Wir leben in einer verwöhnten Gesellschaft. Warm, kuschelig, immer wohltemperiert. Es ist gar nicht erst der Ukraine-Krieg, der die Deutschen aus ihrer Wohlfühlblase heraustreibt. Nur konnten sie sich vorher doof stellen und ihr Unbehagen auf ein Meckern über die steigenden Energiepreise beschränken. Doch jetzt wird Gas tatsächlich knapp. Was tut da die Stadt Leipzig, wollen die Grünen wissen.

Die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Stadtrat Leipzig hat aufgrund der eindringlichen Appelle zum Sparen von Ressourcen wie Gas, Strom und Wasser eine Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet mit der Bitte, deutlich zu machen, wo die Stadtverwaltung selbst Einsparpotentiale sieht.

„Nach wie vor werden etwa Laubbläser in der Stadt eingesetzt, die Räume im Rathaus sehr stark gekühlt und bei den städtischen Bädern die Wassertemperatur nicht gesenkt. Vor dem Hintergrund der Appelle zum Sparen ist das nicht nachvollziehbar. Die Stadt muss hier Vorbild sein und vorangehen und dazu auch eigene Einsparpotentiale nutzen“, so Jürgen Kasek, klima- und energiepolitischer Sprecher der Fraktion.

Alle sollen sparen – aber auch die Kommune?

„Die Schlagzeilen füllen sich mit Meldungen zur anhaltenden Trockenheit und explodierenden Energiepreisen sowie Appellen an die Sparsamkeit der Bürger/-innen und Energiespartipps. Jede/-r kann mit dem eigenen Verhalten mithelfen, die Folgen der Klimakatastrophe und Energiekrise abzumildern“, heißt es in der Anfrage der Grünen.

Ein berechtigter Gesichtspunkt, will doch Leipzig mit seinem neuen Klimaschutzprogramm bis 2040 die Klimaneutralität erreichen. Wäre da nicht der erste Schritt, all die „Energiefresser“ zu finden, die nur deshalb in Betrieb sind, weil man sie gedankenlos eingeschaltet hat? Wäre das nicht eher dran als den kostenintensiven Einbau von Energiespartechnik?

Denn dass so enorme Mengen neuer Energieanlagen gebaut werden müssen, hat ja auch damit zu tun, dass sich nicht nur die Bürger, sondern auch die Kommunen daran gewöhnt haben, dass Energie „billig“ ist.

Ein Reduzieren des Energieverbrauchs wird dann fast automatisch schon als „Verzicht“ verstanden, als wäre der exzessive Verbrauch von Energie schon ein Wohlstandskriterium und nicht ein Zeichen verantwortungsloser Verschwendung.

„Unverständlich bleibt etwa, warum in den städtischen Bädern die Wassertemperatur nicht um ein bis zwei Grad Celsius gesenkt wird, wie dies eine Reihe von anderen Städten schon machen“, sagt Kasek. „Wollen wir als Stadt glaubwürdig sein, müssen die Einsparungen zuerst bei uns anfangen.“

Noch in Arbeit: die klimaneutrale Verwaltung

Dass die Verwaltung schon begriffen hat, dass das auch auf sie zutrifft, merkt man am Punkt „Konzepterstellung Klimaneutrale Stadtverwaltung 2035“ im Maßnahmenkatalog zum Klimaschutzkonzept.

Da heißt es nämlich auch: „Die aus der Maßnahme folgenden Aktivitäten werden eine Vorbildwirkung entfalten. Im Rahmen der Umsetzung der Aktivitäten können (die) Mitarbeitenden für aktiven Klimaschutz und Energieeinsparung sensibilisiert und mobilisiert werden. Die Maßnahme stellt Transparenz her, ermöglicht innovative Ansätze. Dies erhöht die Identifikation mit der Stadt und deren Attraktivität als Arbeitgeber.“

Welche Aktivitäten das freilich sind, steht da noch nicht. Das soll erst in der „Konzepterstellung durch externe Beauftragung“ passieren. Das Umsetzungsprogramm soll 2023/2024 vorliegen. Und bestimmt wird das Umweltdezernat in seiner Antwort die Grünen auch darauf hinweisen. Aber warum soll das Sparen erst 2023 beginnen?

Auch Leipzig hat eigentlich keinen Spielraum mehr, den Weg zur Klimaneutralität endlich zu beginnen. Und zwar nicht in der Hoffnung, dass dann Windkraft, Photovoltaik und Wasserstoff ermöglichen, dass man trotzdem so weitermachen kann wie bisher.

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