Ökolöwe findet Bürgermeister-Protest am Werbeliner See gar nicht zielführend

Am 6. Juli trafen sich fünf Bürgermeister am Werbeliner See und protestierten gemeinsam gegen Pläne der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Nordsachsen, den See unter Naturschutz zu stellen. Dabei ist der Werbeliner See der dafür am besten geeignete See im Leipziger Neuseenland. Ein echtes Wasservogelparadies, schwärmen Natürschützer. Auch der Ökolöwe wundert sich über die Aktion der Bürgermeister.
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Der Bergbaufolgesee zwischen Leipzig und Delitzsch ist heute Refugium für zahlreiche seltene Vogelarten und ein geschätzter Erholungsraum für jene, die dem Rummel an den Seen im Südraum Leipzigs entgehen wollen. Erfreulicherweise möchte auch die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Nordsachsen das europäisch bedeutsame Gebiet bewahren und zum Naturschutzgebiet erklären, betont der Leipziger Ökolöwe. Und hatte so eine Bürgermeisteraktion im Sinne von „mehr Wirtschaft“ dann irgendwie doch schon erwartet: Dass eine Unterschutzstellung des Sees Unmut bei Investoren hervorrufe, denen bereits die Dollarzeichen in den Augen blitzten, sei wohl absehbar gewesen.

„Man mag gar zynisch meinen: ‚gleiches Spiel – anderer See‘“, kommentiert Anja Werner vom Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. diese Aktion, die nun an eine Reihe ganz ähnlicher Aktionen im Leipziger Südraum erinnert, mit der immer neue Filetstückchen an den sich langsam füllenden Seen zu Arealen wirtschaftlicher Interessen wurden. Denn wo Menschen gern hinfahren, um ihre Freizeit zu verbringen, da lässt sich mit diversen touristischen Angeboten auch Geld verdienen.

„Im Südraum erleben wir gerade den Ausverkauf unserer jüngst vom Bergbau zurückgewonnenen Landschaft. Überall wird gebaut und geplant, was das Zeug hält. Alle Seen werden nach und nach touristisch erschlossen, mit Infrastruktur und Angeboten wird ein Einheitsbrei über die Landschaft gekippt“, beschreibt Anja Werner das, was mittlerweile am Cospudener See genauso zu sehen ist wie am Störmthaler oder am Zwenkauer. Und wo dergleichen Volksunterhaltung gar nicht geplant ist, melden es die interessierten Firmen trotzdem schon mal an und werben in Stadträten und Kreistagen mit dem Versprechen niegelnagelneuer Arbeitsplätze. Auch wenn es am Ende nur saisonale sind.

„Jeder will was vom Kuchen abhaben, mit unermesslichem Geldsegen aus riesigen Touristenströmen wird gerechnet. Überall soll alles möglich sein – alles, nur kein Naturschutz. Dabei hat gerade die Natur einen besonderen Wert – auch zur Erholung der Menschen“, so Anja Werner. Immerhin scheint es gerade im Leipziger Südraum, was den viel beschworenen „Wassertourismus“ betrifft, einfach kein Halten mehr zu geben.

Und im Norden? Da durfte man bislang zumindest hoffen, dass dort nicht auch jeder See eventisiert wird.

„Umso erleichterter waren wir, dass – wie es schien – wenigstens die politischen Akteure im Norden etwas weiser mit ihren Ressourcen umgehen wollten und zumindest den Werbeliner See aus dem Touri-Geschäft herausnehmen. Dass sich jetzt gleich mehrere Bürgermeister zusammentun und die UNB ganz offensichtlich öffentlich unter Druck setzen wollen, ist nicht hinnehmbar und gleichzeitig rechtsstaatlich fragwürdig“, schätzt Anja Werner ein. „Denn die Aufgabe eines Bürgermeisters ist es, die Verwaltung zu leiten. Nicht aber, ihr Entscheidungen vorzuschreiben. Die Verwaltung hat klare Gesetze einzuhalten und bei Entscheidungen über die Ausweisung eines Naturschutzgebietes das Für und Wider objektiv abzuwägen.“

Jetzt versucht der Ökolöwe, der Naturschutzbehörde im Landkreis Nordsachsen den Rücken zu stärken.

„Wir hoffen, dass sich die UNB vom übereilten Vorpreschen der obersten Verwaltungsleiter nicht beeindrucken, sondern ihr Verfahren fair ablaufen lässt“, betont Werner. „Die Schutzwürdigkeit des Werbeliner Sees ist absolut gegeben, nicht ohne Grund liegt ein europäisches Vogelschutzgebiet über dem See.“

Und es wäre eine einzigartige Chance für die Region, Tourismus auch einmal so zu denken, wie er in der „Charta Leipziger Neuseenland“ beschrieben ist: umweltverträglich und die Natur schonend.

Aber je länger der Tag her ist, an dem Landräte und OBM auf dem Markkleeberger See diese Charta medientauglich unterschrieben haben, umso mehr löst sie sich in Luft auf und große Chancen, einzelne Inseln des natürlichen Reichtums zu erhalten, werden vertan.

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