Zum vierten Mal nach 2011, 2015 und 2018 machte am vergangenen Wochenende (23./24. April) der Finswimming-Weltcup in Leipzig Station. Insgesamt 401 Athlet/-innen aus 19 Nationen glitten durch das Wasser der Unischwimmhalle in der Mainzer Straße. Für Ausrichter SC DHfK hätte es kaum besser laufen können. Die Leipziger/-innen ernteten sechs Gold- und eine Silbermedaille.

Für das sportliche und emotionale Highlight sorgte fraglos das Rennen der 4 x 100 Meter-Staffel der Männer. Nachdem es am Morgen im Einzelrennen noch nicht geklappt hatte, knackte Max Poschart als Startschwimmer tatsächlich den Weltrekord – während die Staffel den Deutschen Vereinsrekord klar unterbot. Anschließend stand Max Poschart der LZ direkt am Beckenrand Rede und Antwort.

Herr Poschart, am frühen Sonntagmorgen, kurz nach 9 Uhr, waren alle Kameras und Augen auf Sie gerichtet. Es ging um nicht weniger als einen neuen Weltrekord über 100 Meter Finswimming, der von Ihnen im Heim-Weltcup nahezu erwartet wurde. Zunächst klappte das nicht. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Man malt sich im Vorfeld die Zeit aus, die auf der Anzeigetafel stehen soll. Die ersten zwei Minuten nach dem Rennen habe ich mich auch ein bisschen darüber geärgert, dass es nicht funktioniert hat. Aber rückblickend hatte ich gestern mit den 200 Metern einen ziemlich anstrengenden Tag, und die Zeit von 34,17 Sekunden war trotzdem auf einem Weltklasse-Niveau und gar nicht weit weg vom Rekord.

Natürlich ist es auch ein anderer Druck, wenn im Vorfeld medial eine Weltrekordansage präsentiert wird. Damit muss man erst mal umgehen. Ich glaube aber nicht, dass die 34,17 damit zu tun hatte, dass ich zu viel Druck hatte. Das war vielmehr die Vorbelastung von gestern und die Morgenstunden, die es mir etwas schwerer gemacht haben.

Acht Stunden später konnten Sie dennoch jubeln. Als Startschwimmer der Staffel hatten Sie ihren eigenen 100-Meter-Weltrekord doch noch geknackt. Was lief diesmal besser?

Die 4 x 100 Meter sind zum Schluss ein schönes Highlight. Mit einem ganzen Team geht man da auch noch mal ganz anders rein, als in ein Einzelrennen. Für mich persönlich ist es außerdem schwieriger, am Morgen eine gute Zeit zu bringen. Jetzt am Nachmittag ist eigentlich unsere Trainingszeit, wo wir im Rhythmus sind.

Daher dachte ich mir schon, dass es schnell werden könnte und habe mich als Startschwimmer positionieren lassen. Während des Rennens habe ich gemerkt, dass ich besser durch die 100 Meter komme als heute früh. Deshalb auch gleich der schnelle Blick zur Anzeigetafel, ob dieses Gefühl durch die Zeit bestätigt wurde – und so war es dann auch.

Der Titel der 101. Ausgabe der LZ, seit 29. April 2022 im Handel. Foto: LZ

Waren Sie dabei mit Ihrer relativ neuen, härteren Flosse unterwegs gewesen?

Letztes Jahr bin ich zur WM mit einer etwas weicheren Flosse geschwommen. Da hatte ich zwar auch schon die härtere Flosse, war damit aber nur die 50 Meter geschwommen. Die 100 Meter heute früh bin ich auch mit dieser härteren Flosse geschwommen, hatte aber das Gefühl, dass ich nach hinten raus ein bisschen eingebrochen bin.

Daher habe ich jetzt für die Staffel wieder die etwas weichere Flosse aus dem letzten Jahr genommen, mit der ich nun Weltrekord geschwommen bin. Das war also eine gute Entscheidung gewesen.

Deutsche Rekorde, Europarekord, Weltrekord – Sie sind aktuell in einer beständig überragenden Form. Was macht Sie so stark?

Es ist vor allem die Erfahrung, die mit den Jahren dazugekommen ist. Außerdem habe ich durch mein sportwissenschaftliches Studium jetzt auch einen wissenschaftlichen Background, der mich dabei von einer anderen Seite unterstützt. Dinge also nicht nur vom Trainer zu hören, sondern auch wirklich zu verstehen, was man macht und was man eventuell noch verbessern kann.

Außerdem hilft mir die Sauna, die wir letzten November bei uns zu Hause installiert haben. Da gehe ich zweimal die Woche rein, was mir enorm bei der Regeneration hilft. Ansonsten haben wir nicht viel anders gemacht, sondern so trainiert, wie die letzten Jahre auch.

Neben Ihren eigenen Siegen und Rekorden, knackte auch die Staffel, deren Startschwimmer Sie waren, erneut den Deutschen Vereinsrekord. Es dürfte also ein zufriedenstellendes Weltcup- Wochenende für Sie und den SC DHfK gewesen sein?

Wir versuchen, den Deutschen Rekord eigentlich immer von Wettkampf zu Wettkampf zu verbessern. Aber damit, dass wir ihn jetzt sogar über zwei Sekunden verbessern, hätten wir nicht gerechnet. Heute war die Teamleistung einfach sehr stark. Überhaupt waren über den gesamten Weltcup hinweg die Leistungen vom ganzen Verein gut.

Justus Mörstedt ist beispielsweise die 200 Meter mit einer Weltklasse-Zeit von 1:20,00 min geschwommen, was in diesem Jahr noch keiner geschafft hatte. Ich bin ja selbst auch als Trainer aktiv, und von meinen Sportlern sind alle mit Bestzeiten nach Hause gefahren. Daher bin ich super zufrieden mit der gesamten Veranstaltung.

Welche Wettkämpfe stehen jetzt für diese Saison noch auf Ihrem Zettel?

Wir haben in drei Wochen die Deutsche Jugendmeisterschaft in Rostock (13.–15. Mai), an der auch wir Älteren teilnehmen. Die werde ich aus dem Training heraus auch mitnehmen. Aber der Fokus wird jetzt vor allem auf die World Games in Birmingham (7.–17. Juli) ausgerichtet.

Im Anschluss daran sind wir noch in Kolumbien bei den Weltmeisterschaften (18.–23. Juli) am Start.

Max Poschart startet in ein Sprintrennen. Foto: Jan Kaefer
Max Poschart startet in ein Sprintrennen. Foto: Jan Kaefer

Alle Ergebnisse des Weltcups:
https://finswimming.scdhfk.de/world-cup-leipzig-2022/

„Max Poschart (SC DHfK) schwimmt Weltrekord über 100 Meter: Ich dachte mir schon, dass es schnell werden könnte“ erschien erstmals am 29. April 2022 in der aktuellen Printausgabe der Leipziger Zeitung (LZ). Unsere Nummer 101 der LZ finden Sie neben Großmärkten und Presseshops unter anderem bei diesen Szenehändlern.

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