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Das Ende für die Gusswerke Leipzig: Gläubigerausschuss beschließt Stilllegung zum 30. September

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    2018 schlug die drohende Schließung von Halberg Guss in der Merseburger Straße hohe Wellen. Es gab Protestwachen, Schlichtungs- und Rettungsversuche. 2019 schien das Werk schon fast gerettet. Die Nachrichten wurden immer optimistischer. Doch die Krise in der deutschen Automobilindustrie beendet nun auch bei den Gusswerken Leipzig alle Träume. Denn wo die Zeit der spritbetriebenen Autos zu Ende geht, werden auch deutlich weniger Gussteile gebraucht. Am Dienstag verkündete Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch von Schultze & Braun das Ende.

    „Das ist ein bitterer Tag für uns und die Beschäftigten“, sagte er. „Der heutige Beschluss markiert das Ende einer langen Gießerei-Tradition in Leipzig. Wir haben zusammen viele Monate für den Erhalt des Unternehmens mit voller Kraft und mit großer Geschlossenheit gekämpft. Aber die Vorgeschichte und die Umstände der jüngsten Insolvenz sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Geschäftsbetrieb und die Branche insgesamt haben die Suche nach Investoren zum Erliegen gebracht.“

    Der Automobilzulieferer Gusswerke Leipzig GmbH muss zum Monatsende seinen Betrieb einstellen. Einen entsprechenden Beschluss fasste am Dienstag, 22. September, der Gläubigerausschuss der insolventen Gießerei. Zuvor war auch der letzte verbliebene Interessent für eine Übernahme aus dem Investorenprozess ausgestiegen.

    Der letzte verbliebene Interessent hatte sich jüngst aus wirtschaftlichen Überlegungen aus dem Bieterprozess zurückgezogen. Eine Sanierung aus eigener Kraft, zum Beispiel über einen Insolvenzplan, ist für die Gusswerke Leipzig leider ebenfalls nicht möglich. Die für 2021 erwarteten bzw. avisierten Bestellungen reichten nicht aus, damit sich das Unternehmen selbst finanzieren könnte.

    „Insofern bleibt uns nur die Entscheidung, den Geschäftsbetrieb zum Monatsende einzustellen“, bedauert der Insolvenzverwalter.

    Automobilindustrie im radikalen Wandel

    Das Jahr 2020 ist nicht nur von der Corona-Pandemie gezeichnet, es erzählt auch vom drastischen Rückgang der Autoverkäufe in Deutschland und von massiv rückläufigen Exporten der Autohersteller. Dazu kommt der schwindende Wunsch der Käufer nach PS-starken Verbrennern, die bislang das Hauptportfolio der deutschen Autobauer ausmachten. Sie hielten an diesem Weg auch noch fest, als die Dieselskandale klarmachten, dass es der falsche war.

    Die Verkäufe von Elektrofahrzeugen ziehen hingegen an. Doch hier sind deutsche Autobauer eher ins Hintertreffen geraten und haben anderen die Marktführerschaft überlassen.

    Erst am 11. September forderte eine Gruppe von Mobilitätsexperten eine „generelle Neuausrichtung der deutschen Automobilitätsindustrie“. Denn, so Prof. Dr. Martin Stuchtey, Mitunterzeichner des Aufrufs und Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von SYSTEMIQ, einem Thinktank zur Begleitung des jetzt überfälligen Systemwandels: „Nur nachzumachen, wo andere schon die Pflöcke eingeschlagen haben, wird die deutsche Automobilindustrie nicht an die technologische Spitze zurückbringen. Wir müssen dort ansetzen, wo die aktuellen Konzepte noch Schwächen haben, nämlich bei der Entwicklung wirklich nachhaltiger Mobilitätslösungen, die auch die Produktion und die spätere (Wieder-)Verwertung des Fahrzeuges mit in den Blick nimmt. Elektromobilität alleine sorgt nicht für eine gute Ökobilanz, erst recht nicht, solange der Strom noch aus konventionellen Quellen stammt.“

    Doch mit diesen neuen Herausforderungen haben die Gusswerke Leipzig nichts mehr zu tun. Denn auch das „Circular Car“, das vollständig kreislauffähige Auto, wie es Stuchtey nennt, wird kein Verbrenner mehr sein. Denn das Ziel der neuen Mobilität müsse nun einmal sein, den „CO2-Fußabdruck der gesamten Mobilität nachhaltig zu senken“. Das geht nicht mit Benzin oder Diesel im Tank.

    Die Gusswerke Leipzig bekommen diesen Wandel jetzt mit voller Wucht zu spüren.

    Das schnelle Ende

    Rüdiger Bauch hatte den Geschäftsbetrieb der Gusswerke Leipzig seit dem Insolvenzantrag am 21. Oktober 2019 fortgeführt. Am 1. Januar 2020 eröffnete das Amtsgericht Leipzig das Insolvenzverfahren. Parallel suchte die Beratungsgesellschaft PwC im Auftrag von Bauch intensiv nach einem passenden Investor. Mit mehreren Interessenten, unter anderem aus China, konnten die Gespräche weit vorangetrieben werden. Ein chinesischer Investor hatte kurz vor dem Shutdown im März sogar eine Absichtserklärung (LoI) abgegeben, die Verhandlungen konnten dann jedoch nicht weitergeführt werden.

    Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch von Schultze & Braun: „Das ist ein bitterer Tag für uns und die Beschäftigten." Foto: Schultze & Braun
    Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch von Schultze & Braun: „Das ist ein bitterer Tag für uns und die Beschäftigten.“ Foto: Schultze & Braun

    Aufgrund der weltweiten Fabrikschließungen der großen Automobilhersteller verzeichneten die Gusswerke Leipzig im zweiten Quartal 2020 jedoch einen erheblichen Auftragsrückgang.

    Hinzu kommt, dass die Gusswerke Leipzig seit Jahresbeginn deutlich höhere Energiepreise zahlen mussten, nachdem die bisherige Begrenzung der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht verlängert wurde.

    Nach der Entscheidung des Gläubigerausschusses wurden die rund 400 Beschäftigten über das Ende der Produktion mit Wirkung zum 30. September informiert. Die Abwicklungsarbeiten werden über diesen Zeitpunkt hinaus andauern, ebenso das Insolvenzverfahren. Daher werde ein kleines Abwicklungsteam zunächst im Unternehmen verbleiben und den Insolvenzverwalter bei der Schließung unterstützen. Die restlichen Mitarbeiter werden mit Ende des Produktionsprozesses freigestellt.

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