller an dieser instinktlosen Werbekampagne Beteiligten ist zu erwarten“, sagt Sander.

    Und eigentlich ist auch eine Stellungnahme der Leipziger Verwaltungsspitze fällig. Denn das vergisst man bei der Aktion beinahe: Dass das Gewandhausorchester ein Eigenbetrieb der Stadt Leipzig ist und damit auch Stadtrat und Bürgern gegenüber verantwortlich. Auch für die Botschaften, die es mit so einer Werbung in die Welt sendet.

    In diesem Fall auch noch einer klimaschädigenden Werbung, denn der nächtliche Frachtflugbetrieb am Flughafen Leipzig/Halle ist nicht nur laut und gesundheitsschädigend, er belastet auch das Klima und kann in dieser Art nicht zukunftsfähig sein. Wer so etwas „liebt“, hat die Mahnungen der Klimakrise einfach nicht verstanden.

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      7 KOMMENTARE

      1. Wenn also unbedingt auf die Verhöhnung der Lärmbetroffenen durch das Gewandhaus bestanden werden soll, gibts dazu auch eine Motivlage?

      2. Als unmittelbar betroffener Anwohner war das Plakat schon sowas wie ein persönlicher Arschtritt durch das Gewandhaus! Wenn die Losung „Wir lieben die kleine ‚Nacht’musik (s. Plakat)!“ keine Verhöhnung darstellen soll, kann es nur bedeuten das Gewandhaus engagiert sich ab jetzt gegen die Südabkurvung!

        Das ist sehr schön, so wird dann die Mehrheit der Einwohner bemerken, dass diese Frachtmenge überhaupt nicht klein ist – und entsprechende Musike macht. So wird dann durch physische Einbeziehung vielleicht auch der Mehrheit der Leipziger klar, was für einen Klima-Saurier es sich das heranzieht.
        Neben der Menge der Fracht, ist der beachtliche Anteil innerdeutscher Flüge pro Nacht hervorzuheben. . Aber das wird ja ausgeglichen durch zertifizierte Bereitstellung von Holz-Kochöfen in der Dritten Welt. Das DHL-Management hat also individuelle Holzbefeuerung in Afrika als klimaneutrale WachstumsStrategie auserkoren!
        Aber sagt da sagt sich ein Gewandhausdirektor [Prof. Andreas Schulz]: „Res severa verum gaudium. Wahre Freude ist eine ernste Sache.“ Also ist das Tutti mit DHL nur Kabarett???

        Da bekommt doch die jährlicher Aufführung der neunten Sinfonie eine ganz andere Deutung!

        „Seid umschlungen Millionen! „:
        Wikipedia: Die Ansiedlung von DHL hat der Freistaat Sachsen mit rund 71 Mio. Euro subventioniert. Die EU-Kommission hat im Juli 2008 eine Garantie des Freistaats Sachsen für den Betrieb des Flughafens Leipzig/Halle in Höhe von 500 Millionen Euro gekippt. Die öffentlichen Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro für die neue Start- und Landebahn Süd des Flughafens stuften die Wettbewerbshüter hingegen als zulässige staatliche Beihilfe ein.
        (PS: wer Sponsert hier eigentlich wen und ist das nicht schon Wirtschaftskriminalität?)

        „Bettler werden Fürstenbrüder“
        Wkipedia: Den weitaus größten Teil der Arbeitnehmer bilden die so genannten Operation Agents und Ramp Agents, die im Verteilzentrum und auf dem Vorfeld arbeiten; sie sind überwiegend während der nächtlichen Flugzeugabfertigungen im Einsatz.
        …Zwar galt ein tarifvertraglich geregelter Stundenlohn von 7,56 Euro, doch die Wochenarbeitszeit der Operation Agents bspw. betrug laut unbefristetem Arbeitsvertrag 22 Stunden. Dies entspricht einem Monatseinkommen von rund 700 Euro. Je nach Bedarf schloss DHL mit den Agents auf wenige Monate befristete Zusatzarbeitsverträge ab, die ein Plus an Arbeitszeit enthalten konnten.

        “ .. wo dein sanfter Flügel weilt.“
        Letzter Satz: DHL verließ einst den Standort bei Brüssel, weil die Auflagen zu steng wurde. Es ging um Lärm!

        Würde mich nicht wundern, wenn dieser Fauxpax das DHL-Gewandhaus in das Blickfeld der Klimaaktivisten gerückt hat.

      3. Manchmal kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Ähnlich wie bei „Schwarzfahren“ schon vereinzelt die Rassismuskeule rausgeholt wird, aus offensichtlichem Unwissen darüber, dass es nicht um eine alte Anlehnung an die Hautfarbe von dunkelhäutigen Menschen geht, kennen hier wohl wieder einige besonders betroffene Menschen nicht das Stück „eine kleine Nachtmusik“ von Mozart.

        „Nachtmusik“ und „Frachtmusik“. Das reimt sich ja! Völlig absurd davon auszugehen, dass sich das Gewandhaus über Lärmbetroffene lustig machen wollte. Was da wieder für ein Fass aufgemacht wird ist der Wahnsinn. Empörung as it’s best.

        Und was gegen das Sponsoring von DHL zu sagen sein soll, ist mir auch unklar. Der Stadtrat darf gern beschließen, das weitere Millionen ins Gewandhaus fließen. Will er das?
        Letztens wurde ja sogar der CSD Leipzig dafür kritisiert, dass er wohl Geld von DHL genommen hätte. Wunderbar, die Auswüchse von „cancel culture“ sind auch in diesem Medium angekommen. Geht bloß nicht mehr zur Post!

      4. >plakatives Denken nutzt da nichts.

        schreibt gerade der Richtige.^^

        Hier bitte:

        >Themen an den Haaren herbeiziehen, das scheint bei den örtlichen Grünen wohl Prinzip.
        Plakativ Nr. 1.

        >Natürlich wird alles und jedes von irgendwelchen Geldgebern gesponsort
        Plakativ Nr. 2

        Die meisten Schulen werden nicht von irgendwelchen Geldgebern gesponsort, sondern nur aus öffentlichen Geldern finanziert. Das schonmal zum Stichpunkt „alles und jedes“ und „irgendwelche Geldgeber“.

        Oder vielleicht im Wörterbuch nachgucken, was ein „Sponsor“ überhaupt ist. Eltern, die ihren (erwachsenen) Kinder das Studium finanzieren, laufen nicht unter „Sponsoren“. So mal als Beispiel.

        >, und daraus ergeben sich Abhängigkeiten, das war schon vor 2000 Jahren so. Panem et circenses.

        Das war und ist eine ganz andere Sache und hat mit Sponsoring null zu tun. Im alten Rom ging es darum, das Volk zu besänftigen und vielleicht auch ein wenig an Gewalt zu gewöhnen, damit es weiterhin Kriege führen kann.

        Für heutzutage reden böse Zungen davon, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk das neue Panem et Circenses darstellt, hier bezahlt aus – naja – „öffentlichen“ Geldern.

        Wenn diese Gelder in Bildung und Kultur flössen, dann sängen alle auf den Dächern fortwährend Halleluja. Dann brauchte das Gewandhausorchester keine fliegenden Pakete mehr, und in den Schulen hätten die Toiletten japanisches Niveau. – Das mal als eine Art Verbindung von Panem et Circenses und Kultur.

        > Das kann man hinterfragen, aber plakatives Denken nutzt da nichts.
        Quod erat demonstrandum.

        Viel Spaß noch beim Plakatieren.

      5. Themen an den Haaren herbeiziehen, das scheint bei den örtlichen Grünen wohl Prinzip.

        Natürlich wird alles und jedes von irgendwelchen Geldgebern gesponsort, und daraus ergeben sich Abhängigkeiten, das war schon vor 2000 Jahren so. Panem et circenses. Das kann man hinterfragen, aber plakatives Denken nutzt da nichts.

      6. André, das Gewandhaus hat noch ganz andere Sponsoren.

        Es ist den deutschen Kulturpolitikern schon für Jahrzehnte zur Schande anzurechnen, dass sie die guten Namen ihrer Institutionen an die Wirtschaft verhökern.

      7. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat haben die Grünen doch allerdings auch ihren Anteil daran, dass es das Gewandhaus finanziell offenbar nötig hat, solche Sponsoringverträge überhaupt eingehen zu müssen.

        Hier versucht man wohl durch lautes Poltern von der eigenen Mitschuld abzulenken.

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