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Ernste Zeiten bei der PARTEI Leipzig: „Zum Saufen fanden sich immer genug, seit es Arbeit gibt, sitze ich alleine“

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    Marcus Weiss ist raus. Und dennoch noch drin. Raus ist er aus der Partei Die PARTEI, drin ist er noch immer im Leipziger Stadtrat. Sein Mandat wird er, versteht man die nicht immer eindeutigen Antworten des am 7. Oktober 2021 aus der PARTEI Ausgetretenen richtig, behalten, nur mit seiner bisherigen politischen Heimat ist Weiss deutlich über Kreuz. Ob er in der Fraktion der Linken bleibt, scheint für ihn logisch, beantwortet hat er bislang diese Frage noch nicht. Dafür gibt es ein Abschied im Zorn, wo sonst eher der Humor zu Hause ist.

    Manches ist Marcus Weiss zu ernst geworden, anderes nehmen nach seinen Ausführungen die PARTEI-Leute in Leipzig nicht ernst genug. Im Zentrum der Antworten zu seinem Austritt am 07.09.2021 steht der Mangel an Unterstützung bei seiner Ratsarbeit seit dem 26. Mai 2019, welchen er auf LZ-Nachfrage mit einer sehr klein geratenen Zahl beklagt: „Aus der Partei heraus kam seit Antritt des Mandats bis jetzt exakt 1 (ein) Antragsvorschlag – ‚Arbeitsmarkthalle auf den Leuschnerplatz!’ (anstelle der überflüssigen Markthalle).“Weiterhin sei es, so Weiss, „nicht anzunehmen, dass beim Ausmaß des gezeigten politischen Interesses Änderungen eintreten (nicht zu verwechseln mit dem Pöbelinteresse auf der Straße – immer schön dagegen bleiben).“

    Auch die Zahl der Beteiligten am einzigen Vorschlag von der Basis seiner Ex-PARTEI war ihm deutlich zu gering, zwei von 600 Mitgliedern hätten sich hierbei eingebracht – zu wenig, findet Weiss und Änderung sei nicht in Sicht.

    „Es bestand bisher, trotz mehrfacher Angebote, kein weiteres Interesse seitens der Partei, mich zur Spielfigur zu machen und das Amt entsprechend zu nutzen. Kurz gesagt: Zum Saufen fanden sich immer genug, seit es Arbeit gibt, sitze ich alleine und finde in der Partei keinerlei Beteiligung, Unterstützung oder Interesse an/für die Themen. Wozu also Mitglied bleiben, Gewohnheit ist mir nicht genug Argument.“

    In der PARTEI selbst herrschte eher Ratlosigkeit bei Bekanntwerden seiner Austrittsüberlegungen, man warte auf die Begründung – nun wohl via LZ.

    Denn anderes fand der Stadtrat dann schon wieder zu ernst. Zum Beispiel einen „Lexit“ anfangs als „satirische Reaktion auf den Brexit“ ins Spiel zu bringen, nun jedoch ernsthaft zu verlangen, erfülle ihn „mit Schaudern“. Vor allem angesichts der Forderung „Hoch mit der Mauer!“.

    Über das reine Wortspiel hinaus geistert die Forderung „Leipzig raus aus Sachsen“ jedoch auch durch die Stadt, weil damit (auch) auf sächsische Verhältnisse aufmerksam gemacht werden soll. Zuletzt hatte Die PARTEI Leipzig jedoch einen Zahn zugelegt und ernsthaft Unterschriften für einen Austritt gesammelt und eine Demo vor der Bundestagswahl unter dieses Motto gestellt.

    Seiner Partei teilte der Scheidende nur mit: „Hiermit trete ich aus dem Verein ‚die partei’ aus. ‚Wenn Satire zur Realität wird, ist Deutschland nah’ – der Lexit vertreibt mich, ich bin nämlich Ausländer. Und was der Brexit den Polen gebracht hat, wissen wir ja“, so Weiss in seinem Austrittsschreiben als „parteifreies Mitglied im Rat der Stadt Leipzig“.

    Ein sofortiger Übertritt in eine andere Partei ist damit aktuell auch ausgeschlossen.

    Auf die LZ-Frage hin, ob nicht die zwei PARTEI-Ratsmandate, so also das seine neben dem von Thomas Kumbernuß (ebenfalls Linke-Fraktion) auch auf die Arbeit und den Wahlkampf 2019 der PARTEI Leipzig als Ganzes zurückgehe, teilt der Stadtrat mit, dass er nach seinem Kenntnisstand als Person gewählt wurde „und zwar von Menschen, denen eine politische Absicht nicht zu unterstellen ist.“

    2024 wird sich vielleicht zeigen, ob das stimmt. Dann ist wieder Kommunalwahl.

    Die PARTEI-Demo für den „Lexit“ am 10. September 2021

    Video: LZ

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      2 KOMMENTARE

      1. Es wurde nichts „ausgespart“, sondern im Rahmen der üblichen journalistischen Verarbeitung gewisse Informationen als irrelevant bis abwegig eingestuft. Nun hat sie der Absender nochmal selbst gepostet. Mag er damit auch selbst leben 😉

      2. Für journalistische Wiedergabe recht gut. Eine Kleinigkeit wurde jedoch ausgespart, welche ich den werten Lesenden nicht vorenthalten möchte. Deshalb teile ich hier gerne die entsprechenden Stellen aus meiner Antwort auf die Anfrage der Presse.
        Die entsprechend „unterschlagenen“ Stellen sind mit (x) & (Y) markiert, da eine Formatierung hier nicht möglich ist.

        (ergänzend: Am erwähnten Antrag beteiligten sich von den 600(?) Mitgliedern der Partei Leipzig genau 2 (zwei) und einer davon wurde dafür (x) im Nachgang vom Landesvorstand der Partei in seiner Kolumne in eurer Zeitung öffentlich diffamiert. (Y) In der Entstehungsphase des Antrages kam es jedoch, trotz breit gestreuter Aufforderung zur Beteiligung, zu keinerlei kritischen oder produktiven Worten oder Einwänden.)

        Darüber hinaus bin ich der Ansicht, für meinen Wahlkampf und auch den anderer reichlich Beitrag geleistet zu haben. Gewählt wurde ich wohl, nach meinem Kenntnisstand, als Person und zwar von Menschen, denen eine politische Absicht nicht zu unterstellen ist.(X) (Diese Auffassung ist in der Partei und Ihren Führungsgremien belegbar und von mir daher hier adaptiert worden.) (Y)

        Schönen Gruß und einen erfolgreichen Tag wünsche ich allen die genug Zeit haben dies zu lesen.
        Weiss

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