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Leipzig braucht einen Kümmerer für den Fußverkehr

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    Na ja, das Protokoll hat ein bisschen gedauert. Der Spaziergang zum Fußverkehr mit Oberbürgermeister Burkhard Jung fand schon am 14. April statt. Aber es gab dann noch einen Runden Tisch zum Fußverkehr am 11. Juni, bei dem sich vor allem ein Anliegen der beteiligten BürgerInnen und Verbände herauskristallisiert hat: In Leipzig wird ein städtischer Kümmerer für den Fußverkehr benötigt.

    Mit Burkhard Jung ging es damals vom Richard-Wagner-Platz über den nördlichen Ring und den Hauptbahnhof zur Goethestraße und von dort weiter zur Universitätsstraße. Im Unterschied zu anderen OBM-Spaziergängen ging es diesmal reineweg um das Thema Verkehr aus Fußgängersicht. Da aber auch der Behindertenverband mit dabei war, kam auch das Thema Barrierefreiheit nicht zu kurz. Das Ergebnis war mehr als deutlich und zeigte im Grunde, wie sehr in Leipzig gerade die Fußgänger wie Schafe behandelt werden. Auch und grade am Ring, wo sich die Verwaltung seit Jahren schwer tut, die alternativen Verkehrsarten Fuß- und Radverkehr überhaupt unterzubringen. Hier dominieren noch immer die alten vierspurigen Fahrbahnen und das Verkehrsdenken aus den 1930er und 1970er Jahren. Man vergisst es nur oft, weil Fußgänger in vielen Teilen der Stadt derart schlecht behandelt werden, der Passant aber auch immer wieder die Blechlawinen sieht, die sich auf dem Ring manchmal aufstauen.

    Deswegen wird in Leipzig vehement über Kfz-Staus diskutiert und nicht über die Frage, ob nicht gerade die vierspurigen Ringbreiten erst dazu führen, dass es zu Blechpulks kommt. Denn wenn die Fahrzeuge vom Ring herunterfahren, müssen sie alle durch wesentlich schmalere Straßen.

    Der autobahnbreite Ausbau des Ringes führt aber gerade im Nordteil dazu, dass sich Fußgänger und Radfahrer ein viel zu schmales Terrain teilen müssen, dass es auch an den Übergängen am Hauptbahnhof zu Dauerkonflikten kommt, weil Fußgängerfläche und Radweg nicht zu unterscheiden sind. Der noch vor vier Jahren versprochene Radring um den Ring ist bis heute nicht geschaffen. Und selbst in der Innenstadt, die laut Stadtratsbeschluss eigentlich „autoarm“ sein soll, müssen Fußgänger auf Handtüchern von Fußwegen laufen, weil die Stadt unbedingt auch noch ein paar Stellplätze für Pkw unterbringen will – wie auf der Universitätsstraße.

    OBM Burkhard Jung dürfte am 17. Mai eine Menge Anregungen mitgenommen haben, seine Verkehrsplaner übrigens auch. Alle Löcher, Konflikte und Ungereimtheiten haben der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der FUSS e.V. in einem gemeinsamen Protokoll aufgelistet (wir haben es unten mit angehängt).

    Aber so ganz vertrauen die beiden Vereine nicht darauf, dass die Verwaltung von sich aus in die Pötte kommt. Dazu sind einige der wichtigsten Brennpunkte schon zu lange bekannt und Lösungen scheitern immer wieder an bürokratischen Einwänden. Was auch das Radfahren auf dem nördlichen Ring betrifft: Ein Verbot, die Fahrbahn zu nutzen, wird vor Gericht wohl keinen Bestand haben, wenn man den schmalen Zuschnitt und die desolate Beschaffenheit des Fußwegs an dieser Stelle genauer betrachtet.

    Und so fordern die Vereine einen Fußwegbeauftragten für die Stadt.

    „Das zeigt den Wunsch der Zufußgehenden, dass dem Thema Fußverkehr mehr Aufmerksamkeit seitens der Stadtverwaltung gewidmet werden sollte“, erklärt Kerstin Dittrich von der Leipziger Ortsgruppe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

    Besonders deutlich wurde es auch an den städtischen Baustellen wie der Dauerbaustellenabsperrung in der Goethestraße, wo die Firma Unister nun schon gefühlt seit Jahrzehnten ein Bürohaus bauen will und doch nicht baut: Die temporäre Lösung für Fuß- und Radverkehr ist zumeist eher bedürftig.

    Ein Anwalt der Fußgänger sei aber auch aus anderen Gründen erforderlich, stellen beiden aktiv gewordenen Vereine fest. So nehme die Fußwegequalität häufig enorm ab, je weiter man sich von der Leipziger Innenstadt entferne. Fußverkehrsanlagen werden oft nur im Zuge von größeren (Um)Bauvorhaben erneuert oder saniert. Ein weiterer Aspekt sei der zunehmende Radverkehr, was nicht selten zu Konflikten zwischen Zufußgehenden und Radfahrenden führe, und wofür zumindest an Problemstellen gute Lösungen im Sinne einer Entflechtung beider Verkehre gefunden werden müssten.

    „Hierbei wird noch zu wenig aus der Perspektive des Fußverkehrs geschaut und geplant. Dafür braucht es den städtischen Kümmerer“, betont Bertram Weisshaar vom FUSS e. V.

    Damit dieser auch wirklich proaktiv im Sinne der Zufußgehenden tätig wird, wünschen sich VCD und FUSS e. V. möglichst eine Stabsstelle im Dezernat Stadtentwicklung und Bau mit eigenem Budget und Vorschlagsrecht.

    „Wenigsten sollte aber eine Planstelle dafür eingerichtet werden“, sagt dazu Kerstin Dittrich vom VCD.

    Da immer schrittweise gedacht werden muss, schlagen VCD und FUSS e. V. zunächst noch zwei andere Punkte vor, die sich zwischenzeitlich realisieren lassen: Erstens die Etablierung eines jährlichen Spazierganges zum Fußverkehr mit dem Oberbürgermeister analog zur OBM-Radtour und zweitens eine bekanntzumachende und gut beworbene städtische Meldestelle für Mängel von und an Fußverkehrsanlagen.

    Das Protokoll der Begehung am 14. April.

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    1 KOMMENTAR

    1. Liebes Verkehrsamt,

      mit Ihnen habe ich in mehreren Mails wegen Punkt 10 (Universitätsstraße/Schillerstraße) über Kreuz gelegen.
      Und bin mit sachlich nicht stichhaltigen Argumenten abgewimmelt worden. Selbst für einen Zebrastreifen waren Sie sich zu schade.

      Sie sehen nun selbst, dass ich nicht der einzige bin, der dort erhebliche Probleme sieht, gerade was die Temporegelung für den Kfz-Verkehr angeht.

      Es gilt Tempo 50(!) auf dem gesamten Abschnitt der Universitätsstraße vom Roßplatz bis fast zur Einmündung Schillerstraße. Das dürften gut und gerne 80 Meter sein. Auf diesen 80 Metern wird von den einfahrenden Autofahrern in der Tat nochmals Gas gegeben, die Herrschaften haben ja keine Geduld.

      Ein Tempo-30-Schild an der Einmündung Universitätsstraße/Roßplatz wird nicht aufgestellt mit der „Begründung“, dass sich die Autofahrer bei der Einfahrt sonst erschrecken könnten.

      Ja, die Autofahrer, die aus dem Grimmaischen Steinweg geradeaus auf die Mittelfahrbahn des Augustusplatzes fahren, erschrecken sich auch ganz furchtbar, nämlich sogar zweimal – an der Einmündung steht ein Tempo-30-Schild und(!) keine zwanzig Meter weiter gleich ein Tempo-20-Schild.
      Trotzdem scheint es irgendwie zu klappen, das Queren der nördlichen Mittelfahrbahn „geht“ eigentlich „noch“ (die Kurve um das Demokratie-Ei ist wesentlich gefährlicher, besonders wenn Taxifahrer um die Kurve krachen, um zum Taxistand zu kommen)

      Was soll also das gesuchte Argument mit dem „Erschrecken“?

      Weiterhin ist die verkehrliche Gestaltung auf dem Augustusplatz mit der berüchtigten Tiefgarageneinfahrt ein Desaster historischen Ausmaßes, das als Negativ-Beispiel in verkehrswissenschaftliche Lehrbücher gehört.

      Ich würde mir von Ihnen wahrlich eine sachbezogene Korrespondenz wünschen.

      Diesmal mache ich meinen Unmut mit Ihnen öffentlich.

      Mit freundlichen Grüßen
      Stefan
      (Nachname dürfte bekannt sein.)

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