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Forum Mitteldeutschland geht wieder ohne eine einzige Idee auseinander

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    Das klang doch richtig gut, wie es am 29. März in der Überschrift für das „Forum Mitteldeutschland“, das am selben Tag stattgefunden hatte, zu lesen war: „Mitteldeutsche Länderchefs für verstärkte Zusammenarbeit“. Organisiert hatte es der Mitteldeutsche Presseclub. Aber herausgekommen ist nichts. Außer dass sich Leute gegenseitig belobhudelten, die mit Mitteldeutschland allesamt nichts am Hut haben. Zu hart formuliert? Ganz bestimmt nicht.

    Auch wenn sich die Meldung dann so weiterliest: „Die Regierungsspitzen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sprechen sich für eine verstärkte länderübergreifende Zusammenarbeit in Mitteldeutschland aus. Dies bekräftigten sie heute im Rahmen des ‚Forum Mitteldeutschland‘ in Leipzig, zu der die Europäische Metropolregion Mitteldeutschland und der Mitteldeutsche Presseclub eingeladen hatten. (…) Beim ‚2. Forum Mitteldeutschland – Politik und Medien im Gespräch‘ diskutierte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit seinem Thüringer Amtskollegen Bodo Ramelow und Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder zu aktuellen Schwerpunktthemen in Mitteldeutschland. Dabei ging es neben Szenarien für Stadt-Umland-Kooperationen und die künftige Förderpolitik für das mitteldeutsche Braunkohlerevier auch um die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur in der Region.“

    Und? Ergebnis?

    Null. Konferenzen und Foren, auf denen nicht wenigstens einer der namhaften Politiker mit konkreten Vorschlägen auftaucht, machen keinen Sinn. Sie sind verschwendete Zeit und verschwendetes Geld.

    An der zweiten Auflage des „Forum Mitteldeutschland“ nahmen am Donnerstag über 200 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Medien im Weißen Saal der Kongresshalle am Zoo Leipzig teil. Die gemeinsam von der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland und dem Mitteldeutschen Presseclub zu Leipzig organisierte Gesprächsreihe will Politik und Medien zusammenbringen und damit das gegenseitige Verständnis vertiefen. So formuliert es die Metropolregion selbst. Ein Beschnupperkurs für Politiker, die sonst nichts miteinander zu tun haben wollen.

    Genau so klangen dann auch alle Statements, schön mit viel Honig formuliert und mit Marketing-Phrasen durchsetzt. Inhalt: Null.

    Hier die ganze Gala der schönen Sätze:

    Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen: „Mitteldeutschland ist eine Top-Gründer- und Innovationsregion mit starken und innovativen Forschungseinrichtungen und Unternehmen, mit tollen Gründerzentren wie dem SpinLab in Leipzig. Es geht darum, Wertschöpfung in der Region, in Mitteldeutschland zu halten und den Boden für neue Ansiedlungen zu bereiten. Ein wichtiges Thema ist für uns aktuell auch Europa: Wir brauchen hier ein klares Signal aus Brüssel für eine starke Unterstützung der Regionen in der kommenden Förderperiode, wenn wir das Erreichte nicht gefährden wollen.“

    Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung sollte es selbstverständlich sein, über Landesgrenzen hinauszudenken. Wir spüren diese Notwendigkeit bei fast allen Sachthemen – von wirtschaftlicher Entwicklung über Arbeitsmärkte bis hin zu Verkehrsprojekten. Auch ganz konkrete Vorhaben wie die Schließung von Lücken im Eisenbahn-Fernverkehr betreffen mehr als ein Bundesland.“

    Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder: „Über den ‚Tellerrand‘ eigener Ländergrenzen hinauszublicken, ist immer sinnvoll. Da, wo die drei Länder Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt Potentiale bündeln können, sollten sie dies tun.“ Er unterstrich, dass das Ziel sein solle, „Mitteldeutschland als eine kulturell und geschichtlich hochattraktive und wirtschaftlich erfolgreiche Region im Herzen Europas zu etablieren“.

    Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Europäischen Metropolregion Mitteldeutschland, zog in seinem Grußwort die Parallele zum späten 18. Jahrhundert, schätzte zumindest die Metropolregion ein. 18. Jahrhundert? „So wie Verkehrsverbindungen die Lebensadern der industriellen Revolution waren, so ist die digitale Infrastruktur die Schlagader unserer Zeit. Sie ist elementar, sowohl für die Wirtschaft als auch für die Bürgerinnen und Bürger“. Schnelles Internet sei kein Luxus, betonte Jung in seinem Grußwort, sondern „Bedingung für eine sich entwickelnde Volkswirtschaft des 21. Jahrhunderts. Einen Unterschied in der digitalen Infrastruktur zwischen Stadt und Dorf dürfen wir nicht zulassen“.

    Vorschläge? Ideen? Projektvisionen?

    Nichts.

    Und so geht das in Mitteldeutschland seit zehn Jahren. Schöne Männer in schönen Anzügen treffen sich, um schöne Reden zu halten und zwar so schön aufpoliert, dass keiner merkt, dass sie sich eigentlich alle nicht ausstehen können.

    Ist das jetzt ein Kommentar?

    Ja. Ist es.

    So kommt die Region nie aus dem Pott.

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    1 KOMMENTAR

    1. Über Geschmack („schöne Männer“) lässt sich streiten. Über Inhalte ließe sich streiten – gäbe es denn welche. Oder gar Visionen: Mitteldeutschland als Modellregion für einen öffentlich finanzierten ÖPNV über Ländergrenzen hinweg, wo der Autoindividualverkehr nur noch ein überkommenes Relikt für notorisch selbstwertarme Sozialphobiker ist, als Beispielregion für Komplettrecycling bei Konsumgütern, als Vorreiter eines beispielhaften Naturschutzes in Verbindung mit ausschließlich ökolgischer Landwirtschaft und regionalem Vertrieb von Lebensmitteln, mit renaturierten, sauberen Fließgewässern, endlich wirklich geschützten Trinkwasserreserven, dem Ende des Braunkohletagebaues mit alternativen Wirtschaftsstrukturprogrammen, gut bezahlten Lehrern, einer funktionierenden Kinderbetreuung, die nicht nur notverwaltete Aufbewahrung ist, Frauen in (Landes-)Führungspositionen und: mit Menschen, die von ihren Politikern inspiriert sind, sich für ihre Zivilgesellschaft zu engagieren, nicht aus der Not heraus, sondern aus der Fülle und aus Dankbarkeit dafür, in diesem wunderbaren Mitteldeutschland leben zu dürfen, eine Region, die nur dann von dem leben würde, was sie selbst hat oder zu fairen Preisen erwirbt, anstatt davon, die Ressourcen anderer einzutauschen gegen das Gift und den Müll, den wir produzieren, Mitteldeutschland mit einer Idee von Gerechtigkeit, Zukunftsverantwortung und Akzeptanz der schlichten Wahrheit, dass Wachstum begrenzt ist und wir endlich aufhören dürfen, dieser Lüge nachzulaufen und dabei unsere Würde zu verlieren… Ach. Aus diesem Tagtraum zu erwachen ist bitter. Denn die schaffen das SO nicht.

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