Als David Storl (SC DHfK Leipzig) im Februar 2021 in Dortmund zum neunten Mal den Titel des Deutschen Hallenmeisters erkämpfte, war es für ihn ein guter Abschluss der Hallensaison. Seine Konzentration sollte nun voll und ganz auf die Vorbereitungen zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio gelegt werden. Doch aus der erhofften dritten Olympia-Teilnahme sollte vorerst nichts werden.

Der Rücken bremste David Storl dermaßen aus, dass er über die gesamte Freiluftsaison 2021 keinen einzigen Wettkampf bestreiten konnte – zudem verzichtete der 31-Jährige auch komplett auf die darauffolgende Hallensaison 2022. Dadurch konnte er seine Meistertitel sowohl in der Halle als auch im Freien nicht verteidigen.

Doch nun ist David Storl zurück im Kugelstoßring – und er will es noch einmal wissen. Sein Wettkampf am 18. Mai im italienischen Savona war der erste, den der zweimalige Weltmeister nach fast 15 Monaten bestritten hat. Von seinen sechs Versuchen hatte der SC DHfK-Athlet nur einen, knapp unterhalb der 20-Meter-Marke, gültig ins Ziel bringen können.

Aber diese erste Generalprobe war Storl wichtig, weil er drei Tage später bei den traditionellen Halleschen Werfertagen – quasi vor der eigenen Haustür – eine sicherere und ansprechendere Leistung präsentieren wollte. Das ist ihm gelungen. Mit einer stabilen Vorstellung belegte er am Ende mit 20,31 Meter als bester deutscher Teilnehmer den dritten Rang.

Nun soll es für David Storl Schritt für Schritt weiter vorangehen. Denn in diesem Jahr stehen mit der WM im Juli in Eugene (USA) und der Heim-EM im August in München zwei attraktive Wettkampf-Höhepunkte auf dem Programm. Am Rande der Halleschen Werfertage haben wir uns mit David Storl zum Interview getroffen.

David Storl, in den vergangenen drei Jahren hatten Sie immer wieder mit gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Welche Herausforderungen waren das, die Sie in diesem Zeitraum zu bewältigen hatten?

Nach meinem Ausfall 2019 (Blockierung im Rücken) konnte ich wieder kontinuierlicher trainieren und ein bisschen was aufbauen. Doch dann hatte ich im April 2021 einen Bandscheibenvorfall – und da ging nicht mehr viel. Zum Glück war das ohne Operation wieder in den Griff zu bekommen. Wir hatten viel mit der Physiotherapie in Pomßen gearbeitet – und es passte wieder.

So konnte ich zunächst trainieren, hatte dann aber auch noch einen coronabedingten Ausfall. Die ganze Familie war krank gewesen. Dadurch habe ich das Trainingslager im März verpasst. Daher sind wir jetzt auf einem Niveau, auf dem wir eigentlich schon im April hätten sein wollen. Aber du musst die Dinge nehmen, wie sie sind.

Der Titel der 102. Ausgabe der LZ, seit 27. Mai 2022 im Handel. Foto: LZ

Wie haben Sie diese wiederholten Rückschläge mental weggesteckt, und was hat Sie motiviert, jetzt trotzdem noch einmal anzugreifen?

Wenn du immer wieder einen Rückschlag hinnehmen musst, hast du schon mal ein paar Tage schlechte Laune. Aber was willst du machen? Entweder schmeißt du hin oder sagst, du willst es noch mal wissen. Ich komme jetzt in ein Alter, in dem man über ein Karriereende nachdenkt. Aber man hat eine Vorstellung davon, wie man aufhören will.

Vom Platz zu gehen und sagen zu müssen, ich höre auf, weil ich nicht mehr kann, ist nicht mein Anspruch. Ich will für mich noch einen guten Abschluss finden – und da gehört eine WM und die Olympischen Spiele dazu. Wenn ich das körperlich und gesundheitlich verantworten kann, würde ich das gerne noch mitnehmen.

Wie schätzen Sie Ihren aktuellen Leistungsstand ein?

Wir haben den Motor schon gut aufgebaut, das Grundgerüst ist da. Jetzt geht es darum, die Leistung auf die Straße zu bringen. Es ist technisch noch sehr holprig und unsicher. Das ist nach der langen Zeit auch klar. Heute war das im Vergleich zum ersten Wettkampf in Savona (19,96 Meter) bereits ein Qualitätssprung, weil man im Wettkampf einfach wieder technisch arbeiten konnte.

Das am Mittwoch (18. Mai) war noch wie eine schärfere Trainingseinheit, um die Unsicherheit und Nervosität abzulegen. Da hatte ich überhaupt noch keine technische Linie, sondern es ging vor allem darum: Wie geht es mir? Wie fühle ich mich nach den Stößen? Wie ist es, wieder mit dem Leistungsdruck im Ring zu stehen?

Aber heute hier in Halle (21. Mai) hat meine Wettkampfsaison richtig begonnen, und ich hatte kontinuierlich alle Stöße gültig gehabt. Jetzt geht es darum, das, was wir aufgebaut haben, in dieses System hineinzubekommen, damit auch Leistung herauskommt.

Bei den Werfertagen in Halle ging es für Sie viermal über die 20-Meter-Marke. Wie zufrieden sind Sie damit?

Ich ordne das in meinen Trainingszustand ein. Nachdem im März Corona wieder zugeschlagen hatte, war es von vornherein so geplant, dass wir ab dem Thumer Werfertag (28. Mai) leistungsbereit sein wollen und von Wettkampf zu Wettkampf etwas leisten. Deshalb werden wir ab Montag (23. Mai) wieder ins Training einsteigen, noch mal die schwere Kugel in die Hand nehmen, ein paar Stöße machen. Thum wird dann nochmal eine schärfere Trainingseinheit, und danach geht es los, Leistung zu erbringen.

Mit welchen Erwartungen geht es für Sie nun in die nächsten Wettkämpfe?

Ich will vor allem fit bleiben, will die Wettkämpfe kontrollieren, mich steigern können und jeweils mit einem guten Gefühl rausgehen. Ich schaue für mich, dass ich den Weg, den wir uns vorgenommen haben, so beschreiten kann, dass wir am Ende auch da ankommen, wo wir hinwollen.

„Nach 15 Monaten zurück im Ring: Interview mit Kugelstoßer David Storl“ erschien erstmals am 27. Mai 2022 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 102 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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