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Fahrgastverband Pro Bahn fordert freie Fahrt auf Linie 9 in Markkleeberg

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    Es ist zwar ein bisschen frech, was Carsten Schulze vom Fahrgastverband Pro Bahn e. V., Landesverband Mitteldeutschland, jetzt fordert. Er schlägt vor, die Straßenbahn Linie 9 in Markkleeberg einfach mal unentgeltlich fahren zu lassen. Aber ist die Meldung, dass das Parken am Cospudener See 2015 kostenlos sein soll, nicht genauso frech?

    Die Leipziger Volkszeitung hat diese Meldung verbreitet. In einem Brief der ehemaligen Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, Inge Kunath, an den Betreiber der Leipzig Seen GmbH, Christian Conrad, soll diese Zusage stehen, dass der Parkplatz an der Brückenstraße am Nordufer des Cospudener Sees im Jahr 2015 kostenlos bleibt.

    In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme, den etwas abseits gelegenen Parkplatz zu bewirtschaften. Aber ein neues Verkehrskonzept für den Cospudener See, wie es das Leipziger Umweltdezernat sich gewünscht hat, gibt es nicht. Das alte Konzept von 2000 funktioniert in weiten Teilen nicht. Was ja bekanntlich die CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat schon dazu animierte zu beantragen, die Autos gleich auf dem Lauerschen Weg parken zu lassen. Der Parkplatz sei einfach zu weit weg vom Nordufer.

    Aber dasselbe Problem trifft auf die Straßenbahnhaltestelle der Linie 9 zu, die sich eigentlich als Seenbahn anbieten würde. Doch gerade erst wabert die Diskussion durch Markkleeberg, die Linie ganz einzustellen.

    So richtig läuft also in der verkehrlichen Anbindung der Seen im Leipziger Südraum an die Großstadt nichts zusammen.

    Insofern könnte der Vorschlag, den Carsten Schulze macht, zumindest aufmerksam machen darauf, was an der Verkehrsdiskussion rund um den Cospudener See alles schräg und falsch läuft.

    Im Namen von Pro Bahn fordert er die entgeltfreie Nutzung für die Straßenbahnlinie 9 im südlichen Abschnitt nach Markkleeberg West.

    „Nur durch diese dem Straßenverkehr gleichsetzenden Verbesserungen können die bindenden Ziele des jüngst beschlossenen Stadtentwicklungsplans Verkehr und Öffentlicher Raum (STEP VÖR) erreicht werden. Darin einzubeziehen sind auch die Zubringerfahrten der Buslinie 65“, sagt Schulze. Der Bus 65 fährt über den Lauerschen Weg direkt am Nordstrand vorbei auch zum Parkplatz.

    Doch alles Gerede über ein verändertes Mobilitätsverhalten oder eine Einhaltung der selbstgesetzten Klimaziele in Leipzig nutzt ja nichts, wenn man in Sachen ÖPNV einfach nicht voran kommt – auch nicht im Neuseenland, dafür aber bei den selbstgemachten Problemen beim Kfz-Verkehr einfach den Kopf einzieht, ohne wirklich sinnvolle Alternativen zu suchen.

    Dass jetzt gar eine entgeltfreie Nutzung des Großparkplatzes Nord am Cospudener See in Aussicht gestellt ist, löst das Problem nicht, lädt aber dazu ein, nun erst recht mit dem Auto zum Badevergnügen zu fahren.

    „Die Abschaffung der Gebührenpflicht hebt die Attraktivität der PKW-Anreise deutlich an, so dass die Straßenbahnlinie 9 und die weiterführende Buslinie 65 zum Cospudener See im Preiskriterium besonders stark benachteiligt werden“, benennt Schulze die beiden Seiten der Medaille, die aber für gewöhnlich nicht zusammen gedacht werden. „Denn aufgrund der Fahrt durch Markkleeberg hindurch sind zwei Tarifzonen zu beachten, entsprechend höher der Fahrpreis. Die wichtige Erholungswirkung des Sees für den gesamten Raum Leipzig bleibt damit einseitig zu Ungunsten der Nutzer öffentlicher Verkehre beschnitten, die Fahrgastzahlen bleiben dementsprechend hinter ihren Möglichkeiten zurück.“

    Die Zonengrenze ist schon lange ein Hindernis für die Ausschöpfung der Fahrgastpotenziale nach Markkleeberg. Die Schaffung einer barrierefreien ÖPNV-Anbindung des Neuseenlandes an Leipzig ist überfällig.

    „Gleichzeitig befindet sich eben jener Abschnitt der Straßenbahnlinie 9 in der Stilllegungsdiskussion wegen zu niedriger Nutzung. Welche vorgeblich die Wirtschaftlichkeit des Teilstückes herab setzt“, kritisiert Carsten Schulze die Schräglage in der politischen Entscheidungsfindung. „Nun offenbart sich das fehlende Handeln der Stadtverwaltung im Zusammenhang: Die zusätzliche Schwächung des Nahverkehrs durch den freigegebenen Großparkplatz. Das verstößt gegen Stadtratsbeschlüsse. Denn weder wird sich an die Beschlüsse des STEP VÖR gehalten, noch berücksichtigt, wie ein touristischer Magnet Cospudener See nachhaltig erschlossen wird. Entweder reden die Abteilungen nicht miteinander, ignorieren die Aufgabenstellungen des Stadtrates, handeln ohne fachliche Kompetenz oder – im schlimmsten Fall – vorsätzlich den Nahverkehr schwächend. Geschwächter Nahverkehr muss von den Fahrgästen teuer bezahlt werden: Die Fahrpreisschraube muss dann stärker als nötig angezogen werden.“

    Es sind zwar die Stadt Markkleeberg und der Landkreis Leipzig, die jetzt entscheiden müssen, ob sie eventuell eine neue Streckenführung der Linie 9 zum Cospudener See befürworten. Aber die Strecke liegt genauso im Interesse der Stadt Leipzig. Sie ist nicht nur als Seenbahn im Sommer interessant, die alte Linie wird auch im Alltag von vielen Pendlern genutzt, die in Leipzig lernen und arbeiten. Keine Stadt hat eine so enge Pendlerverflechtung mit Leipzig wie Markkleeberg. Sollten der Markkleeberger Stadtrat und der Kreistag des Landkreises sich gegen eine Linie 9 inMarkkleeberg aussprechen, erhöht das nicht nur zwangsläufig das Kfz-Aufkommen in Leipzig, es sorgt auch dafür, dass die Parkplatzprobleme in den Sommermonaten in Markkleeberg nicht gelöst werden. Da hilft auch kein freies Parken an der Brückenstraße.

    Der 2014 vom Umweltdezernat geäußerte Wunsch nach einem ganzheitlichen Verkehrskonzept ist berechtigt. Aber dann muss es von den politischen Akteuren, die in der Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland allesamt beieinander sitzen, auch zeitnah umgesetzt werden.

    Dass die Linie 9 nun ausgerechnet 2015 in die Abschaffungsdiskussion gerät, hat auch damit zu tun, dass eine ganze Reihe gewählter Verantwortlicher in den vergangenen fünf Jahren, seit diese Aufgabe stand, ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Die bessere ÖPNV-Anbindung steht ja nicht erst seit 2014 auf der Tagesordnung, sondern mindestens seit 2011, seit dieser Anspruch im ersten Entwurf der „Charta 2030“ formuliert wurde.

    Carsten Schulze sieht da auch in der Leipziger Stadtverwaltung eher eine Verweigerung der Notwendigkeiten, wenn es tatsächlich um eine Verbesserung der ÖPNV-Angebote geht: „Ähnliche Beispiele mag es im übrigen Stadtgebiet zuhauf geben, doch angesichts der im Raum stehenden Stilllegung der Straßenbahn droht dort die Vernichtung enormer Infrastrukturwerte. Die Zusammenhänge zwischen Auslastung des ÖPNV und gleichzeitiger massiver Förderung des Straßenverkehrs gehören zum verkehrstechnischen Basiswissen. Warum ausgerechnet hier die Verwaltung so kontraproduktiv agiert, erschließt sich nicht. Denn Infrastrukturwerte von rund 50 Millionen Euro zu verspielen zeugt nicht gerade von Kompetenz“.

    Und so ist es aus dieser Logik heraus eigentlich folgerichtig, nach der Entgeltbefreiung des Parkens auch eine Entgeltfreiheit für den ÖPNV zu fordern: „Wenn an der entgeltfreien Nutzung des Großparkplatzes festgehalten wird, muss als Ausgleich nur die ebenso entgeltfreie Nutzung der Linie 9/Bus 65 ab Connewitz Kreuz eingefordert werden. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Linie scheint ja gar nicht im Interesse der Stadtverwaltung zu liegen. Offenbar nur um eine Straßenbahnstrecke loszuwerden, wird dieses Argument gern gebraucht“.

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