200 Tapfere wagten sich am Sonntag, 19. Juni, bei 35 Grad im Schatten auf das wohl heißeste Pflaster in Markkleeberg: die B2, die heute noch auf Betonstelzen quer durch den agra-Park führt. Eingeladen hatte der Pro Agra-Park e.V. Und für anderthalb Stunden war für die Tapferen ein Teilstück der B 2 gesperrt. Die sie auch nicht ausnutzten. Dafür war es viel zu heiß. Und die Botschaft sollte sowieso Richtung Dresden gehen.

Der Wunsch nach Verlegung der B2 wurde schon vor zehn Jahren vorgebracht

Denn seit 2021 ist klar, dass sowohl Bund als auch Land den seit zehn Jahren von den regionalen Initiativen vorgebrachten Wunsch, die B2 im Bereich des agra-Parkes unter die Erde zu verlegen, unterstützen. Die 50 Jahre alte Betonbrücke der B2 ist sowieso reif für eine Generalsanierung. Aber in der Stelzenbauweise zerschneidet sie den historischen Park, der zurückgeht auf den einst von der Familie Herfurth angelegten Landschaftspark, welcher in einigen Strukturelementen im heutigen agra-Park noch erkennbar ist.

Um ihn aber in seiner alten Größe und Schönheit wieder herstellen und erlebbar machen zu können, muss die Bundesstraße irgendwie daraus verschwinden. Und so war der Vorschlag der Initiative Pro Agra-Park, die sich vor zehn Jahren gründete, von Anfang an, statt eines neuen Stelzenbauwerks hier eine partielle Tunnellösung zu schaffen.

Demonstration von Pro Agra-Park mit Markkleebergs OBM Karsten Schütze auf der B2. Foto: LZ
Demonstration von Pro Agra-Park mit Markkleebergs OBM Karsten Schütze auf der B2. Foto: LZ

Deal zwischen Bund und Land 2021

In einem Abkommen zwischen Bund und Land erklärte sich der Freistaat Sachsen 2021 bereit, auch hier – wie schon bei der Eisenbahnstrecke Leipzig-Chemnitz – in Vorleistung zu gehen und die Planungen für die Untertunnelung des Parks selbst zu finanzieren. Und genau darum ging es den 200 Tapferen, die zusammen mit Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze und fröhlicher Blasmusik vom Fotomuseum auf die B2 zogen. Die Regierungskoalition in Dresden sollte an ihr Versprechen erinnert werden und die Planungskosten für den Agra-Tunnel unbedingt mit in den Doppelhaushalt 2023 / 2024 schreiben und ja nicht vergessen.

So schrieb es der Verein Pro Agra-Park auch auf sein großes Transparent. Und so erläuterte es auch Vereinsvorsitzende Brigitte Wiebelitz, die sichtlich stolz darauf war, dass sich dennoch so viele Unentwegte getraut hatten, bei diesen Temperaturen zur Demonstration zu kommen.

Der Verein hat ja nicht nur die Tieferlegung der B2 zum Ziel, sondern wünscht sich tatsächlich auch die Wiederherstellung der alten Parkstrukturen nach noch existierenden alten Plänen.

Alle Blicke Richtung Landeshauptstadt

Unterstützt wird das Tunnelprojekt nicht nur von Markkleeberg. Auch die Nachbarstadt Leipzig hat sich dafür ausgesprochen, genauso wie der Landkreis Leipzig, dessen Landrat Henry Graichen eine Grußbotschaft zur Demonstration gesendet hatte.

Jetzt sind alle Blicke nach Dresden gerichtet, ob die Koalition ihr Versprechen tatsächlich hält, die Planungsmittel für die Untertunnelung des agra-Parks in den Haushalt 2023 / 2024 einzustellen. Denn erst, wenn diese Planungen abgeschlossen sind, hat man auch eine belastbare Größenordnung, was das Tunnelbauwerk kosten wird. Und dann werden auch die Verhandlungen mit dem Bund beginnen, wann und wie der Bau dann finanziert wird – oder ob das mit den Strukturmitteln aus dem Kohleausstiegsprogramm schneller zu bewerkstelligen ist.

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