Bei Fernbussen geht es auch den Fahrgästen eher um den Preis als um die Pünktlichkeit

Es war wohl der größte Erfolg der FDP, als sie von 2009 bis 2014 mal wieder mitregieren durfte im Bund: die Liberalisierung des Fernverkehrs. Oder das, was man dafür hält, denn bis heute ist die Freigabe des Fernbusverkehrs in der Bundesrepublik umstritten, gerade weil sie eine direkte Konkurrenz zur Bahn sind. Billiger noch dazu.
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Und das sind sie nicht ohne Grund, denn die Betreiber müssen keine Trassenpreise zahlen und keine Infrastrukturen vorhalten. Mal sind es die Städte selbst, die Interesse daran haben, die Fernbusse im Stadtinneren anhalten zu lassen, mal blockieren sie – wie in Köln, wo die Busse die starke Verkehrsüberlastung im Zentrum noch verstärken.

Trotzdem boomt der Fernbusmarkt, wie auch die Verbraucherzentrale Sachsen feststellt. Aber sie stellte sich – im Verbund mit anderen deutschen Verbraucherzentralen – auch die Fragen: Doch spricht das auch für einen reibungslosen Reiseverlauf? Werden Fahrgäste ausreichend über Verspätungen und Ausfälle informiert? Und wie sieht es mit der Pünktlichkeit aus?

Um den Verbesserungsbedarf zu ermitteln, führten die Verbraucherzentralen vom 1. Juli bis 30. September eine Online-Umfrage durch. Die ist nicht ganz repräsentativ, wenn man bedenkt, das sich die gezählten Fahrgäste der diversen Fernbuslinien im letzten Jahr von 8 Millionen auf 16 Millionen verdoppelten. Auch wenn viele Nutzer mehrfach im Jahr mit Fernbussen unterwegs waren, sind 440 Teilnehmer der Online-Befragung erst einmal nur eine kleine Stichprobe. Sie waren auch nicht hübsch übers Bundesgebiet verteilt, was wohl auch daran liegt, dass die teilnehmenden Verbraucherzentralen unterschiedlich gute Pressearbeit gemacht haben. Aus Sachsen nahmen immerhin 77 Personen teil, aus dem drei Mal größeren Bayern dafür nur 16.

Nach Alter, Geschlecht, Einkommen usw. konnte da natürlich auch nicht gewichtet werden. Aber den Verbraucherschützern ging es erst einmal nicht ums Fernbusfahren an sich, sondern um die Bedingungen unterwegs.

Und dabei stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Teilnehmer zwar einen guten Eindruck von Fernbusreisen hat, aber nicht nur in Sachen Pünktlichkeit Nachholbedarf besteht.

Generell zeigt die Umfrage: Es ist vor allem der günstige Preis, der das Fernbusfahren für viele Reisende attraktiv macht. Und dafür nehmen sie nicht nur in Kauf, dass es auch bei den Bussen immer wieder zu Verspätungen kommt, sie nehmen auch lange Anreisen in Kauf, um zum Einsteigepunkt der Fernbusse zu kommen.

„Für rund die Hälfte der Befragten ist vor allem der moderate Preis entscheidend für eine Reise mit dem Fernbus“, meint Janine Hartmann, Juristin bei der Verbraucherzentrale Sachsen.

Die Verbraucherzentrale sieht Verbesserungsbedarf: So hatten 60 Prozent der Umfrageteilnehmer schon einmal eine Verspätung, die bei mehr als der Hälfte (57 Prozent) davon deutlich über 30 Minuten betrug. Dabei gaben 36 Prozent der Befragten an, nicht über die Verspätung informiert worden zu sein.

„Fällt der Bus aus oder verspätet er sich, haben Reisende, die auf einem Busbahnhof warten, spätestens 30 Minuten nach der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit ein Recht auf Information – auch zu alternativen Anschlüssen“, erklärt Hartmann. Diese Informationen können dem Fahrgast auch elektronisch per SMS oder E-Mail zur Verfügung gestellt werden, wenn er zuvor dem Busunternehmen seine Kontaktdaten übermittelt hat. Das gilt ebenfalls für Reisende, die an Haltestellen entlang der Fahrtstrecke auf den Zustieg warten.

Außerdem mache die Befragung deutlich, dass nur knapp die Hälfte der Teilnehmer ihre Fahrgastrechte im Fernbusverkehr kennen.

„Hier besteht noch großer Aufklärungsbedarf, damit Busreisende bei Störungen wissen, ob und welche Ansprüche sie haben“, ergänzt Hartmann.

Aus den benannten Gründen appellieren die Verbraucherzentralen an die Fernbusunternehmen, ihre Kunden im Falle von Verspätungen und Ausfällen rechtzeitig darüber zu informieren. Das gelte auch bei zu erwartenden Ankunftsverspätungen durch Verzögerungen auf der Strecke wie zum Beispiel infolge einer Panne.

„Hier müssen Reisende wissen, ob sie möglicherweise bereits gebuchte Anschlüsse zur Weiterreise verpassen und umdisponieren müssen. In allen Fällen sollten sie gleichzeitig auch über die ihnen zustehenden Fahrgastrechte informiert werden“, so Hartmann. Wobei die Befragung auch zeigt, dass das alles den Nutzern der Fernbusse herzlich egal ist. Ein gut Teil interessiert sich nicht einmal für Verspätungen, viele haben ihre Reisen so organisiert, dass auch Verspätungen keine drastischen Folgen haben. Nur ein Viertel ärgert sich über die Langsamkeit der Fortbewegung. Was verblüfft, denn die meisten Befragungsteilnehmer waren älter, mehr als die Hälfte war über 30 Jahre alt.

Was den Aspekt des Preises noch mehr in den Fokus rückt. Und natürlich die Frage: Können die Unternehmen solche Mängel überhaupt abstellen, ohne die Preise zu erhöhen? Und wie viel Einfluss haben sie eigentlich auf die Verspätungen, die ja nun einmal entweder im Stau auf der Autobahn oder in der Rushhour in den großen Städten entstehen?

Oder entwickelt sich der Fernbussektor gar zu einem Segment, in dem die Maßstäbe, die man an die Bahn anlegt, auch von den Fahrgästen gar nicht erwartet werden, weil sie wissen, dass man für weniger Geld nicht dieselben Bedingungen erwarten kann?

Die Umfrage auf den Webseiten der Verbraucherzentralen wurde im Rahmen des Projektes „Wirtschaftlicher Verbraucherschutz“ durchgeführt und gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Verbraucher mit Fragen und Problemen rund um Fernbusreisen finden Informationen und Hilfestellungen unter http://www.verbrauchrezentrale-sachsen.de oder direkt in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Sachsen.

Die Auswertung der Umfrage „Was hakt im Fernbusmarkt? – Erfahrungen der Verbraucher mit Fernbusreisen“.

FernbusseVerbraucherzentrale Sachsen
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