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Nach den Hochwassern im Juli: Wie werden eigentlich die Leipziger/-innen im Katastrophenfall gewarnt?

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    Nach den verheerenden Überflutungen im Juli im Ahrtal, aber auch wieder im Bereich der sächsischen Elbe, wurde natürlich nicht ganz grundlos wieder debattiert, wie die Bevölkerung in Deutschland eigentlich bei Katastrophen gewarnt wird. Sirenen heulen ja in Leipzig schon lange nicht mehr. Wie werden also die Leipziger/-innen gewarnt, wollte die Freibeuter-Fraktion wissen.

    Auf diese Fragen hat jetzt im Wesentlichen die Branddirektion Leipzig geantwortet. Auch auf die nicht so ganz unwichtige Frage, wie all jene Leipzigerinnen und Leipziger gewarnt werden, die nicht über ein Mobilfunkgerät oder gar die richtige Warn-App verfügen.„Die Stadt Leipzig greift zur Verbreitung von Warnungen und Gefahreninformationen unter anderem auf das Modulare Warnsystem des Bundes zurück“, erklärt die Branddirektion. „Grundgedanke des Modularen Warnsystems ist es, dass die Warnungen und Informationen über ein zentrales System an mehrere verschiedene Warnmedien und Warnmittel übertragen werden. Zu diesen Warn­medien und Warnmitteln zählt neben der Warn-App NINA auch der Rundfunk.“

    Aber ganz will sich auch Leipzig nicht darauf verlassen, dass die Warn-App im Katastrophenfall ausreicht.

    „Leipzigerinnen und Leipziger, die nicht über ein Mobilfunkgerät verfügen, werden daher in erster Linie über den Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) gewarnt und informiert“, meint die Branddirektion.

    „Darüber hinaus stützt sich die Warnkonzeption der Stadt Leipzig auf weitere Komponenten: So werden bei kleinräumigen Gefahrenlagen mit Lautsprechern ausgestattete Fahrzeuge der Feuerwehr, von Hilfsorganisationen und der Polizei zum Einsatz gebracht, die – auf der Grundlage vorbereiteter Einsatzpläne – entsprechende Durchsagen verbreiten. Auch die Fahrgastinformationssysteme der LVB und der Bahn AG sind im Warnplan der Stadt Leipzig berücksichtigt.“

    „Sofern anstelle eines Mobilfunkgerätes ein stationärer Internetzugang zur Verfügung steht, können Warnungen und Gefahreninformationen auch über dieses Medium abgerufen werden. Die Branddirektion und das Referat Kommunikation haben ein Verfahren abge­stimmt, wie bei besonderen Gefahrenlagen sofort über die Internetseite der Stadt Leipzig Warninformationen und Verhaltenshinweise veröffentlicht werden können. Rege genutzt werden von der Bevölkerung in derartigen Situationen auch die Twitter- und Facebook-Accounts der Stadt Leipzig, wie sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat.“

    „Wie werden die Leipzigerinnen und Leipziger gewarnt, wenn Mobilfunk und damit auch die digitalen Warnsysteme ausfallen?“, wollten die Freibeuter sogar ganz explizit wissen. Das Vertrauen in die digitalen Warnsysteme ist sichtlich ein bisschen angekratzt.

    Aber die Branddirektion gibt sich zuversichtlich: „Sollten Mobilfunk und auch die digitalen Warnsysteme ausfallen, werden die Leipzigerinnen und Leipziger vorrangig über den Rundfunk (Hörfunk und Fernsehen) gewarnt und informiert. Hinzu kommen die oben genannten Warnmöglichkeiten für kleinräumige Gefahrenlagen.“

    Sachsen beteiligt sich inzwischen ebenfalls am Programm des Bundes für jene  Bundesländer, die mit Förderung des Bundes ihre Sirenensysteme wieder ausbauen wollen. „Durch eine unmittelbare Anbindung des Sirenennetzwerkes an das Modulare Warnsystem ist zukünftig eine zeitgleiche Warnung aller Warnkanäle möglich“, schreibt das Bundesamt dazu und reicht auch rund 88 Millionen Euro an Fördermitteln aus, 4,3 Millionen davon für Sachsen.

    Denn dann werden auch Menschen gewarnt, die nicht ständig an einem der oben aufgezählten Unterhaltungsmedien hängen oder ein Smartphone mit sich herumschleppen oder die App gar nicht drauf haben.

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      1 KOMMENTAR

      1. Bei NINA ist noch ganz viel Luft nach oben, gerade was die kleinräumigen Warnungen angeht.

        Als es für Leipzig Ende August noch einmal relativ ernst wurde und ich am Rhein urlaubte (ich hätte also kurzfristig nach Leipzig zurückkommen können), verlor sich NINA in üblem Beamtendeutsch mit geographischen Allgemeinplätzen und nichtssagenden Warnstufen ohne jede Erläuterung.

        Man musste von selbst wissen, dass betreff Leipzig das Verhalten der Weiße Elster zu beobachten war. Und dann wird fröhlich auf irgendwelche sächsische Hochwasserzentren verlinkt, die auch nichts Genaueskonkretes zu sagen wussten. Nicht einmal eine Einschätzung der Pegelstände entlang der Weißen Elster war zu erhalten: ob sie noch im harmlosen Bereich liegen oder schon erhöht sind usw.

        Auf den Seiten der Stadt Leipzig: Fehlanzeige. Trotz hausgenauer Wassergefahrenkarte (oder wie das heißt). Bloß nichts sagen?

        Ich hatte dann mit meiner Hausnachbarin Kontakt aufgenommen… sie guckte dann im Keller nach…

        Auch bei Corona bleibt NINA ganz bürokratisch unverbindlich. Irgendwelche Infektionsgefahrstufen ohne Erläuterung. Mich hätte das speziell für Köln interessiert, wohin ich einen Tagesausflug geplant hatte. Nix Genaues.

        NINA ist ganz gut programmiert, aber inhaltlich unnütz. Die Behörden wollen offenbar umgotteswillen für keinerlei Gefahrenprognosen in Haftung genommen werden. Die Prognosen könnten ja doch nicht eintreten, und dann wird Mordio und Regress gerufen. Ist das so? Wird dann wirklich nach Regress gerufen? Ich glaube: das dann doch wirklich nicht.

        Was ist denn sonst der Sinn einer Warnung? Darf jetzt erst „gewarnt“ werden, wenn eine Gefahr todsicher eintritt? Dann ist es keine Warnung mehr – da ist im „Wortsinn“ ja schon enthalten, dass die Katastrophe vielleicht nicht oder stark gemildert eintritt.

        Warnung erst, wenn der Tsunami konkret haushoch sichtbar ist und zehn Sekunden später einschlägt? Könnte ja ein Wunder geschehen, und die Monsterwelle zerfließt gerade noch am Sandstrand. Liest sich böse-absurd von mir, aber bei den Katastrophenämtern scheint man wohl so zu denken.

        So wundert es mich – ganz traurig – noch weniger, dass die Menschen im Ahrtal nicht gewarnt wurden. Könnte ja sein, dass das Euopäische Hochwasserzentrum, die schon vier Tage vorher warnte, sich am Abakus doch nur verrechnet hat.

        Deutsche Behörden können es sich nicht vorstellen, dass die Menschheit jahrtausendalte Erfahrungen mit Hochwassern hat und dass es wissenschaftliche Untersuchungen und mathematisch durchwirkte Prognosen auch schon seit ca. zweihundert Jahren gibt. Man erteilt halt Baugenehmigungen für Auengebiete und ist bei Katastrophenwarnungen ganz tiefenentspannt…

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