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„Ein ganz besonderes Jahr für mich“ – Der Leipziger Radsportler Felix Groß zieht seine persönliche Jahresbilanz

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    LEIPZIGER ZEITUNG/ Auszug Ausgabe 86, seit 18. Dezember 2020 im HandelDas Jahr 2020 werde ich niemals vergessen, da es ein ganz besonderes Jahr für mich war. Wir haben uns im Februar für die Olympischen Spiele fest qualifiziert. Insgesamt 32 Mannschaften hatten in den letzten zwei Jahren 16 Qualifikationsrennen bei Weltcups, Europameisterschaften und Weltmeisterschaften absolviert. Dabei gelang es uns, am Ende unter die besten acht Mannschaften zu kommen, die sich für Olympia qualifizierten.

    Wir wurden Sechster und hatten uns somit das Ticket geholt. Das war im Februar natürlich eine Mega-Nachricht, über die wir uns alle riesig gefreut haben. Das hielt aber nicht lange an, weil wir bereits im März erfahren haben, dass die Olympischen Spiele aufgrund der Corona-Pandemie wahrscheinlich abgesagt oder verschoben werden müssen.

    Das war erst mal ein ganz schöner Schock, weil wir uns zweieinhalb Jahre voll und ganz darauf vorbereitet hatten, auf den Tag genau fit zu sein. Ich merke auch jetzt noch, dass meine Form echt gut ist. Umso trauriger ist es, dass die Spiele abgesagt werden mussten.

    Nichtsdestotrotz ist natürlich die Gesundheit jedes Einzelnen und der Sportler sehr wichtig. Da sollte schon alles passen, wenn man ins Ausland fliegt. Ich hoffe einfach sehr stark, dass sich die Situation wieder normalisiert und wir 2021 die Olympischen Spiele absolvieren können.

    Ich denke allerdings, dass diese Spiele ohne Zuschauer stattfinden werden, was das Feeling natürlich etwas bescheidener macht. Aber das kann man nicht ändern. Hauptsache, die Spiele finden statt und wir können uns zeigen. Ich habe ja noch die Chance 2024 und 2028 mit dabei zu sein. Dann hoffe ich, dass das alles vorbei ist, was uns hier gerade so sehr belastet.

    Das Titelblatt der LEIPZIGER ZEITUNG Nr. 86, Ausgabe Dezember 2020. Foto: Screen LZ

    Wir hatten dann erst mal eine Corona-Pause. Während dieser Zeit musste ich mich sehr motivieren, was das Training anging. Du durftest es trotzdem nicht vernachlässigen, denn du wusstest ja nicht genau, wann die Wettkämpfe wieder stattfinden. Da musstest du hart und ergiebig daran arbeiten, die Form zu halten und besser zu werden. Das war nicht immer leicht, da gab es einige Motivationstiefs – aber immer auch wieder ein Hoch. Ich habe das, denke ich, sehr gut vertragen.

    Im Juni und Juli ging es Schlag auf Schlag weiter mit Straßenrennen in Polen, wo ich drei Siege einfahren konnte. Das waren UCI-Siege. Die sind schon etwas sehr Besonderes, denn damit habe ich – neben der Bahn – auch Erfolge auf der Straße vorzuweisen. Das zahlt sich vielleicht später in einem höherklassigen Team aus. Der Fokus liegt aber weiterhin auf den Olympischen Spielen 2021. Was danach passiert, werden wir wahrscheinlich bald erfahren.

    Für mich ging es dann mit einem kurzen Trainingslager in Frankfurt/Oder weiter. Dort bereitete ich mich auf die U23-Europameisterschaft vor, die eigentlich dieses Jahr wegen der Spiele gar nicht in meinen Plan gepasst hätte. Ich konnte sie dann aber doch in Angriff nehmen, worüber ich mich sehr gefreut habe, weil ich als doppelter Titelverteidiger an den Start ging.

    In meinem letzten Jahr U23 wollte ich natürlich das Siegertrikot noch mal verteidigen. Das gelang mir sehr gut. Es war eine besondere Bahn, die war 400 Meter lang und aus Beton. Sonst sind unsere Bahnen 250 Meter und aus Holz. Daher konnte vorher niemand diese Bahn einschätzen.

    Ich konnte mir aber gleich am ersten Tag mein Trikot sichern und kann mich jetzt Triple-Europameister nennen in der Klasse U23 in der Einerverfolgung über 4 Kilometer. Das hatte bisher nur Einer geschafft, sodass es mich mega glücklich macht, das ebenfalls erreicht zu haben. Es ging dann mit dem Zeitfahren über 10.000-Meter und der Mannschaft weiter.

    In der Mannschaft belegten wir Platz 3, was eine deutsche U23-Mannschaft lange nicht geschafft hatte. Das war ein schönes Highlight. Am letzten Tag konnte ich im 1.000-Meter-Sprint noch mal an den Start gehen, wo ich mir auch den Titel sichern konnte, was diese Titelkämpfe für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht hat. Ich bin unglaublich glücklich, dass das alles gepasst hat.

    Danach hatte ich ganz kurz mal ein bisschen frei, bevor wir uns in Frankfurt/Oder weiter auf die Europameisterschaft in Bulgarien vorbereitet haben. Das Team Deutschland hat dann aber doch nicht daran teilgenommen, da unsere Arbeitgeber Bundeswehr und Bundespolizei nicht wollten, dass wir Sportler in ein Risikogebiet fliegen.

    So ging es schneller als erwartet in die Saisonpause. Das war mein persönliches Jahr 2020, das ich auf jeden Fall nicht vergessen werde. Ich hoffe, dass es 2021 sportlich genauso erfolgreich wird, und ich hoffe, dass wir alle gesund bleiben.

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