Neugersdorf vs. 1. FC Lok Leipzig 1:2 – Alle Neune in der englischen Woche

Lok Leipzig ist nach wie vor furchtlos in der Regionalliga unterwegs. Beim FC Oberlausitz Neugersdorf gewann die Scholz-Truppe mit 2:1 (1:1) und setzte sich damit für mindestens eine Nacht an die Spitze der Regionalliga. Der Aufsteiger verbuchte mit neun Punkten aus drei Spielen binnen sieben Tagen eine optimale englische Woche. Besonders auffällig diesmal: Paul Schinke.

Da fiel Heiko Scholz prompt der Krümel aus dem Bart. Gerade als er während der Pressekonferenz genüsslich ins Käse-Brötchen biss, holte Neugersdorfs Pressesprecher aus, um Scholz zum Saisonziel zu befragen: „Wird das Ziel Klassenerhalt nun korrigiert?“ Scholz verschluckte sich an seinem Bissen nicht, setzte aber schnell ab – der Krümel fiel aus dem Bart – und führte seinerseits aus, warum Lok nicht träumen sollte.

Logischster wie einprägsamster Satz: „Wir träumen nicht. Mit den zehn Punkten, die wir jetzt haben, steigste ab!“ Dem war wenig entgegenzusetzen. Darüber hinaus spielte seine Mannschaft zwar auch in Zittau – wohin die Gastgeber wegen Baumaßnahmen im heimischen Stadion ausweichen mussten – gut, aber nicht wie ein Staffelfavorit.

In einem ausgeglichenen Spiel, das Scholz schon vorher prophezeit hatte, mussten die 972 Zuschauer 15 Minuten auf Torraumszenen warten. Mit der ersten fiel dann auch das erste Tor: Schinke, der wie Georgi, Ziane, Zickert und Trojandt in die Startaufstellung zurückkehrte, drang in den Strafraum ein, kappte ab, passte in die Mitte, wo Georgi verpasste. Doch Watahiki jagte den Ball mit links aufs Tor und Schinke machte den Abpraller rein.

Lok-Keeper Latendresse-Levesque im Rampenlicht

Doch der Vorteil sollte trotz einer bis dahin einfallslos spielenden Gastgeber-Mannschaft nicht lange Bestand haben. Ibold unterlief im Aufbauspiel ein ziemlich maues Zuspiel, da Freitas Costa spritzte in den Ball und vollendete sehenswert mit einem Schlenzer unters Dach. Lok-Torhüter Julien Latendresse-Levesque konnte nur staunend hinterherschauen und Kraft sparen für das, was folgen sollte. Binnen einer Minute musste „Latte“ zweimal abtauchen. Erst fischte er einen Kopfballaussetzer spektakulär aus dem Netz, dann parierte er cool im Eins gegen Eins.

Auch in der zweiten Halbzeit stand der Franco-Kanadier mehrmals im Mittelpunkt, parierte und probierte. Zum Beispiel beim Herauslaufen den Ball zu Trojandt zu spielen. Doch statt beim Linksverteidiger des FCL landete der Ball 20 Meter vor dem Tor bei Marek. Nur weil der Neugersdorfer Stürmer nichts mit dem Geschenk anzufangen wusste, blieb der Fehler folgenlos. „Ich dachte Marci steht näher. Das war einfach nur ein Fehler von mir. Alles gut“, wollte der Torhüter nicht länger über diesen kleinen Aussetzer reden und sagte zu seiner sonst starken Leistung nur bescheiden. „Ich habe ein paar Bälle gehalten, das ist mein Job.“

Paul Schinkes Job im Lok-Zentrum war und sind dagegen die Spielsteuerung und die Torvorbereitung. Letzteres gelang Schinke nach 66 Minuten. Der Mittelfeldregisseur war wie schon beim 1:0 in den Strafraum gesprintet, kappte ab und fand diesmal Georgi, der knallhart in die Torwartecke abschloss. Sein erstes Tor seit Ewigkeiten. „Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wann ich das letzte Mal getroffen habe“, so Georgi. Sein Tor fiel etwas überraschend, Neugersdorf hatte sich Stück für Stück an das Lok-Tor herangepirscht, war vor allem bei Flanken gefährlich, traf aber nach einem Eckball nur die Lattenunterkante.

Scholz: „Wir lassen die Kirche im Dorf“

Neugersdorf-Trainer Vragel da Silve nuschelte geknickt bei der Pressekonferenz, dass Lok mehr Glück hatte, Oberlausitz irgendwie das Tore schießen gerade nicht erfunden habe. Lok aber auch nicht. „Wir haben am Ende vier, fünf Konter gehabt, die wir zu schlecht ausspielen. Sonst wäre es schon eher entschieden gewesen. So mussten wir bis zum Schluss bangen“, sah Scholz seine Mannschaft keineswegs als glücklichen Gewinner.

Die Lok-Führung hatte jedoch auch bis zum Ende bestand, weil die Oberlausitzer nur mit Langholz agierten, spielerisch ausrechenbar waren. Da ist Lok zurzeit flexibler und für seine Gegner offenbar schwer zu fassen. „Trotzdem: Bei Cottbus und Nordhausen hatten wir Glück, dass wir sie so zeitig bekommen haben. Wir lassen die Kirche im Dorf“, betonte der Lok-Trainer, der einst selbst im Stadion vom damaligen Club Robur Zittau spielte und in der Nähe Ski fuhr.

Sein Team fährt zurzeit eher mit dem Schlitten durch die Liga. Kommende Woche kommt der FC Lößnitz zum 2. Runden-Spiel im Sachsenpokal ins Bruno-Plache-Stadion. Sonntag 15 Uhr ist Anstoß. Bis dahin wird Lok viel regenerieren. Drei Siege in sieben Tage haben Kraft gekostet.

Regionalliga1. FC Lok
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