1. FC Lok Leipzig vs. FC Carl Zeiss Jena 1:2 – Erst geschockt und dann (fast) gerockt

Für alle Leser Nächste Pleite für den 1. FC Lok Leipzig. Gegen den souveränen Tabellenführer FC Carl Zeiss Jena verlor die Scholz-Elf vor 4.107 Zuschauern mit 1:2 (0:2). Buval brachte die Jungs von den Kernbergen schon nach vier Minuten mit einem kuriosen, aber auch irregulären Tor in Führung, die Jena noch vor der Pause ausbaute. Lok erholte sich erst in der Pause von dem Schock, kam schnell durch Ziane zum Anschluss. Der Ausgleich sollte nicht fallen, auch weil Trojandt nach 79 Minuten wegen groben Foulspiels das Feld verlassen musste.
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Bei Sätzen wie: „So ein Glück hat man eben, wenn man oben steht“, frohlockt jedes Phrasenschwein, dass es bald rund gefüttert wird. Doch haben Phrasen ihre Daseinsberechtigung. Eher selten hört man davon, dass ein Kellerkind ein Tor der folgenden Art nach vier Minuten erzielt: Nach ein paar Pässen in der Hintermannschaft landet der Ball beim Torhüter, der den Ball nach vorn schlagen will. Er trifft aber nur den entgegenlaufenden gegnerischen Stürmer, von dem der Ball ins Tor trudelt.

Noch glücklicher wird die Situation dadurch, dass in diesem Fall Benjamin Kirsten nicht etwa Kopf oder Rücken von Bedi Buval getroffen hatte, sondern dessen ausgestreckten Arm, so als ob Buval zum oberen Zuspiel kommen wolle. Kirsten gestikulierte wild, aber Schiedsrichter Allward aus Kritzmow interessierte das wenig. Jenas Trainer Mark Zimmermann bekannte nach dem Spiel: „Das war ein klares Handspiel. Aber das habe ich während des Spiels nicht gesehen.“ Scholz hatte es dagegen geahnt. „Ich weiß ja, dass Kirsten den Ball über den Kopf spielen kann.“

Robert Zickert (re.) im Laufduell mit Bedi Buval, der Jena mit seinem Hand-Tor in Führung gebracht hatte. Foto: Jan Kaefer

Robert Zickert (re.) im Laufduell mit Bedi Buval, der Jena mit seinem Hand-Tor in Führung gebracht hatte. Foto: Jan Kaefer

Der Schiedsrichter hatte auch bei der wohl entscheidenden Szene der Schlussphase seine Finger im Spiel. Trojandt langte in der 79. Minute an der Mittellinie hart gegen Manfred Starke hin. Die folgende rote Karte war demnach durchaus berechtigt. Doch der anstürmende Erlbeck, der Trojandt sofort auf den Boden stieß, kam ohne jegliche Verwarnung durch, auch Paul Schinke, der sich direkt einmischte, bekam nicht mal Gelb.

Allwardts Assistent Jessen übersah zudem ein Handspiel von Wolfram nach 65 Minuten. Stattdessen sah Ziane Gelb wegen Meckerns. Lok-Trainer Heiko Scholz war schon zeitig auf Betriebstemperatur gekommen und bekam ebenso schnell Besuch von Jessen, der vor ihm die Linie entlangsauste. Die Gemüter auf der Lok-Bank beruhigten sich nur kurz.

Platzverweis für Marcel Trojandt nach grobem Foul gegen den Jenaer Manfred Starke. Foto: Jan Kaefer

Platzverweis für Marcel Trojandt nach grobem Foul gegen den Jenaer Manfred Starke. Foto: Jan Kaefer

Doch Schiedsrichter-Entscheidungen hin oder her: Lok hat sich von dem zeitigen Schock lange nicht erholen können. „Wir hatten uns nach drei Niederlagen richtig viel vorgenommen, aber dann haben wir ängstlich gespielt“, so Scholz. Die Aufstellung von Georgi und Maurer entpuppte sich als verbesserungswürdig, beide nahmen kämpferisch nicht im zu erwartenden Maße teil, hatten Streuung in ihren Aktionen.

Jena als Tabellenführer hatte allerdings auch Mühe mit den taktischen Kniffen der Leipziger, geriet in der ersten Hälfte nur bei Standards in Gefahr. Zickert war mehrmals eingelaufen und traf den Ball freistehend nie richtig. Die Gäste machten dafür mit dem zweiten Torschuss das zweite Tor. Tuma schlenzte den Ball mit links ins Netz.

Kopfball des Leipzigers Christian Hanne. Foto: Jan Kaefer

Kopfball des Leipzigers Christian Hanne. Foto: Jan Kaefer

Hoppe und Scholz reagierten in der zweiten Hälfte, brachten Schinke und Ziane, die ordentlich Ballett machten. Der Deutsch-Algerier traf drei Minuten nach der Pause per Kopf. Das Fanal für eine ansprechende halbe Stunde gegen den Tabellenführer, bei der allerdings auch die klaren Einschuss-Möglichkeiten fehlten. „Wir hatten uns so viel vorgenommen und dann kriegst du so ein Ei. Das war sehr ärgerlich“, so Scholz im Anschluss.

Und er gab zu: „Vielleicht fehlen bei uns Trainern zurzeit ein paar Prozent, denn wir arbeiten hart rund um die Uhr für die neue Saison. Wir brauchen frisches Blut und Verstärkungen auf ein paar Positionen.“ Vornehmlich auf den Außenbahnen und im Zentrum. Die angesprochenen Maurer und Georgi sind schon seit einigen Spielen keine verlässliche Größe, wobei Maurer noch jung ist. Und für Daniel Becker gilt es ebenfalls, einen Ersatz aus dem Hut zu zaubern. Scholz bat daher die Fans: „Bitte habt das im Hinterkopf, wenn ihr uns kritisiert.“

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