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Demokratie braucht mehr …: Die Wut des ostdeutschen Mannes

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    KommentarIch bekenne mich: Ich bin in Ostdeutschland geboren und ich bin wütend. Ich bin wütend, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben und trotzdem festzustellen, dass der Reichtum immer ungleichmäßiger verteilt wird. Ich bin wütend darüber mitanzusehen, wie viele Kinder und Familien unter der Armutsschwelle leben und in welchem Zustand das Bildungssystem ist.

    Ich bin wütend darüber, dass Frauen immer noch ungerechter behandelt werden als Männer und weniger Geld verdienen. Ich bin entsetzt und fassungslos, dass Umweltschutz immer noch dem Profitstreben untergeordnet und der Raubbau an unserer Natur unvermittelt weitergeht. Ich bin sprachlos zu sehen, dass im 21. Jahrhundert immer noch Menschen für Kohle zwangsumgesiedelt werden und das Klima zerstört wird.

    Ich finde es unerträglich, dass Tiere immer noch leiden müssen und Tierquälerei (Massentierhaltung) immer noch gesellschaftlich akzeptiert ist. Ich finde es zynisch, dass über die Aufnahme von Geflüchteten diskutiert wird als handelt es sich um Objekte und nicht um Menschen und wir das Leid der Menschen einfach ausblenden.

    Ich finde es inakzeptabel, dass über Asylrechtsverschärfungen diskutiert wird, anstatt über Maßnahmen, wie Kriege vermindert werden können und die globale Ungerechtigkeit abgebaut werden kann.

    Ich bin ein ostdeutscher Mann und ich bin wütend

    Aber am meisten regt mich auf, dass jetzt erklärt wird, man müsse den „Ostdeutschen Mann“ verstehen und damit diejenigen gemeint sind, die eine offen rassistische Partei gewählt haben, die einen neuen Faschismus propagiert.

    Ich bin entgeistert mitzuerleben, wie Teile der CDU jetzt meinen, man müsse sich noch stärker nach rechts orientieren und die SPD Sachsen mahnt, man dürfe Sachsen nicht stigmatisieren. Es ist eine Entmündigung gegenüber denjenigen, die die AfD gewählt haben.

    Als erwachsener Mensch treffe ich Entscheidungen und für diese Entscheidungen übernehme ich die Verantwortung auch bei der Wahl. Ich bin wütend. Und weil ich wütend bin, habe ich mich entschlossen Verantwortung zu übernehmen und zu handeln und nicht für meine Situation Andere verantwortlich zu machen und zu hoffen, dass irgendein neuer „Führer“ und neue Autoritäten die Probleme lösen können. Es ist meine Verantwortung dafür zu sorgen, dass sich etwas ändert. Jeden Tag.

    Ich bin wütend und deswegen handle ich.

    Und ihr, die ihr wütend seid, solltet euch Fragen, was ihr getan habt, um etwas zu verändern.

    Nachtrag: Die Fokussierung auf den Typus des ostdeutschen Mannes als Erklärung für das erstarken der AfD verheimlicht, dass es auch im Westen signifikante Hochburgen der AfD gibt und spiegelt die Faszination am „Bösen“ wider. Die Frage ist nicht etwa, wie man die Demokratie oder diejenigen, die hier demokratische Arbeit leisten, unterstützen kann (was notwendig wäre), sondern das Negative. Damit dürfen sich die AfD-Wähler bestätigt fühlen, denn auf einmal bekommen sie die Aufmerksamkeit, die sie wollten.

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    Zum Artikel auf L-IZ.de: Wer nicht gestalten will, verliert ab jetzt jede Wahl

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