Soll sich Leipzig nun mit Berlin um die Olympischen Sommerspiele 2040 bewerben oder nicht? Eigentlich scheint das schon klar zu sein. Eine gefühlte Mehrheit spricht sich dafür aus. Und tatsächlich ging es im ersten Antrag der SPD-Fraktion, der am Mittwoch, dem 28. Januar, in der Ratsversammlung zur Abstimmung kam, auch nicht um Olympia. Doch den Spagat formulierte eben die Überschrift, welche die SPD-Fraktion für ihren Antrag gewählt hatte: „Wer Olympia will, muss Breitensport-Events besser unterstützen“.

Im Antrag der SPD-Fraktion selbst ging es dann gar nicht um Olympia. Dafür um die Probleme, die Vereine im Breitensport in Leipzig haben. Gerade breitenwirksame Veranstaltungen erfordern eine große Menge an Organisationsaufwand, den viele Vereine gar nicht mehr stemmen können. Und oft hakt es auch in den Abstimmungen mit der Stadt, wie SPD-Stadträtin Christina März erklärte.

Die dann auch betonte, dass Olympia vor allem eine Motivation für junge Sportler ist. Es ist für viele der höchste Traum, einmal an Olympia teilzunehmen.

Nur gibt es da ein Problem, wie FDP-Stadtrat Sven Morlok in der Rede zum Antrag der Freien Fraktion feststellte, der teils recht drastische Worte für das Gebaren des Internationalen Olympischen Komitees (IUOC) fand, das sich längst zu einem milliardenschweren Wirtschaftsunternehmen gemausert hat, das keine Probleme damit hat, die Olympischen Spiele immer wieder in Länder mit autokratischen Regierungen zu vergeben.

Womit Morlok am Mittwoch eben auch deutlich machte, dass es eben doch auch einige Leipziger gibt, die die Arbeit des IOC und seinen verkniffenen Umgang mit Meinungsfreiheit und Menschenrechten sehr kritisch betrachten und – wie Morlok – keinen Grund sehen, das Sportunternehmen IOC mit seinem Produkt Olympische Spiele nach Leipzig zu holen.

Sven Morlok (Freie Fraktion/ FDP) im Leipziger Stadtrat am 28.01.2026. Foto: Jan Kaefer

Nun gerade Olympia?

Christina März betonte in ihrer Gegenrede, dass die Bewerbung ja auch finanzielle Vorteile für Leipzig hätte – ausgebaute Sportstätten, Investitionen in Infrastruktur und Wohnungen. Ein entsprechendes Papier liege ja schon ausgearbeitet im Sportdezernat vor.

Und auch CDU-Stadtrat Michael Weickert hielt Morloks Vorstoß dann doch für zu edel: „Wir werden in diesem Rat nicht die Welt retten“, sagte er. Bekundete aber auch seine Abneigung gegenüber IOC, UEFA, FIFA und DSB. Aber welchen Sinn ergab es dann, wenn Leipzig aus den von Morlok genannten Gründen auf eine Bewerbung verzichtete?

So ähnlich sah es auch der fraktionslose Stadtrat Stefan Rieger. Die von Morlok vorgebrachten Gründe seien ja eher Argumente für eine Olympiabewerbung, damit die Spiele nicht schon wieder in einem autokratischen Land stattfinden.

Man sah: Das Thema ist noch nicht wirklich zu Ende diskutiert.

Christina März (SPD) im Leipziger Stadtrat am 28.01.2026. Foto: Jan Kaefer

Wenn überall die Leute fehlen

Auch wenn es im SPD-Antrag tatsächlich um eine bessere Unterstützung der Stadt für die Veranstaltung von Breitensportveranstaltungen in Leipzig ging – z.B. um Leipzig Marathon, Leipziger Triathlon, Leipzig Run, Firmenlauf, Frauenlauf, Nachtlauf, Neuseen-Classics und Karli-Krit.

Und während sich die Ratsversammlung dann mit 13:39 Stimmen bei 12 Enthaltungen dafür entschied, das Reizwort Olympia nicht aus der Antragsüberschrift zu streichen, bekam der SPD-Antrag selbst mit 41:14 Stimmen bei 9 Enthaltungen die notwendige Mehrheit

Nur hat das ein Problem: Denn nicht bloß in den Sportvereinen ist die Personaldecke dünn. Die schwierige Zusammenarbeit bei der Organisation von Sportveranstaltungen mit der Stadt hat ebenfalls personelle Gründe, wie das Sportdezernat in seiner Stellungnahme erklärte: „Die Stadt Leipzig unterstützt die im Antrag genannten Veranstaltungen durch verschiedene Maßnahmen, darunter organisatorische Begleitung, mögliche finanzielle Förderung sowie die Befreiung von Sondernutzungsgebühren.“

Aber: „Die Weiterentwicklung der Veranstaltungen zur Steigerung ihrer Attraktivität liegt in der Verantwortung der jeweiligen Veranstaltenden, die Gestaltung der Strecken hängt dabei maßgeblich von den genannten Rahmenbedingungen ab. Eine vertiefte Auswertung zur Weiterentwicklung der Veranstaltungen durch die Verwaltung ist aufgrund begrenzter personeller Ressourcen derzeit nur eingeschränkt möglich.

Die darüber hinaus im Antrag formulierten Anforderungen können von der Verwaltung vor diesem Hintergrund aktuell nicht geleistet werden. Die Koordination ehrenamtlich organisierter Freizeit- und Breitensportveranstaltungen wurde bisher durch das Amt für Sport übernommen, welches die Anträge entgegennahm und das weitere Verfahren mit den zuständigen Fachämtern koordinierte.

Da die entsprechende personelle Ressource im Amt für Sport nicht mehr zur Verfügung steht, wird gemeinsam mit dem Stadtsportbund Leipzig geprüft, inwieweit dieser künftig die Koordination übernehmen kann.“

Überall fehlen die Leute. Aber als Zugeständnis formulierte das Sportdezernat zumindest: „Die Verwaltung wird prüfen, inwieweit die im Antrag genannten Überlegungen in die weitere Bearbeitung des Sportprogramms einfließen können und wird stets Synergien zwischen den Veranstaltungen sowie zu Leipzigs Beteiligung an einer deutschen Konzeption um Olympische und Paralympische Spiele prüfen und, wenn möglich, berücksichtigen.“

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Keine Kommentare bisher

Nicht nur die fehlende Seriosität des IOC wäre für mich ein Ablehnungsgrund.
Ich halte das Ganze für eine Lotterie auf Kosten der Steuerzahler, während sich der Bund finanziell schadlos hält, und die Kommunen das volle Risiko für ein Projekt tragen, dessen Kosten regelmäßig explodieren.
Ein geschlossener Boykott aller deutschen Gemeinden wäre das richtige Signal!

Wenn der Breitensport und die kommunalen Haushalte wieder auf einem soliden Fundament stehen, darf man gern über solche Luftschlösser nachdenken, von denen offenbar viele umnebelte Stadträte träumen.
Wer Olympia ins Land holen will, muss erst einmal die Hausaufgaben vor der eigenen Haustür erledigen, und dafür fehlt aktuell das Geld.
Aber man könnte ja noch mal ein Sondervermögen auflegen…

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