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Wohin mit der Kippe? Jugendparlament beantragt mehr Entsorgungsmöglichkeiten für Zigarettenreste im öffentlichen Raum

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    Für ältere Menschen, die noch im letzten Jahrhundert groß geworden sind, ist schon eine Menge passiert. Die ganz Alten können sich bestimmt noch daran erinnern, wie selbst im Fernsehen Werbung für das HB-Männchen und den Marlboro-Mann lief. Die Fernsehwerbung fürs Rauchen ist schon seit 1975 verboten, Seit 2006 ist sie auch in Zeitungen und Zeitschriften verboten, seit 2008 in sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln und in Bahnhöfen. Jüngere Menschen – wie die Mitglieder des Leipziger Jugendparlaments – sehen natürlich mit völlig anderem Blick auf das Problem.

    Sie haben ja nicht mehr miterlebt, wie verqualmt und verquarzt selbst Gaststätten einst waren, wo seit 2008 ebenfalls (bis auf ausgewiesene Ausnahmen) nicht mehr geraucht werden darf. Alte Clips mit berühmten Sendungen des Fernsehens zeigen selbst Politiker noch mit dickem Glimmstängel in Diskussionsrunden sitzen.Bilder, die ahnen lassen, wie es noch vor 50 Jahren in vielen öffentlichen Räumen stank und vor allem Männer im Herunterrauchen ihrer Zigaretten und Zigarren eine Art Statuskult zelebrierten, während sich die großen Tabakkonzerne in den Hinterzimmern der Politik erfolgreich dafür einsetzten, dass Deutschland sehr spät auf den Zug der Rauch(werbe)verbote aufstieg (von Aufspringen konnte ja keine Rede sein) und dann trotzdem noch Legislatur um Legislatur trödelte, die Werbung für die Raucherprodukte wirklich komplett einzuschränken.

    Denn an Plakatwänden und Litfaßsäulen wird noch immer geworben – mit denselben falschen Versprechungen wie dereinst –, nur dass jetzt jedes Mal verschämt der Warnhinweis auf die gesundheitlichen Folgen des Rauchens zu sehen ist.

    Aber wirklich verschwunden ist die Belästigung nicht. Im Gegenteil: In vielen Einrichtungen hat sie sich einfach nach draußen verlagert, stehen die Süchtigen vor der Tür und versuchen, sich ihre Ladung Rauch zu inhalieren. Sie rauchen auch beim Gehen auf den Fußwegen, sodass jeder Spaziergang in Leipzig auch eine ordentliche Portion Nikotin für alle enthält.

    Von den Haltestellen der LVB ganz zu schweigen. Dort hat das Jugendparlament das Thema schon mehrfach für den Leipziger Stadtrat thematisiert. Das Wegwerfen von Glimmstängeln kostet längst 50 Euro Strafe.

    Doch wie bekommt man süchtige Menschen dazu, nur noch abgesondert von den mitleidenden Nichtrauchern ihre Zigaretten und Nikotinpfeifen anzuzünden und die abgebrannten Glimmstängel dann nicht einfach vor ihre Füße zu schnipsen, sondern in Sammelbehältern zu entsorgen? Stadt und LVB tun sich schwer, das irgendwie zu organisieren.

    Also beantragt das Jugendparlament jetzt: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, bis zum Ende des Jahres ein Konzept zu erstellen oder etwas Bestehendes zu ergänzen, um eine bessere Entsorgung von Zigarettenresten im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Maßnahmen, die das Konzept einschließen soll, sind:

    1. An jeder Haltestelle der LVB soll ein Aschenbecher zu finden sein. Auf diesen soll mit einem Aufklärungssticker hingewiesen werden. Die Aufklärung zur Nutzung der Aschenbecher soll im Konzept berücksichtigt werden.

    2. Zudem sollten Aschenbecher oder zumindest Entsorgungsmöglichkeiten an öffentlichen Sitzgelegenheiten und verstärkt im Innenstadtbereich, sowie an stark frequentierten Laden- & Einkaufsstraßen und nahe Bürokomplexen zu finden sein.

    3. Die Stadtverwaltung wird zudem beauftragt, den Einsatz von Raucherkabinen im öffentlichen Raum nach skandinavischem Vorbild zu evaluieren.

    Das Konzept ist bis zum IV. Quartal 2021 zu erstellen, die Umsetzung soll bis zum IV. Quartal 2022 erfolgen.“

    Man ahnt schon, wie die am Nikotin Hängenden bei solchen Zukunftsaussichten erschrecken. Aber die jungen Parlamentarier begründen ihr Anliegen recht ausführlich.

    Die Begründung des Antrags des Jugendparlaments

    „Zigarettenreste verunreinigen nicht nur unser Stadtbild und kosten damit täglich wertvolle Gelder unserer Stadt in der Beseitigung dieser, sie stellen auch eine unmittelbare Gefahr für unser Grundwasser und unsere Umwelt dar. Problematisch bei Zigarettenresten sind sowohl Filter, als auch der beinhaltete Tabakrest.

    Die aus Celluloseacetat bestehenden Filter sind zum einen ein schwer abbaubarer Kunststoff, welcher in Wasser gelöst gleichzeitig zu gefährlichem Mikroplastik verfallen kann. Zugleich haben die Tabakreste eines einzigen Zigarettenrestes mit bis zu 4.000 schädlichen Stoffen, darunter dem toxischen Alkaloid Nikotin, das Potenzial, ganze 40 bis 60 Liter Grundwasser zu verunreinigen.

    In dieses gelingt es, gelöst durch Regen ungefiltert ins Oberflächenwasser. Aufgrund der hohen Anzahl der falsch entsorgten Zigarettenreste findet man diese heute überall – sogar im Magen-Darm-Trakt von Fischen, Vögeln, Walen und Meeresschildkröten und Landsäugetieren.

    Umso erfreulicher ist es, dass der Stadtrat 2020 diese Bedrohung für unsere natürliche Lebensgrundlage erkannt hat und das Bußgeld von 50 € für die falsche Entsorgung von Zigarettenresten eingeführt hat.

    Aus der Einführung des Bußgeldes ergibt sich aber auch eine Verantwortung. Die Stadt sollte nun gewährleisten, dass Raucher sich an dieses Bußgeld auch in jedem Fall halten können. So muss sichergestellt werden, dass es auch im öffentlichen Raum adäquate Entsorgungsmöglichkeiten für Zigarettenreste gibt.

    Hier möchten wir darauf einwirken, kreative neue Wege zu implementieren, um unsere schöne Stadt sauber zu halten.

    Das Internet der Dinge (IOT) bietet hier noch viel ungenutztes Potenzial. Aus diesem Grund halten wir es für sinnvoll, die Möglichkeiten der Digitalisierung auch im Bereich der Abfallwirtschaft einmal evaluieren zu lassen.

    Lassen Sie uns gemeinsam unsere Stadt sauber halten.“

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      2 KOMMENTARE

      1. In professionell geführten Großstädten und auch in vielen Kleinstädten sind an den Haltestellen Aschenbecher oder ähnliche Vorrichtungen an den Mülleimern gängiger Standard. Es gibt stellenweise an den Fahrgasthäuschen sogar eigene seitlich überkragende Überdachungen für die Raucher, so dass sie bei Regen auch geschützt quarzen können, ohne die anderen Menschen in Mitraucherschaft zu ziehen.

        Da ist der Boden auch wirklich nahezu kippenfrei – überhaupt kein Vergleich zu dem, was in Leipzig rumliegt. Berlin ist längst sauberer als Leipzig. Längst.

        Ich wundere mich sowieso, weshalb es in Leipzig hingenommen wird, wenn bei Regenfällen die Kippen durch die Gullys in die Kanalisation gelangen. Aber die Stadtreinigung muss ich nicht verstehen. (Übrigens sind die Mülleimer im Lene-Voigt-Park wieder voll…)

        Und was auch gut wäre, wenn die Stadt Leipzig die schöne Idee endlich umsetzen würde, die Kronkorken separat einzusammeln. Ehrlich, ich würde dann im Lene-Voigt-Park die Kronkorken um meinen Liegeplatz herum rauspulen und in so einen Behälter werfen. Wenn das nur einige so machen würden, wäre die Wiese schnell metallfrei. 🙂

        (Ich bin übrigens Nichtraucher. Auch kein Ex-Raucher. Und kein großer Biertrinker. Den 1 Kronkorken klemme ich allein schon als Tropfschutz wieder auf die Bierflasche.)

      2. Meiner Meinung nach der falsche Weg.
        Die Symptome bekämpfen, zu Recht, aber nicht durch Fördermaßnahmen!
        Die Stadt muss nicht die Probleme von Rauchern kompensieren.

        Respekt und Rücksicht miteinander.
        Dazu gehört, dass ich nicht inmitten von anderen Personen rauche.
        Dazu gehört, den Zigarettenrest in einem Abfallbehälter zu entsorgen. Die gibt es, meist auch mit „Zigarettenausdrückmetall“.

        Dazu das Bußgeld auf einen schmerzhaften Wert zu erhöhen.

        Hier separate Aschenbecher zu installieren wäre Öl ins Feuer zu gießen.

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